Deutsche treffen auf Angstgegner

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"Deutschland hat sicher Angst vor uns"

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Deutschland bekommt es im Semifinale der EM am Donnerstag im Nationalstadion von Warschau mit einem echten Angstgegner zu tun. Gegen Italien hat die DFB-Auswahl in sieben Duellen bei großen Turnieren keinen einzigen Sieg eingefahren, dafür aber einige bittere Niederlagen kassiert.

Neben dem 1:3 im WM-Finale 1982 ist den Deutschen vor allem noch das 0:2 nach Verlängerung im Semifinale der Heim-Weltmeisterschaft 2006 gut in Erinnerung - der aktuelle Teamchef Joachim Löw saß damals als Assistent von Jürgen Klinsmann auf der Bank. "Jetzt ist die Zeit reif, gegen Italien zu gewinnen", erklärte Löw.

Revanche für 2006?

Von Revanche-Gelüsten für das Ausscheiden vor sechs Jahren will Löw aber nichts wissen. "Im Fußball gibt es so etwas wie Revanche nicht. Die Niederlage 2006 können wir nicht mehr gutmachen. Wir haben heute eine andere Situation. Die Vergangenheit spielt überhaupt keine Rolle."

Der 52-Jährige gab sich vor dem Duell mit der "Squadra Azzurra" betont optimistisch. "Es stimmt, dass wir uns gegen die Italiener immer schwergetan haben. Aber diesmal wird es anders sein", versprach der DFB-Bundestrainer.

Dennoch gibt es für Löw "keinen ausgesprochenen Favoriten". Auch die um zwei Tage längere Pause im Vergleich zu Italien wollte der frühere Austria- und Tirol-Betreuer nicht überbewerten.

Deutschland muss sich steigern

"Ich habe bisher keine körperlichen Mängel bei den Italienern festgestellt. Sie haben gut gespielt. Auch im Viertelfinale gegen England waren sie das klar dominantere Team. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie schlapp und nicht gut drauf sind."

Eine Leistung wie beim 4:2 im Viertelfinale gegen Griechenland werde gegen den vierfachen Weltmeister nicht reichen, warnte Löw. "Griechenland soll nicht der alleinige Maßstab sein für unser Spiel. Italien ist eine ganz andere Hausnummer. Wir müssen noch einmal einen draufsetzen, um das Spiel zu gewinnen."

Der Teamchef dürfte am linken Flügel wieder Lukas Podolski anstelle von Andre Schürrle aufstellen, rechts hingegen bleibt wohl Marco Reus in der Mannschaft.

"Deutschland hat sicher Angst vor uns"

Auch Miroslav Klose könnte neuerlich den Vorzug gegenüber EM-Topgoalgetter Mario Gomez bekommen. "Wir wissen, wo die Schwächen der Italiener sind, und wir werden sie bespielen", erklärte Klose, dessen DFB-Auswahl vor dem insgesamt 500. Länderspiel-Sieg und dem 16. Pflichtspiel-Erfolg en suite steht.

Doch auch die Bilanz der Italiener kann sich sehen lassen. Seit 14 Bewerbsspielen ist die "Squadra Azzurra" ungeschlagen, zudem wurden von den jüngsten 18 EM-Endrunden-Auftritten nur zwei verloren.

Diese Statistik wird dem DFB-Team laut Andrea Pirlo Respekt einflößen. "Deutschland hat sicher Angst vor uns", vermutete der italienische Regisseur.

Regenerationszeit ein Vorteil für Deutschland

Der 33-Jährige erwartet ein Duell auf Augenhöhe. "Das ist ein würdiges Halbfinale. Die Deutschen sind stark. Sie werden nicht so defensiv agieren wie England, sondern mehr mitspielen und uns Probleme bereiten."

Pirlos Teamchef Cesare Prandelli hat im Gegensatz zu Löw mit einigen Personalproblemen zu kämpfen. Christian Maggio fehlt wegen einer Gelb-Sperre, Daniele de Rossi und Ignazio Abate werden von Muskelblessuren geplagt, dürften aber rechtzeitig fit werden. Girogio Chiellini hat seine Oberschenkelverletzung auskuriert und steht Prandelli wieder zur Verfügung.

Prandelli beklagte die mangelnde Regenerationszeit für seine Kicker und nahm dabei die UEFA in die Pflicht. "Sie muss sich für die nächste EM etwas überlegen. Nach einer so kurzen Pause ein Semifinale zu spielen, ist für ein Spektakel nicht förderlich."

Die um zwei Tage längere Erholung könnte am Ende entscheidend sein. "Wir treffen auf eine physisch starke Mannschaft, es wird ein enges Spiel, in dem es auf jede Kleinigkeit ankommen könnte", meinte der 54-Jährige.

 

Mögliche Aufstellungen:

Deutschland - Italien

20.45 Uhr, Warschau, Nationalstadion, SR Stephane Lannoy (FRA)

Deutschland:

1 Neuer - 20 Boateng, 5 Hummels, 14 Badstuber, 16 Lahm
- 7 Schweinsteiger, 6 Khedira - 21 Reus, 8 Özil, 10 Podolski - 11
Klose

Ersatz: 12 Wiese, 22 Zieler - 4 Höwedes, 17 Mertesacker, 3
Schmelzer, 15 Bender, 19 Götze, 2 Gündogan, 18 Kroos, 13 Müller, 9
Schürrle, 23 Gomez

Italien:

1 Buffon - 7 Abate, 15 Barzagli, 3 Chiellini, 6 Balzaretti -
8 Marchisio, 21 Pirlo, 18 Montolivo, 16 De Rossi - 9 Balotelli, 22
Diamanti

Ersatz: 14 De Sanctis, 12 Sirigu - 4 Ogbonna, 19 Bonucci, 23
Nocerino, 17 Borini, 13 Giaccherini, 5 Motta, 10 Cassano, 11 Di
Natale, 20 Giovinco

Es fehlt: Maggio (gesperrt)

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