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Hodgson soll "Three Lions" bei EURO betreuen

Der englische Fußball-Verband will Weltenbummler Roy Hodgson als Nationaltrainer - und erntet mit der Ausbootung des haushohen Favoriten Harry Redknapp einiges an Kritik.

Der "Guardian" schrieb von einer "schockierenden Wahl". Statt mit Redknapp, dem Liebling der Öffentlichkeit und der Spieler, verhandelt die FA seit Montag mit Hodgson über die Nachfolge des zurückgetretenen Italieners Fabio Capello.

Entscheidung anscheined schon gefallen

Einen "Ja-Sager im Blazer", nannte der "Daily Mirror" den Trainer von West Bromwich Albion.

Die Entscheidung scheint längst gefallen, Hodgson dürfte bereits in den nächsten Tagen als starker Mann für die EM in Polen und der Ukraine präsentiert werden.

Zuletzt hatte Ex-Teamspieler Paul Pierce die "Three Lions" interimistisch betreut.

Scharner lobt Hodgson

Hodgson hatte im Saisonverlauf mehrfach betont, er wäre "hocherfreut", würde die Wahl auf ihn fallen. Sein Vertrag bei West Brom läuft mit Saisonende aus.

Dort trainiert Hodgson auch ÖFB-Teamspieler Paul Scharner, der stets in höchsten Tönen von seinem Coach schwärmte.

Hodgson hat in der Vergangenheit bereits die Auswahl-Teams der Schweiz (1992-95), der Vereinigten Arabischen Emirate (2002-04) und Finnlands (2006-07) betreut.

Image spircht seinen Coach

Beinahe wäre der Engländer 2002 auch österreichischer Teamchef geworden, ehe sich der ÖFB nach einem Hearing für Hans Krankl und damit eine heimische Lösung entschied.

In seiner Heimat passt Hodgson ins Suchprofil. Er ist nicht nur Engländer, sondern ein "Englishman" mit Stil.

Nach der Rassismus-Affäre um Ex-Kapitän John Terry kommt das der auf ihr Image bedachten FA gelegen - eher als der rauer gestrickte Redknapp.

Harry Redknapp galt lange als Favorit

Erfolgreich mit West Brom

In seinem Steuer-Prozess, in dem er im Februar freigesprochen wurde, sorgte Tottenhams Erfolgscoach für peinliche Schlagzeilen.

Hodgson schien seine erfolgreichste Zeit eigentlich bereits hinter sich zu haben, ehe er mit dem kleinen Club West Brom als derzeitiger Zehnter der Premier League noch einmal aufhorchen ließ.

Als Nationalcoach erlebte der Kosmopolit seine glanzvollste Zeit mit der Schweiz, die er 1994 in den USA ins WM-Achtelfinale führte. Seine bitterste Zeit als Clubtrainer hatte er beim Liverpool FC. Dort wurde er 2011 nach nur 191 Tagen entlassen.

Erste Gespräche am Montag

Das erste Verhandlungsgespräch zwischen Hodgson und der FA stand laut Medienberichten am Montag an.

Man wolle im Liga-Endspurt keine Unruhe stiften, erklärte der Verband auf die Kritik, erst gut zweieinhalb Monate nach dem Aus von Capello seinen Top-Kandidaten präsentiert zu haben.

Der Neue könne noch "wenige Tage vor der EM reingeworfen werden", hieß es weiter. Interimscoach Pearce wusste bis vor ein paar Tagen nicht, ob er nicht nur das Team Großbritannien zu Olympia führt, sondern auch England zur EM.

Öffentlichkeit wollte Redknapp

Sollte die wochenlange Redknapp-Mania erst abebben? Nicht nur Torjäger-Legende Alan Shearer und Superstar Wayne Rooney hielten den Motivationsguru und Spurs-Coach für die ideale Wahl.

Redknapp bekundete selbst Interesse: "Das ist der ultimative Job für einen Engländer." Nun meinte er: "Viel Glück für Roy. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch infrage komme."

Hodgson ablösefrei

Gegen Redknapp sollen auch persönliche Animositäten in dem für die Trainersuche verantwortlichen Vierer-Gremium eine Rolle gespielt haben.

Zudem hätte Redknapp laut "Times" aus seinem Spurs-Vertrag für zehn Millionen Pfund (knapp zwölf Mio. Euro) herausgekauft werden müssen. Hodgson dagegen wäre ablösefrei.

Allerdings ließ Tottenham wissen, man sei vom Verband nie wegen einer möglichen Ablöse kontaktiert worden.

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