Gomez: "Das war Druck ohne Ende!"

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So richtig große Freude wollte bei Mario Gomez nicht aufkommen.

Nicht nach dem 1:0, auch nicht nach dem 2:0.

Er jubelte zwar, aber sichtlich verhalten. Die vergangenen Tage hatten deutliche Spuren hinterlassen.

Viel Kritik trotz Goldtor

Obwohl er Deutschland beim Auftakt gegen Portugal zum 1:0-Sieg schoss, prasselte viel Kritik auf den DFB-Stürmer ein.

Vor allem TV-Experte Mehmet Scholl äußerte sich abwertend über die Leistung des 26-Jährigen.

„Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss“, ätzte der Ex-Bayern-Star, weil Gomez aus seiner Sicht zu wenig am Spiel teilnahm.

„Er macht zu wenig für die Mannschaft. Das gibt es im modernen Fußball nicht mehr, dass Stürmer nicht nach hinten arbeiten“, so Scholl weiter.

Gomez liefert die Antwort am Platz

Gomez holte zwar anschließend in einer Pressekonferenz zum kleinen Gegenschlag aus, gab aber die beste Antwort am Platz.

Mit seinen Treffern zwei und drei brachte er das DFB-Team dem EM-Viertelfinale ein großes Stück näher, dazu lief er bis zu seiner Auswechslung 8,7 Kilometer und hatte 26 Ballkontakte.

„Das war Druck ohne Ende. Ein paar hundert Kilo auf meinen Schultern. Schade, dass so etwas passiert. Du kriegst drei Tage nur auf die Fresse. Das ist nicht schön. Ich bin froh, dass die Wichtigen in Deutschland hinter mir standen“, sagte Gomez nach dem Spiel sichtlich nachdenklich.

Er weiß, dass er nicht mehr „Everbody’s darling“ werden wird; dass die Kritiker immer etwas auszusetzen haben werden; dass er es wohl nie allen recht machen kann.

Beeindruckende Quote

Aber Gomez tut das, was ein Stürmer primär machen sollte: Tore schießen.

Seine Quote aus den vergangenen zwei Jahren ist beeindruckend: In insgesamt 113 Pflichtspielen gelangen dem Goalgetter mit spanischen Wurzeln stolze 93 Tore.

Kein Wunder, dass Gomez nur bedingt Änderungsbedarf an seiner Spielweise sieht: „Ich habe nach Messi die meisten Tore in der Champions League geschossen, ich weiß nicht, warum ich mich ändern sollte.“

Scholl ist stolz auf Gomez

Auch DFB-Kapitän Philipp Lahm sah es ähnlich und sagte nach dem 2:1-Sieg gegen die Niederlande das, was ohnehin jeder sehen konnte: „Die Tore, die Mario gemacht hat, sind Weltklasse und wir wissen, was wir an ihm haben.“

Nach dem Spiel wurde Gomez als „Mann des Spiels“ ausgezeichnet, erhielt eine Trophäe und gleich dazu eine Lobesrede von Dänemark-Legende Alla n Simonsen: „Er ist der typische Goalgetter, er ist immer da, wo man ihn braucht. Er hat alles, was ein Fußballer braucht.“

Ob damit die ständigen Diskussionen in Deutschland endgültig abreißen, ist allerdings nicht sicher.

Ober-Kritiker Scholl war nach der Gomez-Gala jedenfalls etwas kleinlauter und gratulierte dem Matchwinner artig: „Ich bin stolz auf Mario! Einsatz und Erfolg haben zusammengepasst.“

So richtig große Freude wird bei Mario Gomez aber wohl trotzdem nicht aufkommen.

Kurt Vierthaler

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