Im Elftal der Tränen

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"Das ist einfach nur schlecht"

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Der orange Albtraum ist eingetreten.

Nicht nur, dass die Niederlande bei der EM 2012 das Viertelfinale verpasst hat. Nicht nur, dass es in ihrer Gruppe B Schlusslicht wurde. Die „Elftal“ tritt auch mit drei Niederlagen die Heimreise an.

Die totale Blamage wurde am Sonntag mit der 1:2-Niederlage gegen Portugal perfekt gemacht. Drei Spiele, zwei Tore, null Punkte – Oranje hat sich zur Lachnummer der Europameisterschaft „gekürt“.

„Nicht zu verstehen und zu akzeptieren“

Jenes Team, das noch vor zwei Jahren in Südafrika knapp am WM-Titel scheiterte und Platz zwei holte, muss in der so genannten Horror-Gruppe B wie Dänemark die Heimreise antreten.

„Wir sind dreimal besiegt worden, das ist schwer zu verstehen und zu akzeptieren“, war Arjen Robben, der nach seiner Bayern-Saison – drei Mal Zweiter – die nächste Katastrophe ereilte.

Rafael van der Vaart: „Bei dieser EM waren wir einfach nicht gut genug für die nächste Runde.“

Was passiert mit Bondscoach Van Marwijk, der seinen Vertrag verlängerte?

  • Fehlende Offensivkraft

Es ist nicht zu glauben, aber die Torschützenkönige aus England (Robin van Persie), Deutschland (Klaas-Jan Huntelaar) sowie Offensiv-Künstler wie Wesley Sneijder, Arjen Robben, Ibrahim Affellay und Rafael van der Vaart erzielten zusammen nur zwei Treffer. Zwar war bei mehreren Aluminium-Treffern auch Pech dabei, nichtsdestoweniger ist es letztlich ein Armutszeugnis für die technisch beschlagene Offensive der Elftal, dass beide Treffer von außerhalb des Sechzehners erzielt wurden.

  • Fehlende Unterstützung

Das bezieht sich auf die Interpretation der Sechser-Position. Denn die beiden bei den Niederlagen gegen Dänemark (0:1) und Deutschland (1:2), Kapitän van Bommel und Nigel de Jong, hätten ihren Vorderleuten wohl einen Gefallen getan, wenn sie sich ins Spiel nach vorne mehr eingebunden hätten. So klebten sie an der Mittellinie. Während etwa Schweinsteiger die beiden Assists beim deutschen 2:1-Sieg lieferte, blieben Hollands Sechser offensiv völlig blass. Zu altertümlich.

  • Fehlende Defensivkraft

Der Vergleich mit Käse ist im Kontext mit Holland ein gerne gewählter, an dieser Stelle passt er auch. Denn die Defensive war löchrig, instabil und letztlich einfach überfordert. „Wir haben zu einfache Gegentore kassiert“, brachte es van Marwijk auf den Punkt. Allen fünf Gegentreffern in den drei Spielen gingen offensichtliche Fehler voraus. Das betrifft nicht alleine die Viererkette, zugegeben sind aber etwa die Innenverteidiger Mathjisen und Heitinga für so ein Turnier mittlerweile zu überfordert.

  • Fehlende Zweikampfkraft

Nach dem zweiten Spieltag hatten die Niederländer nicht nur die Rote Laterne in der eigenen Gruppe, auch in einer anderen Kategorie waren sie ganz hinten anzutreffen: Keine der 15 anderen Mannschaften hatte zu diesem Zeitpunkt weniger Zweikämpfe gewonnen als die Holländer. Kein Wunder, dass die Elftal nicht nur in der Tabelle meilenweit vom Aufstieg entfernt schien, sondern auch auf dem Platz. Der Kürzere wurde sehr oft gezogen, viel zu oft.

  • Fehlender Teamgeist

Es ist bei Holland nichts Neues, wenn jemand seine Fähigkeiten des Teamworks kritisiert. Die „Oranje“ hat bei diesem Turnier allerdings auch kaum versucht, diese These zu widerlegen. Die Körpersprache sprach Bände. Drei Mal gerieten die Niederländer in Rückstand, drei Mal konnten sie sich nicht zumindest zu einem Punkt zurückfighten. Die unbestritten individuelle Klasse der Offensivspieler konnte nicht gebündelt werden, zu oft waren es Einzelaktionen, die nicht aufgingen. Letztlich, und so wird es in die Annalen eingehen, war der Vize-Weltmeister „einfach nur schlecht“.

 

Bernhard Kastler

Bondscoach Bert van Marwijk musste tun, was zu tun ist und stellte sich vor die Mannschaft: „Ich übernehme die Verantwortung. Wir haben zu viele Fehler gemacht, nicht nur die Spieler – auch ich.“

Kapitän Mark van Bommel hielt es wie sein Schwiegervater, der den Mittelfeldspieler gegen Portugal für eine offensivere Aufstellung opferte: „Ich bin Kapitän und ich habe immer mein Team und meine Spieler zu schützen.“

Erklärungen für das holländische Fehlverhalten hat der 35-Jährige kaum: „Es sind die letzten zwei Jahre, die Dinge geändert haben und die Atmosphäre war diesmal anders. Ich kann aber auch nicht in die Köpfe der Spieler sehen, ich kann nur für mich selbst sprechen.“

„Dann hast du kein Recht zu sprechen“

Als einer der wenigen tat das der Captain auch nach den 90 Minuten gegen die Iberer, die von einem überragenden Cristiano Ronaldo angeführt, Oranje der letzten Aufstiegschance beraubten. Danach wollte keiner der Holländer wirklich Stellung nehmen.

Van Bommel hat hierfür zumindest eine Erklärung: „Wenn du drei Spiele verlierst, dann hast du kein Recht zu sprechen. Das ist einfach nur schlecht.“ Auf den Punkt gebracht.

Ob der zukünftige Spieler von PSV Eindhoven seine internationale Karriere fortsetzen werden würde, ließ der ehemalige Barcelona-, Bayern- und Milan-Star offen: „Darüber habe ich nicht nachgedacht.“

Wie geht es mit Schwiegervater van Marwijk weiter? Vor dem Turnier wurde der Vertrag des 60-Jährigen bis 2016 verlängert. „Fragen Sie mich jetzt aber nicht nach meiner Zukunft“, so der Coach.

Kaum vorstellbar, dass der niederländische Verband nicht reagieren wird. Denn der schlechteste holländische EM-Auftritt seit 1984 bleibt hängen. Warum? LAOLA1 nennt fünf Gründe:

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