Die Gruppe A im LAOLA1-Check

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Es ist so weit. Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine beginnt endlich.

Vor den ersten Gruppenspielen stellt LAOLA1 die Spielarten der einzelnen Mannschaften vor. Welche Systeme erwarten uns? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen? Und welche Spieler stehen bei ihren Teams besonders im Fokus?

Los geht es mit der Gruppe A mit Gastgeber Polen, Griechenland, Russland und Tschechien.

Das polnische Trio bei Dortmund

Polen: Der kräftige rechte Haken

Mögliche Aufstellung (4-2-3-1): Szczesny (Arsenal) – Piszczek (Dortmund), Wasilewski (Anderlecht), Perquis (Sochaux), Boenisch (Bremen) – Murawski (Posen), Polanski (Mainz) – Blaszczykowski (Dortmund) – Obraniak (Bordeaux), Rybus (Terek Grozny) – Lewandowski (Dortmund)

Das Prunkstück der Polen ist ohne Zweifel die rechte Seite. Mit Piszczek und Blaszczykowski sind dort zwei Dortmunder am Werk, die sich perfekt ergänzen. Im auf Konter ausgerichteten 4-2-3-1-System von Trainer Franciszek Smuda nehmen sie eine wichtige Rolle ein. Nach der Balleroberung soll vertikal und schnell nach vorne gespielt werden. Etwas, das die beiden deutschen Meister exzellent beherrschen - frag nach beim FC Bayern. Auch Klubkollege Lewandowski passt zu dieser Spielweise. Die Solospitze versteht es die Bälle zu halten und nach Aufrücken der Mitspieler gefährlich weiterzugeben. Auf Probleme könnten die Polen jedoch stoßen, sobald sie einmal selbst das Spiel machen müssen. Eine Schwäche, die sie mit dem Enthusiasmus des Publikums überdecken könnten.

Unter Santos spielt Griechenland ein 4-3-3

Griechenland: Defensiv noch immer stark

Mögliche Aufstellung (4-3-3): Sifakis (Aris) – Sokratis (Bremen), Papadopoulos (Schalke), Avraam (Olympiakos), Holebas (Olympiakos) – Katsouranis (PAO), Maniatis (Olympiakos), Karagounis (PAO) – Salpingidis (PAOK), Gekas (Samsunspor), Samaras (Celtic)

Otto Rehhagel ist weg, aber defensive Stabilität spielt noch immer eine große Rolle bei den Griechen. Die Südeuropäer kassierten in der Qualifikation, in der sie unbesiegt blieben, nur fünf Tore in zehn Spielen. Trainer Fernando Santos setzt auf ein stabiles 4-3-3-System. Vor der Abwehr sichert Maniatis ab, während der ebenfalls eher tief stehende Katsouranis die Bälle verteilt. Der letzte Platz im Dreiergespann geht mit Karagounis oder Fotakis (PAOK) an einen etwas offensiveren Spieler. Vorne gilt es neben Mittelstürmer Gekas (früher Frankfurt) insbesondere auf Samaras aufzupassen. Der bewegliche 1,92-m-Hüne kommt nicht wie bei seinem Klub Celtic Glasgow in der Mitte zum Einsatz, sondern auf dem Flügel. Infolgedessen kann er in Duellen mit den Außenverteidigern seine Kopfballstärke und Athletik ausspielen. Diese Attribute sind überhaupt große Stärken der Griechen, weswegen sich ihre Gegner vor allem bei Standardsituationen in Acht nehmen müssen. Ein Offensiv-Feuerwerk darf man sich von den Hellenen jedoch nicht erwarten. Dazu ist das Mittelfeld zu sehr auf Sicherheit bedacht.

Doppelter Torschütze gegen Italien: Shirokov

Russland: Zenit 2.0

Mögliche Aufstellung (4-3-3): Malafeev (Zenit) – Anyukov (Zenit), Ignashevich (ZSKA), A. Berezutski (ZSKA), Zhirkov (Anzhi) – Zyryanov (Zenit), Denisov (Zenit), Shirokov (Zenit) – Dzagoev (ZSKA), Kerzhakov (Zenit), Arshavin (Zenit)

Vor vier Jahren drang Russland mit Guus Hiddink bis ins Semifinale vor. Mittlerweile hat mit Dick Advocaat ein anderer Niederländer das Zepter übernommen. Der zukünftige PSV-Eindhoven-Coach lehnt sich mit seinem 4-3-3-System an die Spielweise seines Ex-Klubs Zenit St. Petersburg an. Advocaat tut gut daran, besteht doch die halbe Mannschaft aus Akteuren des russischen Meisters, darunter das gesamte Mittelfeld. Vor dem klassischen Sechser Denisov versuchen die beiden Achter Shirokov (Achtung vor seinen Vorstößen in den Strafraum) und Zyryanov im Aufbauspiel vor allem die Flügel zu forcieren. Der mittlerweile in die Jahre gekommene Kapitän Arshavin, sowie Youngster Dzagoev ziehen von dort oft in die Mitte. Auf diese Weise schaffen sie Platz für die offensiven Außenverteidiger Zhirkov und Anyukov. Alles in allem kann Russland auf ein spielerisch starkes Konstrukt zurückgreifen. Nicht zuletzt das 3:0 im Freundschaftsspiel gegen Italien hat bewiesen, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist. Zum Problem könnte jedoch das hohe Durchschnittsalter der Formation werden. Vor allem die beiden Innenverteidiger sind nicht mehr die Schnellsten.

Hoffnungen der Tschechen ruhen auf Rosicky

Tschechien: In der Mitte liegt die Kraft

Mögliche Aufstellung (4-2-3-1): Cech (Chelsea) – Gebre Selassie (Liberec), Sivok (Besiktas), Kadlec (Leverkusen), Pudil (Cesena) – Plasil (Bordeaux), Jiracek (Wolfsburg) – Rezek (Famagusta), Rosicky (Arsenal), Pilar (Pilsen) – Baros (Galatasaray)

Die glorreichen Zeiten der Tschechen scheinen vorbei zu sein, doch Trainer Michal Bilek kann mit einer soliden Mannschaft arbeiten. Herzstück des Teams ist die rochierende Mittelfeld-Zentrale. Bordeaux-Kapitän Plasil ist ein verlässlicher Ballverteiler, Wolfsburgs Jiracek ein agiler Box-to-Box-Spieler. Davor soll Rosicky für die Kreativ-Momente im 4-2-3-1-System sorgen. Hinter dem Einsatz des Arsenal-Stammspielers stand aufgrund einer Wadenverletzung ein kleines Fragezeichen, doch er dürfte rechtzeitig fit werden. Zusammen mit dem zum Innenverteidiger umfunktionierten Leverkusener Kadlec sowie den schnellen Außenspielern bildet das Mittelfeld-Trio ein spielerisch starkes Grundgerüst. Große Schwäche ist jedoch das Sturmzentrum. Baros hat seine ruhmreichen Zeiten längst hinter sich, dennoch besitzt er die besten Karten im Kampf um den Platz als Solospitze.

 

Jakob Faber

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