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Das EURO-Powerranking - Wechsel an der Spitze

Die 100-Tage-Schallmauer ist durchbrochen.

Die Europameisterschaft rückt immer näher.

Ehe sich die Mannschaften im Mai zu den finalen Tests vor dem Großereignis treffen, nutzten alle EM-Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Spieler inmitten des Meisterschaftsbetriebs noch einmal zusammenzuziehen.

LAOLA1 wirft zum zweiten Mal den Blick auf alle 16 Teams, bewertet das Auftreten in den vergangenen Freundschaftsspielen und geht vor allem der Frage nach, wer denn nun aktuell Top-Favorit auf den Titel ist.

16. (13) Irland

Liebe Iren, so wird das nichts. Vor heimischem Publikum ein „kick and rush“ aufzuziehen, ist beileibe nicht das, was sich der irische Fußball-Fan unter einem erfolgreichen System vorstellt. Giovanni Trapattoni schert es wenig, hat er doch ganz eigenwillige Vorstellungen. Seine Startelf für die EM soll bereits feststehen – jene vom Tschechien-Spiel soll die Kohlen aus dem Feuer holen. Eines ist aber klar: In der aktuellen Form verbrennen sie sich dabei höchstens die Finger.

15. (12) Griechenland

Das 1:1 gegen Belgien, das bei der EM nur die Zuschauerrolle bleibt, spiegelt den Spielverlauf perfekt wieder. Griechenland erspielte sich zwar zwei, drei gute Möglichkeiten, offenbarte in der Defensive aber auch eklatante Schwächen. Durchaus verwunderlich für ein Team, das die Qualifikationsgruppe mit nur fünf Gegentreffern in zehn Spielen beendete. Neben der Verteidigungsleistung enttäuschte auch das Offensivspiel des Europameisters von 2004, der in den letzten 20 Minuten mit einem Mann mehr auf dem Feld stand.

14. (16) Ukraine

Die Mannschaft von Oleg Blokhin sammelte dank eines 3:2-Erfolges in Israel Selbstvertrauen für die Mammut-Aufgabe Heim-Europameisterschaft. Zu viel hineininterpretieren darf man in das Spiel allerdings nicht, gab es doch auf beiden Seiten strittige Elfmeter-Szenen. Die Israelis "glänzten" zudem mit ungewöhnlich vielen Individualfehlern. Hervor zu streichen ist bei den EM-Gastgebern der Treffer zum 3:1 durch Yarmolenko, der nach herrlicher Kombination zustande kam.

13. (14) Polen

Das 0:0 gegen Portugal ist durchaus als Erfolg für den Co-Gastgeber der EURO zu sehen. Die Mannen von Trainer Smuda wurden in der ersten Halbzeit überrollt, kassierten aber kein Tor und holten danach ihrerseits zum Gegenschlag aus. Mit diesem Rezept und ähnlichem Glück wie gegen die Iberer ist auch bei der EM – vor allem angesichts des Losglücks bei der Gruppeneinteilung – einiges möglich. Vorausgesetzt Polens Spieler zeigen sich im Abschluss abgeklärter als etwa Jelen am vergangenen Mittwoch.

12. (15) Tschechien

Mit Tomas Rosicky fehlte den Tschechen beim Test in Irland (1:1) der Ideengeber, was dem Vize-Europameister von 1996 auch klar anzumerken war. Nur selten konnte Ersatzmann Jiri Stajner sich oder seine Nebenleute gut in Szene setzen. Positiv anzumerken ist freilich, dass die Abwehr – auch dank der Harmlosigkeit des Gegners – kaum Fehler beging.

11. (10) Kroatien

"Wir waren einfach nicht gut", erklärte Coach Bilic dem nationalen Fernsehen nach der 1:3-Heimpleite gegen Schweden. Vor allem die Performance in der zweiten Halbzeit stößt dem 43-Jährigen sauer auf, fielen die Kroaten seines Erachtens nach doch völlig auseinander. Die Kreativ-Abteilung um Modric und Rakitic trat selten in Erscheinung, dass der einzige Treffer aus einem Eigentor des Gegners resultierte, ist bezeichnend. Die langsame Abwehr um Ex-Sturm-Spieler Schildenfeld zeigte sich mit Ibrahimovic allein schon überfordert.

10. (11) Dänemark

Wer behauptet, den Dänen hätte gegen Russland das "Danish Dynamite" gefehlt, trifft es auf den Punkt. Defensiv leistete man sich nicht zu verzeihende Patzer, der Gegner konnte nach Belieben schalten und walten. Dazu patzte Torwart Sörensen in seinem 100. Länderspiel beim zweiten Gegentreffer. Das Fehlen von Agger war klar ersichtlich, ein weiteres Manko zeigte sich in der Abschlussschwäche. Bendtner klebte auch im Team die Seuche am Fuß, dazu ließ Ersatz Mikkelsen gute Gelegenheiten aus. In dieser Form wird man in der Gruppenphase zum Kanonenfutter der hochklassigen Konkurrenz.

9. (7) Portugal

Cristiano Ronaldo spielt, trifft aber nicht. Was bei Real Madrid nahezu unvorstellbar wäre, war gegen Polen bittere Realität. Wie der 27-jährige Superstar scheiterten auch Sturmpartner Almeida und vor allem Nani immer wieder an Polen-Schlussmann Szczesny oder dem eigenen Ehrgeiz. Die Iberer müssen ihre Gelegenheiten besser nutzen und viele Tore erzielen, denn die Abwehr zeigte sich auch gegen den Co-Veranstalter der EURO alles andere als sattelfest. Gruppengegner Deutschland und Niederlande werden sich wohl kaum zweimal bitten lassen.

8. (9) Russland

Es bleibt dabei: Russland sollte man hinsichtlich der kontinentalen Titelkämpfe keinesfalls unterschätzen. Trainer Dick Advocaat lässt im 4-3-3 spielen und operiert dabei mit einer erfahrenen Mannschaft. Hinten schleicht sich zwar der eine oder andere Fehler ein – so auch beim 2:0-Sieg in Dänemark -, vorne hat man aber jede Menge Offensiv-Power. Vor allem aber bedient sich Russland gerne einer starken Vorstellung Kapitän Arshavins. Der zu St. Petersburg zurückgekehrte Spielführer glänzte als Vorbereiter.

7. (8) Schweden

Wie schon über die letzten Jahre hinweg verfügt Schweden über ein kompaktes, ausgeglichenes Team, in dem ein, zwei Spieler stets hervorstechen. Wenn diese dann auch noch seit geraumer Zeit in Hochform agieren, ist das „Drei-Kronen-Team“ ein ernstzunehmender EM-Kandidat. Milan-Star Ibrahimovic traf per Elfmeter zur Führung und leitete die beiden weiteren Treffer beim 3:1 gegen Kroatien ein. Mit Debütant Guidetti steht den Skandinaviern darüber hinaus ein ungeschliffener Diamant zur Verfügung.

6. (5) Italien

Muss man sich als Fan der italienischen Nationalmannschaft sorgen? Es war beileibe kein spielerischer Leckerbissen, den die Prandelli-Truppe beim 0:1 gegen die USA ablieferte. Ungewohnte Stellungsfehler in der Abwehr, inkonsequentes Zweikampfverhalten und – abgesehen von Pirlo – fehlende Kreativität sowie Kaltschnäuzigkeit bescherten der „Squadra Azzurra“ die erste Niederlage gegen die US-Boys. Enttäuschend war auch die Vorstellung von Matri, der die besten Chancen der Hausherren verstreichen ließ.

5. (4) England

Zunächst die Sperre für Rooney, dann Troubles um Rassismus und nun ohne Erfolgstrainer Capello. England droht, sich vor der EM selbst vom Zettel der Favoriten zu streichen. Auch das 2:3 gegen die Niederlande stimmte einen da nicht positiver. Ohne den erkrankten Rooney fehlte dem englischen Spiel die Durchschlagskraft, die Youngster-Offensive mit Welbeck, Sturridge und Johnson verfügt noch nicht über die Erfahrung, die bei einem Großereignis womöglich entscheiden kann. Hoffnung gibt da höchstens die Tatsache, dass man sich vom 0:2 noch einmal zurückkämpfte und so die Niederlage fast noch abgewendet hätte.

4. (6) Frankreich

Chapeau, Laurent Blanc! Der Nationaltrainer Frankreichs hat aus dem zerstrittenen WM-Haufen wieder eine Einheit geformt. Der Ball zirkulierte im Test gegen Deutschland (2:1) gut, in den Offensivaktionen steckten Tempo, Lauffreude und Passsicherheit, dazu stand die Defensive sehr kompakt. Mexes' Rückkehr ist für die Stabilität wichtig, der Milan-Akteur strahlt Ruhe und Souveränität aus. Auffallend: Sein Verteidiger-Kollege Adil Rami war bei vielen Angriffen im Spielaufbau beteiligt. Die umtriebigen Valbuena und Nasri hielten ihre deutschen Gegenspieler ständig auf Trab, Riberys Verletzung wurde schier mühelos kompensiert. In dieser Form muss man die "Equipe Tricolore" auf der Rechnung haben.

3. (3) Niederlande

Nicht nur, dass Oranje vor beeindruckender Kulisse im Wembley triumphieren konnte, beeindruckte, sondern vor allem das Wie. Bondscoach Van Marwijk ließ seine Mannen gegen die "Three Lions" sehr defensiv spielen und in der Verteidigung äußerst tief stehen. Das hatte nicht nur ein größeres Arbeitspensum für die Offensivspieler zur Folge, sondern in erster Linie auch große Räume für blitzschnelle Gegenstöße. Wie das im Idealfall auszusehen hat, zelebrierte Robben, der im Team geradezu befreit aufspielte, beim 1:0, als er ein 60-Meter-Solo mit einem trockenen Schuss abschloss.

2. (1) Deutschland

Zu große Abstände zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld, zu langsames Umschalten von Offensive auf Defensive, zu wenig energisch in den entscheidenden Zweikämpfen. Das Testspiel gegen Frankreich (1:2) könnte sich für Deutschland als Weckruf zur rechten Zeit entpuppen. Denn trotz namhafter Ausfälle – darunter Kapitän Lahm, Stellvertreter Schweinsteiger, Mertesacker und Podolski – muss festgehalten werden: So unverwundbar, wie sich die DFB-Elf teilweise im Jahr 2011 präsentierte, ist sie definitiv nicht.

1. (2) Spanien

Auch wenn Venezuela kein wirklicher Maßstab war, hat der amtierende Welt- und Europameister doch wieder unterstrichen, dass der Titel nur über ihn gehen kann. 5:0 und etliche Groß-Chancen sprechen eine klare Sprache. Im Angriff scheinen Llorente mit seiner Kopfballstärke und Hattrick-Schütze Soldado mit seinem Torinstinkt das arrivierte Sturm-Duo Torres-Villa durchaus ersetzen zu können. Defensiv überzeugte Ramos als Innenverteidiger und Alba auf links. Und bei wem Xavi, Cazorla und Mata als Kreativ-Kräfte zunächst nur auf der Bank sitzen, für den ist "Leistungsdichte" nahezu schon ein beschämendes Wort.

 

Christian Eberle/Christoph Nister

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