Osvaldo wird zum Politikum

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Italien befindet sich in heller Aufregung.

Obwohl die Nationalmannschaft die Qualifikation für die EURO 2012 in souveräner Manier gemeistert hat, muss sich Teamchef Cesare Prandelli Kritik gefallen lassen.

Der Grund dafür ist die Nachnominierung von Pablo Daniel Osvaldo.

Prandelli ließ ihn kaum spielen

Aus sportlicher Sicht mutet die Einberufung des 25-Jährigen tatsächlich ein wenig seltsam an. Der Angreifer hat in der laufenden Saison zwar in fünf Ligaspielen für die Römer drei Treffer erzielt, abgesehen davon wusste er in der Serie A aber nicht wirklich zu glänzen.

Als 20-Jähriger übersiedelte er vom argentinischen Zweitligisten CA Huracán nach Europa zu Atalanta Bergamo. Auf Leihbasis konnte Osvaldo 2006/07 bei Lecce in der Serie B überzeugen, weshalb sich Fiorentina die Rechte an ihm sicherte.

Doch in Florenz tat sich der bullige Angreifer schwer. Ausgerechnet der aktuelle Teamchef Prandelli gewährte ihm als Coach der „Viola“ kaum Spielzeit, Torerfolge waren überaus rar gesät. Auch nach dem Wechsel nach Bologna änderte sich nichts daran.

Der Knoten ist geplatzt

Es hatte den Anschein, als ob der Kicker, dem von seinen Trainern stets ausgezeichnete Anlagen attestiert wurden, sein Talent einfach nicht ausschöpfen kann.

Bologna verlieh den ehemaligen U21-Internationalen schließlich zu Espanyol, wo der Knoten platzte. In der abgelaufenen Saison durfte Osvaldo in „La Liga“ nicht weniger als 13 Treffer bejubeln. Im Sommer verpflichtete ihn die Roma für 15 Millionen Euro.

Doch die Erfolge in Spanien scheinen in Italien wenig bis gar nichts zu zählen. „Ich frage mich, wie er nach nur ein paar Spielen für Roma und kurzen Engagements bei Bologna und Fiorentina so einfach eine Einberufung kriegt“, spricht Ex-Teamchef Cesare Maldini vielen seiner Landsleute aus dem Herzen.

„Ich versichere, dass dieser Spieler eine große Persönlichkeit, Technik und Belastbarkeit besitzt. Auf europäischem Niveau stufe ich ihn hoch ein“, rechtfertigt Prandelli seine Entscheidung.

Der politische Aspekt

Doch der Vater von Milan-Legende Paolo spricht auch noch ein anderes Thema an, das für mehr Wirbel sorgt. Osvaldo kam in Argentinien zur Welt und übersiedelte erst als 20-Jähriger nach Italien.

„Prandellis Einstellung gegenüber Ausländern wurde bereits klar, als er Thiago Motta einberufen hat“, meint Maldini kryptisch. Der Brasilo-Italiener feierte unter Prandelli sein A-Team-Debüt.

Wesentlich deutlicher als Maldini wird da schon Davide Cavallotto von der rechtspopulistischen Partei „Lega Nord“: „Es ist nicht akzeptabel, dass unser Fußball zu einer Filiale für Entwicklungsländer wird.“ Auch andere Politiker äußerten sich in ähnlicher Weise.

"Die Kritik ist lächerlich"

„Nachdem ich weiß, wie die Dinge hier in Italien ablaufen, wundert mich diese Kritik über die Berufung von Osvaldo nicht“, nimmt es Prandelli einigermaßen gelassen.

Der Kicker selbst meint: „Ich fühle mich als Italiener und meine Kinder sind Italiener. Die Kritik ist lächerlich, vor allem, weil ich mehr Italiener bin als so mancher Politiker der Lega Nord.“

Doch Osvaldo will sich auf den Sport konzentrieren und beweisen, dass er zu Recht Teil des italienischen Nationalteams ist.

„Ich weiß, dass ich nur dabei bin, weil einige Spieler verletzt sind. Ich hoffe, ich bin keine Eintagsfliege“, sagt der Stürmer.

Harald Prantl

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