Kroatiens aktuelle Antwort auf Prosinecki und Boban

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Der Name verpflichtet. Niko Kranjcar hatte große Fußstapfen zu füllen, als er sich langsam aber doch im Schatten seines Vaters an die Weltspitze spielte.

Trotz Rückschlägen steckte der mittlerweile 27-Jährige nicht auf und schaffte es nach Stationen in Kroatien auf die „Insel“ und ins Nationalteam.

Auch bei der EURO 2012 sind die Augen auf den Nachfolger des großen Zlatko Kranjcar gerichtet. Mittlerweile sind aber die meisten von der Qualität des offensiven Mittelfeldspielers überzeugt.

LAOLA1 weiß zehn Dinge über Niko Kranjcar:

  • Der Mittelfeldstratege wurde zwar in Zagreb geboren, verbrachte aber einen nicht unwesentlichen Abschnitt seines Lebens in Wien und besitzt auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Aufgrund des Engagements seines Vaters beim SK Rapid ging Niko neun Jahre lang in der Bundeshauptstadt zur Schule und spricht auch dementsprechend gut Deutsch. Allerdings besuchte er eine amerikanische Schule und war somit auch von Kindheit an des Englischen mächtig.

  • Der mittlerweile 27-jährige Tottenham-Spieler war acht Jahre lang mit der um sechs Jahre älteren Simona Fistric liiert. Die beiden waren verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter namens Loree. Im Frühjahr 2012 soll sich das Paar laut Zeitungsberichten jedoch getrennt haben und über die Scheidung nachdenken. Nicht auszuschließen sei, dass beide Seiten andere gedatet haben. Simona, die nach Zagreb zurückkehrte, hielt sich stets im Hintergrund und gab in acht Jahren kein einziges Interview.

  • Kranjcars Herzensklub ist Dinamo Zagreb. Dort wo schon sein Vater seine Visitenkarte hinterließ, reifte der Filigran-Techniker in der Jugend heran und mauserte sich zum Stammspieler und Publikumsliebling. Mit 16 Jahren feierte er sein Debüt, drei Wochen vor seinem 17. Geburtstag erzielte er sein erstes Tor und mit gerade einmal 17 Jahren wurde ihm zudem die Ehre zuteil, die Mannschaft als Kapitän aufs Feld zu führen – als jüngster Spieler in Dinamos Geschichte.

  • Trotz der großen Liebe zu Dinamo Zagreb sorgte der Mittelfeldspieler im Winter 2004/05 für einen Skandal, als er zum Erzrivalen Hajduk Split wechselte - allerdings nicht ganz freiwillig. „Für mich war diese Zeit die schwierigste Periode meines Lebens“, erinnert sich Kranjcar. Ein großer Streit entbrannte mit dem Managment, auch sein Vater schaltete sich ein. „Natürlich wird für mich Dinamo immer eine Herzensangelegenheit bleiben, nur eben nicht die Leute, die am Ruder waren.“

  • Als Sohn von Zlatko Kranjcar hatte es Niko anfangs nicht gerade leicht. Schließlich wollte er nicht als Protektionskind gelten. Die Beziehung beschreibt er als hervorragend, sein Vater sei sein größter Kritiker, aber auch sein größter Förderer. An die erste Begegnung mit dem runden Leder erinnert er sich gut. Dies war, als ihn sein Vater zu Rapid-Zeiten mit auf den Fußballplatz nahm. Von Wien aus eroberte er dann seine Heimat und später Europa. Dieser war es auch, der ihm als Nationaltrainer zu seinem Teamdebüt verhalf.

  • Wer in Kroatien geboren und aufgewachsen ist, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Robert Prosinecki und Zvonimir Boban. Kranjcar wurde anfangs sogar als Nachfolger von Ersterem gehandelt. Die beiden Mittelfeldspieler prägten seine Karriere und gelten als große Vorbilder. Außerhalb der Heimat konnte er sich für Francesco Totti begeistern. Vor allem dessen Heimatverbundenheit und Treue zum AS Rom imponierte ihm.

  • Im selben Jahr, in dem Kranjcar von Dinamo Zagreb zu Hajduk Split wechselte, wurde sein Berater und Manager Dino Pokrovac ermordet. Die Tat wurde Mafiakreisen angekreidet. An der Tür seines Apartements in Zagreb wurde ein Einschussloch entdeckt. Seine Mörder wurden nie gefasst. Nur ein Jahr vor diesem kriminellen Akt überlebte dieser noch einen Anschlag, bei dem sein Auto in die Luft gejagt wurde.

  • Niko Kranjcar kommt aus einer sportbegeisterten Familie. Vater Zlatko ist jedem Fußball-Kenner ein Begriff. Als Aktiver glänzte er bei Dinamo Zagreb (1973-1984), SK Rapid Wien (1984-1990) und VSE St. Pölten (1990). Als Trainer war er unter anderem Teamchef der kroatischen und montenegrinischen Nationalmannschaft. Doch auch der Rest der Familie ist sportlich aktiv. Seine Schwester Lana und seine Mutter spiel(t)en beide Basketball, allerdings nicht im Profibereich.

  • Als Spieler musste der Kroate immer wieder Gegenwind standhalten. In der Vorbereitung auf die WM 2006 wurde er – nicht zufällig unter der Führung seines Vaters als Teamchef - Opfer der kroatischen Presse, die ihm mangelnde Fitness nachsagte. Unter anderem wurde er auch als „Debeli“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Dickerchen“. Auch bei Dinamo Zagreb verspielte er mit seinem Wechsel zu Hajduk seinen guten Ruf. Als Dinamo ein Jahr später den Titel holte, verhöhnten die feiernden Spieler – unter anderem auch Vedran Corluka, heute Teamkollege bei Tottenham - und Fans Kranjcar am Trg Jelacicam, Zagrebs Hauptplatz, mit einem eigenen Song, in dem er als „fettes Schwein“ betitelt wird.

  • Sechs Jahre bereits lebt Kranjcar seinen Traum in England. Beim FC Portsmouth spielte er sich von 2006 bis 2009 in jungen Jahren in die Auslage und konnte mit dem FA-Cup-Sieg 2008 den größten Vereins-Erfolg seit den Meistertiteln 1949 und 1950 feiern. Tottenham zog das vermeintlich große Los, aber viele Verletzungen machten es dem Spieler nicht unbedingt leicht. England ist für ihn jedoch zu einer zweiten Heimat geworden. Bei der WM 2010 drückte er seiner Wahlheimat die Daumen, nachdem Kroatien in der Qualifikation unter anderem an den "Three Lions" scheiterte.


Alexander Karper

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