Die zwei Gesichter des Fußballs

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Wie nahe Freud und Leid im Fußball beisammen liegen können, ist einmal mehr in der finalen Runde der Erste Liga unter Beweis gestellt worden.

Nach 90 Minuten waren es die Tiroler, die den Klassenerhalt des FC Wacker Innsbruck bejubeln durften. Den Gästen aus Horn war dagegen die pure Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.

Dank einem souveränen und verdienten 3:0-Erfolg schickten die "Schwarz-Grünen" die Waldviertler in die Drittklassigkeit. Unterstützt wurde man von rund 14.000 Zusehern, die sich die Gelegenheit der "Gratis-Karte" nicht entgehen haben lassen und das Team nach vorne peitschten.

Das frühe 1:0 (3. Minute) von Kapitän Alexander Hauser spielte Wacker in die Karten, schnell konnte man die Spielkontrolle an sich reißen. Die Nervosität vor dem Spiel konnte man aber nicht leugnen, auch Wacker-Präsident Josef Gunsch gab zu: "Ich war noch nie so nervös wie heute. Die Matura war ein dagegen ein Kindergeburtstag."

Verdienter Sieger

Da die Anspannung auf Seiten der Hausherren schnell wich, zeichnete sich bereits früh ein Tiroler Sieg ab. "Wenn man gegen Innsbruck bei so einer Kulisse zur Halbzeit 0:2 hinten liegt, dann ist es verdammt schwierig, noch einmal zurück zukommen. Vor allem da wir gewinnen mussten", wusste auch Horns Florian Sittsam.

Wackers Mittelfeld-Motor Jürgen Säumel hatte nach Schlusspfiff allerdings noch lobende Worte für den hart kämpfenden Gegner aus Niederösterreich: "Sie waren Vorletzter und haben wenig zu verlieren gehabt."

"Das frühe Tor hat uns ins Spiel gebracht, hat die Fans zusätzlich motiviert und Horn bereits ein wenig das Genick gebrochen", analysierte ein erleichterter Wacker-Trainer Klaus Schmidt. Sein Gegenüber Christoph Westerthaler pflichtete bei: "Wir sind nach dem frühen Gegentor nie richtig ins Spiel gekommen."

Als "Retter" möchte Schmidt allerdings nicht tituliert werden: "Es war eine Scheiß-Zeit in den letzten Wochen, wir haben um den Rotz gekämpft und wir hätten es früher zumachen können."

Zwei Stimmungspitzen

Kannte der Jubel der Tiroler Kicker in der Kabine keine Grenzen, sah man bei den Gästen durchwegs hängende Köpfe. "Es fehlen einem die Worte. Verzweiflung, Enttäuschung, Frust, anders kann man das gar nicht beschreiben", offenbarte Sittsam einen Einblick in die Gefühlswelt der Horner.

Ausreden für den Abstieg möchte man allerdings keine suchen. "Wir haben die Meisterschaft nicht heute vergeben, sondern bereits in den vergangenen Spielen. Wir haben viele Punkte nicht geholt, haben in einigen Partien geführt und dann den Vorsprung noch verspielt", ärgerte sich Nico Antonitsch über unnötige Niederlagen.

Des einen Leid, des anderen Freud. "Man sieht, was auf dem Platz los ist. Es war unglaublich, die Anspannung war riesig. Umso größer ist jetzt natürlich die Erleichterung", schnaufte der Innsbrucker Abwehrchef Sebastian Siller nach Ende der 90 Minuten durch.

Beeindruckende Stimmung

Der 12. Mann wurde im Abstiegs-Thriller seinem Namen mehr als gerecht. Im "ausverschenkten" Haus feuerten rund 14.000 Zuseher ihre Mannschaft an. Eine Atmosphäre, von der auch einige Bundesligisten nur träumen können.

Die Fans feierten mit den Spielern am Feld

"Das erlebt man nicht jeden Tag. Da sieht man, welche Möglichkeiten dieser Verein hat und wie viele Leute dahinterstehen", zeigte sich Schmidt von der Kulisse beeindruckt.

Dass ein volles Tivoli Neu beste Werbung für den Verein ist, unterstreicht auch Routinier Säumel: "Das war auch ein Grund für mir, dass ich nach Innsbruck wechselte."

"Gischi" Westerthaler, selbst oft Zeuge historischer Fußballabende am Tivoli, gab ebenfalls zu: "Auf der anderen Seite zu stehen, ist in diesem Moment auf jeden Fall schöner, aber ich muss die bittere Pille in Kauf nehmen."

Kein Blick in die Zukunft

So unterschiedlich die Situation für die beiden Vereine am Ende war, so hat man doch eine Gemeinsamkeit: Ein Blick in die ferne Zukunft wurde vermieden.

"Unmittelbar nach dem Spiel ist die eigene Zukunft kein Thema, aber natürlich muss man sich in den nächsten Tagen damit befassen", spricht Antonitsch stellvertretend für seine Horner Mitspieler, die eine lange Busreise in die Heimat antreten mussten.

Bei den Spielern des FC Wacker Innsbruck wurde dagegen die Nacht zum Tag gemacht, wie Youngster Armin Hamzic versprach: "Das haben wir uns nach dieser langen Saison, mit vielen Höhen und Tiefen, verdient."

An einem von Emotionen überladenen Fußball-Abend blieb auch Christoph Westerthaler nichts anderes übrig, als sich als fairer Verlierer zu präsentieren: "Man muss den Innsbruckern gratulieren, dass sie oben geblieben sind."

 

Julian Saxer

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