Wer entscheidet das Westderby für sich?

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Zum 100. Mal stehen sich Grün-Schwarz und Violett-Weiß gegenüber.

Trotz 18 Punkten Abstand in der Tabelle verspricht das Duell zwischen Tabellenführer Wacker Innsbruck und dem Vorletzten Austria Salzburg viel Spannung (Montag, 18:30 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker). Bereits im ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison fielen sieben Treffer, mit dem glücklicheren Ende für die Tiroler.

Nachdem in Schwanenstadt noch vor leeren Rängen gekickt werden musste, darf man im Tivoli auf eine großartige Stimmung hoffen. Beide Fanlager sehnen sich seit Jahren nach diesem Duell. Kein unwesentlicher Aspekt für das Spiel.

LAOLA1 beleuchtet vor dem Westderby die Brennpunkte.

 

Die Form beider Teams: Beide Teams gehen nicht mit besonders breiter Brust in dieses Derby. Vor allem die Salzburger Austria steckt seit Wochen in einer Krise. Der letzte Sieg in der Liga datiert vom 11. September, als man Austria Lustenau mit 2:0 besiegen konnte. Seitdem gab es je drei Niederlagen und Unentschieden. Kein Wunder, dass man mittlerweile auf Abstiegsrang neun abgerutscht ist, Wiener Neustadt (ein Spiel mehr) hat bereits einen Punktepolster von fünf Zählern. Zudem bekam man am Mittwoch im ÖFB-Cup von Rapid Wien die Grenzen aufgezeigt und musste mit einer 1:5-Packung die Heimreise antreten.

Wacker Innsbruck lächelt zwar nach wie vor mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung von der Tabellenspitze, doch auch die Tiroler hatten in den letzten Partien Schwierigkeiten. Am Dienstag musste man sich im Cup Titelkonkurrent LASK verdient mit 0:2 geschlagen geben. In der Liga setzte es in den letzten drei Partien ebenfalls zwei Niederlagen gegen Lustenau und SKN St. Pölten. Vor allem die spielerische Leistung ließ bei Wacker häufig zu wünschen übrig.

Wackers Lazarett: Hauptgrund für die Schwäche-Phase der Innsbrucker ist freilich das Verletzungspech. Mehrere unumstrittene Stammspieler musste Wacker-Trainer Klaus Schmidt in den letzten Wochen vorgeben. Gegen den LASK musste der Kader mit einigen Amateur-Spielern verstärkt werden. Die gute Nachricht aus Innsbrucker Sicht: Das Lazarett lichtet sich langsam. Im Westderby stehen Jürgen Säumel, Christoph Freitag, Alexander Riemann und Alexander Gründler wieder zur Verfügung. Die schlechte ist allerdings, dass mit Kapitän Alex Hauser, Goalgetter Thomas Pichlmann und Abwehrchef Christian Deutschmann weiterhin drei absolute Leistungsträger fehlen. Dazu kommen noch die Langzeitverletzten Danijel Micic und Simon Pirkl.

Salzburg-Coach Jörn Andersen muss sich mit derartigen Problemen nicht herumschlagen. Bei den Violetten sind alle Spieler fit und einsatzbereit, der Trainer hat die Qual der Wahl.

 

Die Fan-Brisanz: Rund 800 Anhänger sollen den Weg von Salzburg nach Innsbruck antreten, auf Seiten Wackers rechnet man ebenfalls mit mehreren Tausend Zusehern. Für Stimmung wird gesorgt sein. Dennoch zittern die Verantwortlichen. Zu frisch sind Erinnerungen an Ausschreitungen der beiden verfeindeten Fanlager.

Dabei gab es zu Beginn der Gruppierungen noch eine Fan-Freundschaft, man sah sich als Allianz des Westens gegen die Großmächte aus Wien. Die Freundschaft endete jedoch jäh, als einige Tiroler Unterstützer bei einem Auswärtsspiel in Salzburg unliebsame Bekanntschaft mit den dortigen Fans machten. Es folgten ständige Anfeindungen, zuletzt beispielsweise, als die Austria erstmals im Tivoli in der Regionalliga West auf die Wacker Amateure traf und im Gäste-Sektor Pferdekot verstreut wurde. Eine kurze Verbrüderung gab es nach dem Einstieg Red Bulls (Spruchband der Wacker-Fans: „Nur Violett-Weiß macht unser Derby heiß“).

 

Hinter den Kulissen: Da könnte es bei den beiden Teams nicht unterschiedlicher aussehen. Beim FC Wacker Innsbruck herrscht Aufbruchsstimmung, schaffte es man doch, vor der selbst gesetzten Frist alle Schulden abzubauen. Zudem kam mit Ali Hörtnagl der langersehnte starke Mann, der mit seiner „Mission 2020“ den Verein zurück auf Kurs bringen möchte.

Austria Salzburg hat sich dagegen die Rückkehr in den Profi-Fußball anders vorgestellt. Durch die leidige Stadion-Thematik, die ohnehin schon genug diskutiert wurde, kamen auf den Verein Kosten zu, die man so nicht eingeplant hatte. Eine schwere Schuldenlast drückt die Austria, Sportdirektor Gerhard Stöger lobte in der „TT“ sogar die Tiroler: „Es freut mich trotz der Konkurrenz, dass Wacker so positiv dasteht“. Mit der Aktion #SAVEAS! hoffen die Verantwortlichen auf zahlreiche Spenden des Anhangs.

 

Die Überläufer: Ein Wechsel von Grün-Schwarz zu Violett-Weiß (und umgekehrt) ist in der Fan-Szene höchst verpönt. Trotzdem gibt es auch bei diesem Duell Beteiligte, die beide Trikots überzogen. Den direkten Wechsel vollzog Wacker-Trainer Schmidt vor rund einem Jahr, als er den Tabellenführer der Regionalliga Richtung Westen zum abstiegsbedrohten Wacker verließ. Sein Gegenüber Jörn Andersen war ebenfalls einmal kurz davor, das Traineramt bei den Tirolern zu übernehmen. Damals entschied man sich allerdings für eine zweite Amtszeit von Helmut Kraft.

Im Kader der Salzburger gibt es gleich zwei Spieler, die kurzfristig am Tivoli ihr Zuhause fanden. Ernst Öbster war in der Saison 2010/11 Teil des Wacker-Kaders und absolvierte 25 Bundesliga-Partien, in denen er vier Tore erzielen konnte. Ebenfalls wenig erfolgreich war das Engagement von Andreas Bammer, der sich in zwei Saisonen mit 25 Einsätzen nur zwei Mal in die Torschützenliste eintragen konnte.

 

Julian Saxer

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