„Es wäre ein Fest geworden“

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„Das Spiel hat Potential für 15.000 Zuschauer“

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Als wäre das Westderby zwischen Wacker Innsbruck und Austria Salzburg nicht schon brisant genug, sorgt das Aufeinandertreffen der beiden Traditions-Vereine heute Abend (ab 20:30 Uhr im LAOLA1-Live-Ticker) für besondere Unruhe.

Auf die Absage des Duells durch die Behörden aufgrund zu großer Sicherheitsbedenken folgte die Kehrtwende von Seiten der Bundesliga. Das Westderby wird wie geplant in Schwanenstadt ausgetragen, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

"Man hat die Dinge nicht ernst genommen, hätte früher reagieren müssen", übt Wacker-Trainer Klaus Schmidt vor dem Spiel gegen seinen Ex-Verein Kritik.

Abseits vom Hin und Her rund um das Derby führt Wacker Innsbruck mit 13 Punkten aus sechs Spielen die Erste Liga an. Im LAOLA1-Interview spricht Schmidt über die Gründe für den derzeitigen Erfolgslauf, nötige Demut und warum der Aufstieg noch zu früh kommen würde.

 

LAOLA1: Wie beurteilen Sie die Entscheidung der Bundesliga, das Westderby als Geisterspiel auszutragen?

Klaus Schmidt: Wir hätten das Spiel gerne unter den Voraussetzungen bestritten, dass für alle die Sicherheit gewährleistet ist. Leider ist das nicht der Fall, das ist schade. Das Spiel hätte Potential für 10.000 bis 15.000 Zuschauer. Das wäre ein Fest geworden. Wir sind trotzdem froh, dass wir spielen können, weil wir dadurch im Rhythmus bleiben. Durch die Länderspielpause hätten wir drei Wochen kein Bewerbsspiel gehabt.

LAOLA1: Wie wäre diese Problematik rund um das Derby zu verhindern gewesen?

Schmidt: Man hat die Dinge nicht ernst genommen, hätte früher reagieren müssen. Die Bundesliga hätte das Spiel als Opener für die Liga ansetzen sollen. Wacker Innsbruck gegen Austria Salzburg in der ersten Runde wäre eine super Geschichte gewesen und man hätte den Spannungen entgegenwirken können. Zudem wären am Tivoli die nötigen Rahmenbedingungen vorhanden.

LAOLA1: Es ist nicht nur das Westderby, sondern auch das Duell mit Ihrem Ex-Verein.

Schmidt: Ich habe positive Erinnerungen an den Verein, hatte eine super Zeit dort. Für mich wird es deshalb ein seltsames Gefühl sein. Von den 36 Salzburg-Spielern habe ich bis auf wenige Ausnahmen mit allen gearbeitet, das ist natürlich etwas Besonderes. Noch dazu ist es ein Spiel, auf das die Leute seit zehn Jahren warten.

LAOLA1: Wie haben Sie ihre Mannschaft auf das Spiel vorbereitet?

Schmidt: Wir haben von Anfang an versucht, uns ganz normal auf dieses Spiel vorzubereiten und uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir konzentrieren uns darauf, was innerhalb des weißen Rechtecks passiert. Wer am besten mit der Situation umgehen kann, wird als Sieger vom Platz gehen.

LAOLA1: Wacker führt derzeit die Tabelle an. Warum ist der Saisonstart so gut verlaufen?

Schmidt: Wir haben im Gegensatz zum vorigen Jahr Tore geschossen, uns in der Defensive stabilisiert und uns punktuell gut verstärkt. Die Mannschaft ist im Großen und Ganzen zusammengeblieben, was mir sehr, sehr wichtig war. Durch diese Kontinuität und die geglückten Transfers ist die momentane Aufnahme zustande gekommen.

LAOLA1: Was hat Sie davon überzeugt, dass die Mannschaft – trotz der schwierigen letzten Saison - die richtige ist?

Schmidt: Wir haben in den letzten 15 Partien nur zwei Spiele verloren. Die Mannschaft, die da war, hat es sich verdient, eine bessere Saison zu spielen. Man hat gesehen, auf wen man sich verlassen kann und ich habe gemerkt, dass die Personen, die das Werkl wieder in Gang gebracht haben, einen super Charakter besitzen. Mit Leuten zusammenzuarbeiten, auf die ich mich verlassen kann, ist mir als Trainer sehr wichtig. Die Mannschaft ist für mich wie eine Familie, ich sehe das Team zehn Mal öfter als meine eigene Familie. Natürlich wird manchmal gestritten und es gibt Meinungsverschiedenheiten, aber am Ende des Tages hält man zusammen, weil man weiß, dass man eine gemeinsame Mission hat.

LAOLA1: Sie haben in der Winterpause großes Augenmerk auf die Defensive gelegt. Wo hat die Mannschaft die größten Fortschritte gemacht?

Schmidt: Ich bin letzten Winter belächelt worden, weil ich gesagt habe, wir können den Klassenerhalt nur schaffen, wenn die Null steht. Mit einer gefestigten Defensive schaut man immer besser aus, als wenn man vorne alles zerstört. Das ist mein Zugang. Wir haben drei Positionen in der Defensive neu besetzt, wenn man Freitag als "Sechser" dazu nimmt. Die Spieler nehmen die Füße in die Hand und versuchen, alles zu geben. Wir spielen konsequent gegen den Ball, das funktioniert bis dato.

LAOLA1: Routiniers wie Hölzl oder Säumel haben in der letzten Saison nicht immer ihre Leistung gebracht. Jetzt funktioniert es wieder. Warum?

Schmidt: Säumel war im Frühjahr ein wichtiger Faktor für den Klassenerhalt. Er hat den Turnaround im Winter geschafft, unglaublich hart an sich gearbeitet und körperlich massiv zugelegt. Dadurch konnte er seine Position herausragend spielen und war eine Art Häuptling. Das hat er in diese Saison mitgenommen. Andi Hölzl hat im Frühjahr nur zweimal von Beginn an gespielt. Für einen Spieler, der so ein Standing und so eine Vita hat, ist das nicht einfach. Er hat aber kein einziges Mal gemeckert, das hat mir imponiert, deshalb habe ich ihm die Chance gegeben. Ich bin stolz, dass wir ihn haben.

LAOLA1: Offenbar haben Sie ein gutes psychologisches Geschick. Wie wichtig ist das im Trainergeschäft?

Schmidt: Ich bin so, wie ich bin, ich verstelle mich keine einzige Minute. Dadurch bin ich natürlich auch angreifbar, das ist mir bewusst. Ich will mich nicht als der große Chef aufspielen, sondern ein Teil von diesem System sein. Jeder Spieler soll das Gefühl haben, dass meine Tür jederzeit offen steht.

LAOLA1: Sind Sie eher der Kumpeltyp, oder jemand, der auch mal die Zügel anzieht?

Schmidt: Ich versuche, die richtige Dosis zu finden. Man muss ab und zu auch einmal seine Meinung relativ resch kundtun und Maßnahmen setzen, die nicht gern gesehen sind. Aber solange der Umgang miteinander korrekt ist, kann man von mir sehr viel haben. Das ist mein Stil, mit einer Mannschaft umzugehen. Obwohl ich weiß, dass das ein sehr schmaler Grat ist.

LAOLA1: Ist Ihr Erfolgsrezept, dass Sie keine Rücksicht auf große Namen nehmen und authentisch sind?

Schmidt: Ich möchte niemanden benachteiligen. Es ist als Trainer aber schwierig, immer gerecht zu sein. Auch gestandene Spieler müssen ab und zu mal reinbeißen. Wir müssen als Team schauen, dass wir weiterkommen. Wir reden jetzt von der Tabellenführung, weil es trendy ist. Das Ganze ist aber labil, es ist nicht so, dass wir eine Wunder-Truppe sind. Wir werden auch einmal eine drauf kriegen, dann müssen wir wieder aufstehen.

LAOLA1: Sie sagen, die Mannschaft ist labil. Fehlt ein Lautsprecher, der das Team nach vorne peitscht?

Schmidt: Es sind auch die anderen Mannschaften nicht so stabil, sonst würde schon ein Team in der Tabelle mit vier Punkten voranliegen. Es sind sechs Spiele gespielt, da fangen gewisse Räder erst an, in sich zu greifen. Es ist ein Zeitpunkt, an dem sich herausstellt, ob man zu Größerem im Stande ist. Wir sind momentan bei den besseren Mannschaften dabei, das muss man demütig sehen. Nach dem nächsten Spiel kann wieder alles anders sein. Es ist ein Vorteil, dass wir Spieler besitzen, die schon alles erlebt haben und die wissen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es ist natürlich schön, wenn du am Freitag mit einem Sieg nach Hause fährst. Man freut sich bis Samstagmittag und dann denkt man schon wieder: Wie schlage ich den nächsten Gegner. Ich komme nur sehr schwer zur Ruhe.

LAOLA1: Die Neuzugänge haben voll eingeschlagen. Wie viel Anteil hatten Sie daran und wieviel Sportdirektor Alfred Hörtnagel?

Schmidt: Alfred Hörtnagel hat mich bei den ersten Verpflichtungen, bei denen er nur im Hintergrund agiert hat, bekräftigt. Das waren Lercher, Freitag, Pichlmann und Rosenbichler. Diese Transfers haben wir im Frühjahr schon von längerer Hand vorbereitet, obwohl wir nicht gewusst haben, wie es weiter geht. Pichlmann war nicht unumstritten, er ist 34 Jahre alt. Das Alter ist für mich aber nicht wichtig und mir hat sein Zugang gefallen. Freitag ist ein Spieler mit Bundesliga-Niveau, der auch Tore schießen kann. Das alles sind Gründe dafür, warum wir momentan 13 Punkte haben. Riemann, der zum Schluss gekommen ist, hat Hörtnagel ins Spiel gebracht.

LAOLA1: Sind noch Verstärkungen geplant? Gibt es Positionen, wo Sie noch nachbessern sollten?

Schmidt: Aufgrund des Ausfalls von Micic, der uns massiv schmerzt, gibt es im zentralen Mittelfeld sicher ein gewisses Vakuum. Auch auf der Position von Renner, der noch einige Wochen ausfallen wird, könnten wir nachrüsten. In der Innenverteidigung könnte sich ebenfalls noch etwas ergeben, wenn einer kommt, der finanziell leistbar ist und in die Mannschaft passt. Noch ist keiner da und es gibt keinen Spieler, den ich unbedingt haben will, der noch frei wäre.

LAOLA1: Letztes Jahr hat Wacker gegen den Abstieg gespielt, momentan ist man Tabellenführer. Liegt die Wahrheit in der Mitte?

Schmidt: Unser Saisonziel ist das obere Drittel und das verfolgen wir weiter. Die Liga ist so eng , wenn wir ein Match verlieren, sind wir Vierter. Wir müssen uns jede Woche aufs Neue behaupten. Jedem gefällt der Platz an der Sonne und wenn es ihn gibt, dann stellen wir uns dort gerne hin.

LAOLA1: Wie lange wird es dauern, bis Wacker eine etablierte Erstliga-Mannschaft ist?

Schmidt: Sehr viele Leute träumen noch von Zeiten, als es hier am Tivoli pausenlos gebrannt hat und der Erfolg da war. Aber dass es inzwischen einen Konkurs und einen Abstieg in die Regionalliga gab, vergessen viele. Dass Wacker seit Jahren ein Auf-und-ab-Dasein fristet, hat Hintergründe. Vom Fanpotential her müsste der Verein in der Bundesliga spielen, die Trainingsbedingungen sind hingegen nicht annähernd zweitliga-tauglich. Die Erwartungshaltung und der Ist-Zustand passen in gewissen Dingen einfach nicht zusammen. Diese Schere muss man zusammenführen, das funktioniert aber nicht von heute auf morgen und erfordert viel Kraft.

LAOLA1: Käme der Aufstieg noch zu früh?

Schmidt: Wenn man aufsteigt, müssten schnell Maßnahmen ergriffen werden, um gewisse Mankos auszumerzen. Man muss noch mehr die Ärmel aufkrempeln. Aber da sind wir noch nicht.

 

Das Gespräch führten Christoph Nister und Daniela Kulovits

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