Orie zur Vienna? „Könnte ich mir gut vorstellen“

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„Fredl unterschreib, Fredl unterschreib!“, so schallte es in der Schlussphase des letzten Heimspiels gegen den SV Horn noch von der Tribüne auf der Hohen Warte.

Vielleicht hätten die Vienna-Fans ihrem Trainer damals auch singend mitteilen sollen, dass er bei den Blau-Gelben und nicht woanders seine Unterschrift auf einem neuen Vertrag platzieren soll. Denn seit Dienstag ist klar, dass der älteste Fußballklub Österreichs und der Philosoph unter Österreichs Fußballlehrern keine gemeinsame Zukunft haben werden.

Damit tun sich zwei Fragen auf. Was passiert mit Alfred Tatar und mit wem gehen die Döblinger in die neue Saison?

Tatar nicht mehr motiviert genug

„Eine Trennung hat sich in letzter Zeit schon abgezeichnet“, gibt Kurt Garger, Sportlicher Leiter der Vienna, im Gespräch mit LAOLA1 zu. „Der glasklare Cut ist aber vielleicht noch nicht zu allen durchgedrungen.“

Aus diesem Grund trafen Garger, Tatar und Präsident Harald Dvoracek am Dienstag noch einmal zusammen, um eine endgültige Lösung zu finden. „Leider hat diese eben so ausgesehen, dass er uns gesagt hat, dass er nach drei Jahren nicht mehr so motiviert ist, um das Ganze noch einmal zu bewältigen, wie in den letzten drei Jahren", so Ersterer der drei genannten Herren.

Auch wenn der 49-Jährige sich von der Mannschaft und den Fans im letzten Spiel vor eigenem Publikum noch begeisternd feiern ließ, scheinen die drei Jahre nicht spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein. „Es ist ja logisch. Von den drei Jahren haben wir zweieinhalb Jahre gegen den Abstieg gespielt, das kostet natürlich Kraft“, zeigt Garger Verständnis. „Ich hätte mir es natürlich gewünscht, dass er sich noch mal dazu entschlossen hätte, weiterzumachen, aber es ist nicht passiert.“

"Nicht mit dem ersten Windstoß in die Knie gehen"

Ob Tatar mit seinen Gedanken möglicherweise schon bei einem anderen Verein war, kann der ehemalige Hartberg-Coach nicht beurteilen. „Das ist sein Bier. Wenn er die Möglichkeit hat, sich zu verbessern – schließlich gibt es ja auch bessere Vereine als die Vienna – dann kann man ihm das nur wünschen. Das ist völlig in Ordnung.“

Was die Spatzen schon von den Pappeln pfeifen, ist ein Engagement Tatars beim Bundesliga-Absteiger SV Mattersburg. Er selbst dementierte Kontakt mit den Burgenländern noch vor wenigen Tagen, auch Garger wisse nicht wie der Stand der Dinge sei.

Bleibt immer noch die Frage nach der sportlichen Zukunft der Vienna. Während der ein oder andere Spieler bereits per Vertragsverlängerung an den Verein gebunden wurde, braucht es noch immer einen starken Mann, der mit dem Klub eine Saison in Angriff nimmt, die aufgrund von Verstößen gegen die Lizenzbestimmungen mit fünf Minuspunkten in der Tabelle beginnt.

„Wir wissen welchen Trainer wir suchen und was er neben der sportlichen Kompetenz mitbringen muss. Bei uns muss man eben ziemlich stabil sein und nicht gleich beim ersten Windstoß in die Knie gehen“, verrät Garger einen entscheidenden Punkt im Anforderungsprofil für den neuen Betreuer.

2008 jubelte Orie mit dem FC Lustenau über Platz vier

Der ein oder andere bekannte Name schwirrt nicht erst seit dem endgültigen Bekanntwerden des Endes der Ära Tatar im Raum. „Das ist das übliche Spiel“, nimmt das der erfahrene Sportliche Leiter gelassen. „Teilweise werden sie von der Presse ins Spiel gebracht und teilweise bringen sie sich selbst ins Spiel.“

Garger schließt Orie nicht aus

Wie auch immer er sich dorthin gebracht hat oder er gebracht wurde: Definitiv im Spiel ist Eric Orie. Der 45-Jährige kennt Österreichs zweithöchste Spielklasse durch etliche Jahre als Betreuer beim FC Lustenau.

„Dort hat er mit wenigen Mitteln sehr viel erreicht, also immer die Klasse gehalten“, zeigt sich Garger von den bisherigen Leistungen des gebürtigen Niederländers angetan. Entscheidung sei aber noch keine gefallen.

„Bis spätestens am Wochenende sollte alles in trockenen Tüchern sein. Gespräche wurden aber noch keine geführt, wir beginnen jetzt damit. Ich führe ja keine Gespräche mit 20 oder 30 Leuten. Ich schaue, wer unserem Anforderungsprofil am nahesten kommt, dann werde ich drei oder vier einladen und von denen wird es einer werden“, schildert er das Prozedere.

Orie: "Noch ist nichts konkret"

Orie selbst kann im Gegensatz zum Vienna-Verantwortlichen schon von einem Kontakt berichten. „Noch ist aber nichts konkret“, sagt er auf Anfrage von LAOLA1.

„Es wäre eine spannende Aufgabe, die ich mir gut vorstellen könnte. Die Vienna ist ein interessanter Traditionsklub“, macht er kein Hehl aus seinem Interesse. Fakt ist, dass der ehemalige Mittelfeldspieler auf der Suche nach einem neuen Klub ist, er habe aber auch Kontakte zu Vereinen in die Schweiz geknüpft.

Zuletzt hospitierte er nicht nur bei den Grasshoppers aus Zürich, sondern auch bei der Wiener Austria und dem FC Utrecht aus den Niederlanden.

Vom Trainerkarusell wurde er im September 2012 in Vaduz abgeworfen. Nachdem 2011 nicht viel zum Aufstieg in die Schweizer Super League fehlte, wurde ihm danach der sportliche Abwärtstrend zum Verhängnis.

Dennoch kann er damit internationale Erfahrung vorweisen.

So wie ein gewisser Alfred Tatar.

 

Andreas Terler / Harald Prantl

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