Rindler: "Diese Warterei ist ein Wahnsinn!"

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Der TSV Hartberg hat die Erste Liga abgeschlagen auf dem letzten Platz beendet und ist daher sportlich in die Regionalliga abgestiegen. Durch das immer noch laufende Lizenz-Verfahren des LASK könnten die Oststeirer jedoch noch eine Chance bekommen.

Verwehrt das ständig neutrale Schiedsgericht den Linzern die Lizenz, steigt der LASK ab und der TSV rückt auf den Relegationsplatz vor. Damit würden zwei heiße Derbys gegen den GAK winken.

Statt in den Urlaub zu fahren, trainiert die Mannschaft von Walter Hörmann nun weiter auf zwei Spiele hin, von denen niemand weiß, ob sie überhaupt stattfinden. LAOLA1 sprach mit Hartberg-Kapitän Jürgen Rindler über die Ungewissheit, das mögliche emotionsgeladene Duell mit dem GAK und die vergangene Saison.

 

LAOLA1: Wie ist die Stimmung in Hartberg?

Jürgen Rindler: Eigentlich sind wir sportlich abgestiegen, aber durch die Lizenz-Frage beim LASK gibt es jetzt vielleicht doch noch eine Chance für uns, in der Liga zu bleiben. Diese Warterei ist ein Wahnsinn. Wir trainieren weiter und stellen uns auf die Relegation ein, als wenn es fix wäre, dass wir spielen dürfen. Es ist aber ein Wahnsinn für die Spieler und den Verein, dass wir, wenn es blöd hergeht, erst fünf Tage vor dem Spiel wissen, ob wir spielen.

LAOLA1: Stehen noch alle Spieler zur Verfügung?

Rindler: Natürlich. Die Verträge der meisten Spieler gehen nur bis Ende Mai, aber der Verein hat in den Verträgen die Option verankert, dass sich der Vertrag im Fall einer Relegation bis 15. Juni verlängert.

LAOLA1: Wie sieht der Trainingsplan jetzt aus?

Rindler: Wir hatten nach dem Lustenau-Match ein paar Tage frei und haben am Mittwoch wieder mit einem intensiven Training angefangen. Am Pfingstwochenende haben wir frei. Wir trainieren voll, so als ob die entscheidenden zwei Spiele noch warten würden. Wir hoffen aber, dass sich das Schiedsgericht mit der Entscheidung nicht bis 31. Mai Zeit lässt, sondern vorher eine Entscheidung fällt, damit wir Sicherheit haben. Damit wäre allen Beteiligten sehr geholfen. Dieses Ungewisse ist im Hinterkopf von jedem drinnen. Wir wollen auch noch ein Trainingsmatch spielen, aber derzeit finden wir keinen Gegner. Das ist schwer, weil die anderen Vereine entweder schon im Urlaub sind, oder selbst noch Meisterschaft spielen.

LAOLA1: Angenommen, der LASK bekommt die Lizenz nicht und man darf in der Relegation spielen. Der GAK steckt noch im Meisterschaftsbetrieb, der TSV nicht mehr. Ist das ein Nachteil?

Rindler: Natürlich ist das ein Nachteil. Wir werden über zwei Wochen komplett aus unserem Betrieb herausgerissen. In einer laufenden Meisterschaft besteht eine ständige Spannung, das ist jetzt natürlich nicht mehr der Fall. Da hat der GAK einen großen Vorteil. Und diese Ungewissheit ist für uns ein Wahnsinn. Es ist für mich unverständlich, dass die Regionalliga nicht zeitgleich mit der Ersten Liga aufhören kann, wenn man weiß, dass es eine Relegation geben wird. Das soll keine Ausrede sein, aber es ist schon eine gewisse Wettbewerbsverzerrung.

Fast drei Jahre stand Rindler im GAK-Tor

LAOLA1: Wer wäre im Duell GAK gegen TSV der Favorit?

Rindler: Ich glaube, wenn man auch sieht, was international in der Relegation passiert, dass der Aufsteiger, der Meister wurde, sicher im Vorteil ist. Die haben die volle Euphorie. Beim GAK kommt noch dazu, dass sie zu Hause in der UPC-Arena einige tausend Leute haben werden. Daher sehe ich den GAK im Vorteil.

LAOLA1: Es würden vermutlich sehr viele GAK-Anhänger nach Hartberg pilgern. Könnte auch das Heimspiel in Hartberg für den TSV zum Auswärtsmatch werden?

Rindler: Ja, sicher. Es kommt noch hinzu, dass dieses Duell zwischen GAK und Hartberg durch alles, was in der Vergangenheit war, eine enorme Präsenz auch für die Zuschauer hat. Die Zeitungen haben ja damals nach unserem Aufstieg viel geschrieben. Das wird jetzt noch einmal aufgebauscht. Ich glaube, dass das Spiel zwischen GAK und Hartberg für alle Beteiligten das Dümmste ist, was passieren kann. Sowohl für den GAK, als auch für Hartberg. Mein Appell an unseren Verein, an die Bundesliga und auch an den GAK ist, dass man vorher überlegt, wie dieses Spiel reibungslos ablaufen kann. Da muss alles unternommen werden! In der UPC-Arena wird das kein Problem werden, aber im Stadion Hartberg wird es schwierig. Da kommen wahrscheinlich 3000 bis 4000 Leute mit, die können aufgrund des Fassungsvermögens gar nicht alle rein, dann wird es auch außerhalb des Stadions brenzlig. Da müssen sich GAK, TSV, Gemeinde Hartberg und auch Bundesliga etwas überlegen. Man liest ja auch genug über Ausschreitungen in Frankreich, Deutschland usw. Ich hoffe, dass alle Beteiligten gewarnt sind und Vorkehrungen treffen.

LAOLA1: Also besteht ein wenig Angst vor diesem Spiel?

Rindler: Vor dem Spiel selbst habe ich keine Angst. Wir sind Profis und ich freue mich sehr auf das Duell. Es darf aber das Rundherum nicht unterschätzt werden, die Sicherheit muss gewährleistet sein.

Der Hartberger ist seit Jahren ein sicherer Rückhalt beim TSV

LAOLA1: Das erste Relegationsspiel ist am Tag des Länderspiels gegen die Ukraine, das zweite findet zeitgleich mit der EURO-Eröffnung statt. Ist die Terminwahl für die Relegation unglücklich?

Rindler: Das mit dem Nationalteam ist nicht das große Problem. Mich stört eher, dass für den Bundesligisten eine Kluft von fast drei Wochen herrscht. Das kann eigentlich nicht sein. Wir finden ja wie gesagt keinen Trainingsgegner. Daher bin ich der Meinung, dass die Relegation sehr unglücklich angesetzt ist.

LAOLA1: Nach dem Cup-Aus gegen Salzburg hast du gemeint: „Wir haben im Cup gezeigt, was wir können. In der Liga leider nicht. Wir stehen in der Liga verdient auf dem letzten Platz!“ Stehst du nach den zuletzt gezeigten Ergebnissen noch dazu?

Rindler: Wenn man zehn Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat, steht man verdient hinten. Wir haben über die ganze Saison nicht die Leistungen gebracht, die man bringen muss, um in der Liga zu bleiben. Wir haben in den letzten Partien und im Cup gezeigt, was wir können. Aber wir sind oft an uns selbst gescheitert, weil wir keine Tore, aber viele individuelle Fehler gemacht haben. Jetzt sind wir ein eingespielter Haufen und haben gezeigt, dass wir definitiv das Potenzial hätten, in dieser Liga zu spielen.

LAOLA1: Hat man auswärts gegen WAC (4:1-Sieg) und FC Lustenau (3:0-Sieg) über den Verhältnissen gespielt oder das wahre Gesicht gezeigt?

Rindler: Über den Verhältnissen haben wir nicht gespielt. Wir haben öfters gezeigt, dass wir sehr gut spielen können, auch im Cup bei Sturm oder daheim gegen Salzburg haben wir super Partien abgeliefert. Nur haben wir das in der Liga zu selten geschafft. Dennoch hat man gesehen, dass der TSV Hartberg eine gewisse Stärke gehabt hätte.

Gegen Sturm durften die Hartberger jubeln

LAOLA1: Ihr habt in der Liga auswärts mehr Punkte geholt als im eigenen Stadion. Warum lief es auswärts besser als zu Hause?

Rindler: Das ist schwer zu erklären. Wenn uns katastrophale Fehler passiert sind, war das immer zu Hause. Vielleicht haben wir uns da mehr Druck gemacht, weil wir den Zuschauern etwas bieten wollten. Auswärts sind wir als TSV Hartberg immer Außenseiter. Damit haben wir uns vermutlich wohler gefühlt. Gegen Salzburg hat uns daheim auch keiner etwas zugetraut, darum haben wir auch gut gespielt.

LAOLA1: Ist für dich ein Wechsel weg vom TSV ein Thema?

Rindler: Ich weiß, was ich am TSV Hartberg habe und der TSV weiß auch, was er an mir hat. Da müsste schon alles passen, damit ich zu einem anderen Verein wechsle. Mir würde auch niemand Steine in den Weg legen. Aber ein Wechsel müsste wohl überlegt sein und es müsste schon ein Super-Angebot kommen.

 

Das Gespräch führte Rainer Liebich

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