"Es gibt nichts, was unmöglich ist"

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Die Geschichte des SV Austria Salzburg ist hinlänglich bekannt. Auch über die Landesgrenzen hinaus.

„Nach dem Aufstieg gab es Anrufe von deutschen und englischen Journalisten. Die Geschichte in Abgrenzung von Red Bull ist natürlich auch international ein Thema. Vom Medieninteresse ist das eine neue Dimension“, sagt Walter Windischbauer, Obmann des Vereins, im Gespräch mit LAOLA1.

Nun sind sie da, die Violetten aus der Mozartstadt. In der Ersten Liga. Im Profifußball. In den Augen der Öffentlichkeit.

„Darauf hat der Verein zehn Jahre hingearbeitet, wir sind gierig auf das erste Spiel“, freut sich Windischbauer schon auf Freitag, wenn es für Salzburg in St. Pölten mit der zweithöchsten Spielklasse losgeht.

Endlich in der Ersten Liga

So richtig begann der Weg als eigenständiger Verein 2006/07, als man in der 2. Klasse A Nord ganz unten startete und auf Anhieb Meister wurde. Es folgten drei weitere erste Plätze und ab 2010/11 spielten die Violetten für die nächsten fünf Jahre in der Regionalliga West.

Vergangene Saison hätte es schon beinahe mit dem Aufstieg geklappt, doch musste man sich dem FAC in der Relegation mit dem Gesamtscore von 2:5 geschlagen geben.

Dank der Umstellung auf zwei fixe Auf- und Absteiger in der Ersten Liga sowie dem zugelosten Direktaufstieg für den West-Meister reichte dieses Jahr Platz 1.

Im Winter kam es dabei zu einem Trainerwechsel, folgte doch Klaus Schmidt dem Ruf von Wacker Innsbruck. Gut, dass Jörn Andersen um die Ecke war und auch Zeit hatte.

„Es hat gepasst, weil ich hier in Salzburg seit ein paar Jahren wohne und ohne Job war. Ich habe am Anfang nicht gewusst, ob ich es machen soll. Aber der Verein wollte mich unbedingt, hat mich voll überzeugt, so dass ich keine Zweifel hatte, hier zu unterschreiben“, erklärt der Norweger im Gespräch mit LAOLA1.

Tchoyi spielte von 2008 bis 2010 für Red Bull

Die pikante Verpflichtung von Tchoyi

Mit Andersen gelang der Aufstieg. Nun ist man da. Und will es auch bleiben.

Dafür wurden Bundesliga-erprobte Spieler geholt, allen voran Somen Tchoyi (32), der pikanterweise in Salzburg bereits das Dress der „Roten Bullen“ trug.

„Ich hatte gehört, dass er interessiert wäre und über unseren sportlichen Leiter ist der Kontakt entstanden. Am Anfang war er noch nicht so fit, hat dann aber enorme Fortschritte gemacht. Von der Erscheinung her ist er eine Naturgewalt. 1,90m groß, robust und dabei technisch beschlagen. Wir sind sehr froh, dass er bei uns ist“, freut sich Windischbauer über diesen gelungenen Coup.

Neben dem Kameruner wurden mit Leonhard Kaufmann (Cottbus) und Haris Bukva (RW Erfurt) zwei weitere erfahrene Spieler geholt. Dazu verpflichtete Sportchef Gerhard Stöger Max Müller (Sandhausen) und Thomas Burghuber (Ried) sowie Valentin Grubeck (Austria Amateure) und Christoph Bann (Neumarkt).

Das bekannteste Gesicht des Meister-Kaders ist Ernst Öbster, der seit Winter 2014/15 da ist und auch schon für Red Bull spielte.

„Der Großteil unseres Kaders spielte vergangene Saison in der Regionalliga. Mit unserem bescheidenen Budget haben wir versucht, Spieler dazu zu holen, die Erfahrung haben. Wir wissen, dass es Zeit braucht, bis alles funktioniert“, bittet Andersen die Austria-Fans um ihre Geduld.

Andersen: „Müssen unsere Defensive verbessern“

„In der Regionalliga waren wir die dominierende Mannschaft, jetzt wird es umgekehrt sein. Es kommen bessere Mannschaften, bessere Spieler. Da müssen wir unsere Defensive verbessern. Wir haben für die Tests auch gute Mannschaft ausgewählt, wir arbeiten jeden Tag daran. In der Offensive wollen wir mit Pressing und Gegenpressing agieren, was wir auch können“, skizziert der Trainer.

Das Saisonziel ist für Andersen sonnenklar. „Wir spielen von Runde eins weg gegen den Abstieg. Unser großes Ziel ist jenes, dass am Ende zwei Teams hinter uns liegen. Alles darüber wäre super.“

Andersen, 27-facher Nationalspieler sowie früherer Trainer in Deutschland (u.a. RW Oberhausen, Mainz und KSC), der Schweiz (Luzern) und Zypern (Larisa), bringt die nötige Erfahrung mit.

Mit Mainz etwa gelang nach dem Abgang von Jürgen Klopp zu Dortmund der Aufstieg in die deutsche Bundesliga. Klar ist, dass auch die Austria irgendwann diesen Schritt schaffen möchte. Irgendwann.

„Wir arbeiten in kleinen Schritten daran. Das braucht seine Zeit, das braucht auch Geld. Wir versuchen Monat für Monat, Jahr für Jahr den Verein dorthin zu bringen.“

Schritt für Schritt ins Oberhaus

Genauso sieht es sein Chef, der seit 2010 im Amt ist. Windischbauer: „Vor fünf Jahren habe ich etwas nichtsahnend gesagt, es wird vier bis sechs Jahre dauern, bis wir den nächsten Schritt machen können. Wenn wir in fünf bis zehn Jahren den allerletzten machen, wäre ich der glücklichste Mensch.“

Doch auch abseits des grünen Rasens muss Schritt für Schritt jede Menge Arbeit erledigt werden. Die Salzburger verfügen über ein Budget von eineinhalb bis zwei Millionen Euro. Anders formuliert: ausbaufähig.

„Wir gehören damit zu den kleinsten Vereinen in der Liga“, weiß Windischbauer, der darauf baut, dass durch die gesteigerte Medienpräsenz mehr Sponsoren an Bord kommen.

„Es gab schon in der Regionalliga Gespräche mit Sponsoren, die überlegten, bei bundesweiter Präsenz einzusteigen. Wir wollen uns noch breiter aufstellen“, macht der Obmann klar.

Im Stadtteil Maxglan wird derzeit an der Erste-Liga-Tauglichkeit des Stadions (Kapazität: 1500) gewerkt. Dank Subventionen sowie der Fans, die Geld sammelten: „Das ist einzigartig in Österreich.“

Maxglan muss noch warten

Auch das Ausweichstadion in Schwanenstadt musste auf Vordermann gebracht werden, dort finden die ersten vier Heimspiele der Salzburger statt, ehe Maxglan seine Erste-Liga-Premiere feiern darf.

Diese findet gegen Kapfenberg statt. Mit LASK, Wacker und Austria Klagenfurt gibt es einige Gegner mit klingenden Namen, dazu natürlich Liefering, das Farmteam von Red Bull. Doch um das geht es nicht.

„Ich freue mich auch auf die Duelle mit St. Pölten oder Kapfenberg. Wir waren fünf Jahre in der Regionalliga und da ständig im Westen, jetzt geht es auch in den Osten. Es wird ein Abenteuer.“

Das irgendwann in die Bundesliga führen soll. Doch der Blick ist freilich noch nach unten gerichtet.

„Man hat im Vorjahr gesehen, wie dramatisch es zugeht. Der nächste große Schritt für uns ist, dass wir uns in dieser Liga etablieren und nicht in Abstiegsgefahr geraten.“

Für die späteren Jahre schließt Windischbauer nichts aus: „Es gibt nichts, was unmöglich ist.“

Die Geschichte des SV Austria Salzburg ist nicht nur bekannt, sondern auch noch nicht zu Ende.

 

Bernhard Kastler

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