"Vielleicht gelingt mir auch noch etwas Schönes“

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22 Punkte in 19 Spielen – Aufsteiger SV Horn hat sich recht schnell auf die Erste Liga eingestellt. Ganz zufrieden ist Trainer Michael Streiter trotz neun Zählern Vorsprung auf das Tabellenende jedoch nicht.

„Es könnten noch mehr Punkte sein“, verweist der Tiroler auf die Schlussphase im Herbst, in der man nur ein Remis aus den letzten fünf Spielen holte.

Die Gründe für den Einbruch sind dem 47-Jährigen bekannt. „Wir hatten nach der Relegation nur wenig Urlaub, zudem war es schwierig, den Kader in dieser kurzen Zeit umzubauen“, gesteht der 34-fache Internationale.

Horn baut um

Dies wurde im Winter nachgeholt. Neun Spieler gingen, sechs wurden verpflichtet. Darunter befindet sich auch Michael Stanislaw, der nach nur einem halben Jahr in Ungarn seine Zelte beim Egri FC abbrach und nach Österreich zurückgekehrt ist.

„Es war schon okay und eine schöne Erfahrung. Es war eine gute und geile Truppe, eine schöne Stadt. Ich bereue den Schritt nicht“, berichtet der 25-Jährige bei LAOLA1 über sein sechsmonatiges Abenteuer.

Als gescheitert sieht er sich nicht – immerhin absolvierte der defensive Mittelfeldspieler 13 von 17 Meisterschaftsspielen in Ungarns höchster Spielkasse. Sein Abschied hatte andere Hintergründe.

„Egri war überfordert“

„Der Verein ist zu schnell aufgestiegen und war mit der Organisation überfordert. Das war schlussendlich das Problem. Es ist sportlich nicht gelaufen. Wir waren am vorletzten Rang und acht oder neun Punkte von einem Nicht-Abstiegs-Platz entfernt. Die Vereinsführung hat mir dann angeboten, dass ich den Klub kostenlos verlassen kann, wenn ich will. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe ich dieses Angebot angenommen.“

Und auch das Angebot der Horner hat Stanislaw recht schnell angenommen. „Es war zwar noch eine andere Mannschaft im Gespräch – allerdings nicht so konkret. Im Winter ist es nicht so einfach, einen neuen Klub zu finden. Es gibt eigentlich nur Transfers, wenn eine Mannschaft mit Verletzungssorgen kämpft oder sportliche Schwierigkeiten hat. Der SV Horn hat sich sehr um mich bemüht und deswegen sind wir sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.“

Abrechnung mit Neustadt

Als Zwischenstation sieht der ehemalige Neustadt-Akteur, der auf die Erfahrung von 71 Bundesligaspielen zurückblicken kann, die Waldviertler nicht.

„Das wäre nicht fair, denn es ist ein sehr professionell geführter Klub, mit einem guten Umfeld und guten Spielern. Wir sollten auch nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Es ist aber logisch, dass man sich wieder ins Rampenlicht spielen und mit guten Leistungen aufzeigen will. Dann wird man sehen.“

Auf keinen Fall zurückblicken will er auf seine Ära in Wiener Neustadt. Speziell über den Abschied im Sommer kann Stanislaw nur den Kopf schütteln.

„Es war nicht die feine Art“

„Mir ist versprochen worden, dass über einen neuen Verein gesprochen wird. Leider ist nie der Anruf gekommen. Dann habe ich aus der Zeitung erfahren, dass ich den Klub verlassen werde. Das hätte man mir auch persönlich sagen können. Ich bin der letzte Mensch, der ein Problem damit hat, wenn einem gesagt wird, dass nicht mehr mit dir geplant wird. Es war nicht die feine Art.“

Auch sonst überwiegen im Nachhinein die negativen Eindrücke. „Neustadt war eine ganz eigenartige Geschichte. Ich bin damals hingegangen, weil sie mich unbedingt haben wollten. Es ist aber von Anfang an nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin nicht so wertgeschätzt worden, wie ich es von den Leistungen her verdient gehabt hätte. Sie haben viele teure Spieler geholt und so ihre Mannschaft zusammengestellt. Es war schwer.“

„Vielleicht gelingt mir auch noch etwas Schönes“

Doch dies gehört der Vergangenheit an. Das Mitglied der erfolgreichen U20-WM-Mannschaft von 2007 fokussiert sich voll und ganz auf seine neuen Aufgaben in Horn. „Ich möchte dem Team helfen, will eine Führungsrolle einnehmen.“

Und vielleicht schafft er irgendwann wieder den Sprung ins Ausland – so wie einige seiner WM-Teamkollegen.

„Natürlich überlegt man selbst, was sein hätte können, wenn man sich den Karriereverlauf von einem Junuzovic oder Prödl ansieht. Ich freue mich für die Leute, die es geschafft haben. Ich bin erst 25, vielleicht gelingt mir auch noch etwas Schönes…“

 

Martin Wechtl

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