Rückkehr eines Traditionsklubs

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"Ohne LASK hätten wir wohl auf Erste Liga verzichtet"

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Wien – Zelkjo Pavlovic, Didier Frenay, Kapitän Harald Gschnaidtner, Gerald Bacher, Günther Zeller, Roland Huspek, Alain Bettagno, Erik Mykland, Herbert Linimair, Ewald Brenner, Roman Bujdak.

So lautete am 3. Juni 1997 die von Trainer Hubert Baumgartner gewählte Startelf des FC Linz beim Auswärtsspiel gegen die SV Ried. Dieses ging am Ende 1:2 verloren.

Ewald Brenner, der 14 Jahre später Cupsieger mit Ried werden sollte, traf zum letzten Mal für die Landeshauptstädter.

Letztes Spiel eines Traditionsvereins

Es war nicht nur sein letztes Tor für den FC Linz, es waren nicht nur die letzten 90 Minuten des FC Linz in der Bundesliga, es waren die letzten Minuten in der Geschichte eines Traditionsvereins.

Auch wenn der Klub über die Jahre vom SK VOEST, zum FC Stahl Linz und dann zum FC Linz mutierte – es war noch derselbe Verein, der am 30. Juni als SV Eisen und Stahl 1946 Linz gegründet wurde.

Doch nach dem Schlusspfiff im Rieder Stadion durch Schiedsrichter Bernhard Zauner war dieser Klub für den Fußball Geschichte. Denn es wurde zuvor eine Fusion der Linzer Großvereine beschlossen.

Zumindest auf dem Papier wurde das festgehalten, die Realität sah anders aus. Denn tatsächlich wurde der finanziell angeschlagene Verein einfach vom LASK geschluckt.

„Es war ein Herschenken des FC Linz“, beschreibt es Hermann Schellmann, Präsident des Erste-Liga-Aufsteigers FC Blau-Weiß Linz, 14 Jahre später.

Das „Herschenken“ wurde zwischen den damaligen Präsidenten Wolfgang Rieger (LASK) und Franz Grad ausgehandelt (FC Linz).

Pikanterweise in Pasching

Während Ersterer später wegen eines Finanz-Skandals rund um seine Bank festgenommen wurde, zog Letzterer mit der Entscheidung pro Fusion den Zorn der blau-weißen Anhänger auf sich.

Pikanterweise gibt der FC BW Linz, der Nachfolgeverein des FC Linz, sein Erste-Liga-Debüt am Dienstag gegen Hartberg (18:30 Uhr) aufgrund von Umbauarbeiten im Linzer Stadion in Pasching.

Dort, wo Grad später überaus erfolgreich mit dem hiesigen Klub reüssierte…

Im LAOLA1-Interview spricht Hermann Schellmann über den Aufstieg jenes Klubs, der für die Fans gegründet wurde, und über die Tatsache, warum der LASK das Hartberg-Spiel erst möglich machte.

LAOLA1: Mit dem Heimspiel gegen Hartberg fängt für den FC Blau-Weiß Linz endgültig eine neue Ära an.

Hermann Schellmann: Der Aufstieg war natürlich das langjährige Ziel und das wurde geschafft. In Wattens hatten wir – wie so oft in der vergangenen Saison - ein Herzschlag-Finale inklusive Elfmeterschießen. Glücklicherweise sind wir aufgestiegen, denn es hat über die Jahre zum Einen viel an Geld gekostet und zum Anderen viele Nerven. In den vergangenen Wochen gab es nun freilich in kurzer Zeit viel zu tun, es musste Vieles auf Profi-Niveau umgestellt werden. Zuvor in der Regionalliga war ja alles quasi ein Familienbetrieb. Das ist vorher schon fast nicht möglich gewesen, jetzt schon gar nicht mehr. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren nicht einmal eine ganze Woche Urlaub gehabt und wenn man älter wird, würde man schon ab und zu eine brauchen. Jetzt sollte sich das aber ändern.

LAOLA1: Nach 14 Jahren wurde der Aufstieg in den Profi-Fußball geschafft. Wie hat alles begonnen?

Schellmann: Wir haben als Anhänger des FC Linz, vormals SK VOEST, 1997 eine Art Auffanggesellschaft gegründet. Dazu brauchten wir eine Sportanlage und eine Chance, irgendwo einzusteigen. Die SV Austria Tabak hatte sich damals angeboten. Wir haben damals ihre Fußballabteilung rausgelöst und dadurch den Platz in der Meisterschaft einnehmen können – mit dem neuen Namen FC Blau-Weiß Linz. Eigentlich wollten wir den Klub FC Linz nennen, durften wir aber nicht, weil dieser als Verein am Papier noch bestanden hat. In der Folge haben wir viele ehemalige VOEST-Spieler zu unserem Verein zurückgeholt, nur wenige waren von der Austria Tabak dabei. Von der Ideologie her sind wir von der Öffentlichkeit als Nachfolge-Verein des SK VOEST beziehungsweise des FC Linz wahrgenommen worden.

LAOLA1: Wurde der Klub 1997 in erster Linie für die Fans gegründet?

Schellmann: Richtig. Wir haben damals gesagt, dass die Fusion keine war, sondern ein Herschenken des FC Linz.  Das wollten wir nicht hinnehmen und deswegen ist uns die Idee gekommen, mit mehreren Anhängern bei der Austria Tabak einzusteigen. Ich war selbstständig und hatte dementsprechende Kontakte zu Politik und Wirtschaft.

LAOLA1: Spüren Sie Genugtuung, dass Ihr Klub nun mit dem LASK in einer Liga spielt?

Schellmann: Ich sehe das ein wenig anders. Für uns war es schon das Ziel, mit dem LASK irgendwann auf einer Ebene zu sein. Ich sage aber auch eines: Hätte der LASK nicht die Lizenz bekommen, weiß ich nicht, ob ich das Ziel gesehen hätte, überhaupt aufzusteigen. Diese Zehnerliga ist vom wirtschaftlichen Aspekt her normal nicht erstrebenswert. In dieser wird pausenlos gegen die gleichen Mannschaften gespielt wird und, auch wenn die Teams sportlich in Ordnung sind, alle keine Namen haben. Bis auf die Vienna, die glücklicherweise oben geblieben ist.

LAOLA1: Wären Sie also eventuell gar nicht in der Ersten Liga angetreten?

Schellmann: Sagen wir so, vielleicht hätte man die Anstrengungen gar nicht auf uns genommen und von sich aus auf den Aufstieg verzichtet. So haben wir vier Linzer Derbys, zwei Mal sind wir Gastgeber und das bedeutet natürlich entsprechende Einnahmen. Dieses viermalige Aufeinandertreffen in Linz ist der einzige Vorteil in dieser Zehnerliga, die ich eigentlich sonst nicht mag.

LAOLA1: Inwieweit gibt es dann eine Vision, einmal ganz oben zu spielen? Plant Blau-Weiß irgendwann einen Bundesliga-Aufstieg?

Schellmann: Das kann nicht geplant werden, auch wenn viel Geld in die Hand genommen werden würde. Das haben wir ohnehin nicht. Wir werden sicher, wie gehabt, mit dem Geld, das wir zur Verfügung haben, sehr vernünftig umgehen. So wie es ausschaut, gehören wir zu den drei Vereinen mit den geringsten Budgets. Solche Träume erlauben wir uns derzeit nicht, dafür brauchst du auch die entsprechenden Spieler. Jetzt wollen wir einmal mit einer jüngeren, hungrigen Mannschaft, die sich beweisen kann und will, schauen, dass wir den sechsten oder siebten Platz erreichen. Wenn wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben, wäre das schon einmal sehr schön. Die Saison darauf hätten wir dann alle Möglichkeiten, zumal wir weit früher als heute planen könnten und wir schon wissen würden, wie es läuft. Und natürlich, so ist es ja immer, würden im Laufe der Zeit die Ziele höher gesteckt werden. Jetzt wollen wir uns einmal in der Liga etablieren.

LAOLA1: Der LASK hat offenkundig Probleme, Sponsoren zu gewinnen. Sieht Blau-Weiß hier eine Chance den Rivalen zu überholen?

Schellmann: Man muss schon sagen: Wir haben viele Jahre in der Regionalliga gespielt, der LASK war in der Bundesliga und hat auch von der Geschichte her einen Vorteil. Wir als Blau-Weiß Linz sind ja doch erst 14 Jahre am Markt. Auch wenn einige momentan auf den Klub oder den Präsidenten sauer sind, dennoch sind diverse Sponsoren LASK-Anhänger, die auch diesen Klub lieber unterstützen. Aber eines ist sicher: Wir sind aktuell in aller Munde, auch von den Medien werden wir dementsprechend gelobt. Wir sind momentan sicher der sympathischere Klub und das wollen wir auch bleiben. Das fängt beim Fan-Kontakt der Spieler an, die ab und zu einmal ein Bier gemeinsam trinken. Wir sind zum Angreifen, die Anhänger werden in viele Sachen miteinbezogen und das heißt, wir werden sicher auch den einen oder anderen Sponsor bekommen, dem das gefällt. Aber es würde lange dauern, ehe wir den LASK in dieser Hinsicht überflügeln könnten. Wir haben auch ganz andere Ausgaben im Gegensatz zum LASK.

LAOLA1: Es wurden vier LASK-Juniors-Spieler geholt. Inwieweit gehört es zum Sympathie-Konzept dazu, mit oberösterreichischen Talenten zu spielen?

Schellmann: Das gehört sicher auch dazu. Großen Vereinen, bei denen viel Geld dahintersteckt, wird immer angekreidet, dass sie nur Stars aus dem Ausland holen und die ihre Leistung dann gar nicht bringen. In Österreich kann dahingehend Red Bull Salzburg genannt werden, die eine sehr gute zweite Mannschaft und überall ihre Akademien haben. Wenn man schaut, wie viele aus den eigenen Reihen hochgezogen wurden, waren das sicherlich nicht viele. In der Folge gibt es auch Salzburg-Anhänger, die den spärlichen Ertrag für die eingesetzten Geldeinsatz nicht gutheißen. Dadurch hat man als kleinerer Verein die Sympathie, weil man jungen Spielern die Chance gibt und es einfach probiert. Ob es dann reicht, ist eine andere Frage. Ich verstehe Salzburg schon auch, dass sie nicht auf einmal fünf junge Spieler einsetzen. Weil wenn das schief geht, dann ist dort der Teufel los. Wir können es riskieren. Wenn es schief gehen sollte, wird uns keiner böse sein – weder die eigenen Fans noch die Sponsoren.

LAOLA1: Apropos Sympathie: Was unterscheidet Sie von Ihrem Präsidenten-Kollegen Peter-Michael Reichel?

Schellmann (lacht): Sagen wir so: Peter-Michael Reichel sieht es mehr geschäftlich, ich habe eben, wie viele andere, mehr Herz für den Fußball im Gesamten und muss mich halt auch immer zurückhalten, wenn es um Spielerverpflichtungen geht. Ich ecke kaum mit jemanden an, mein Stil kommt gut an und ich versuche auch nicht, mir zusätzlich Feinde zu machen. Ich habe lieber mehr Freunde als Feinde.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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