"Habe falschen Leuten vertraut"

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"Für Wr. Neustadt wäre ich gut bezahlt gewesen"

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Die vereinslose Zeit - für jeden Kicker die wohl schwierigste. Nicht spielen, nicht trainieren, nicht die wenigen sich bietenden Jahre finanziell ausnützen zu können.

Mirnel Sadovic machte das Beste daraus. Er blieb ruhig, vertraute auf sich selbst und arbeitete intensiv mit einem Individualtrainer, um auf hohem Niveau fit zu bleiben.

Es sollte sich auszahlen. Der gebürtige Bosnier fand nach seinem Neustadt-Aus Mitte September mit Altach einen neuen Klub. Dabei läuft die Eingewöhnungsphase prächtig. Im ersten Spiel kam der Stürmer von der Bank und traf gleich ins Schwarze.

Jetzt hat Sadovic natürlich ein großes Ziel: den Aufstieg. Größter Konkurrent dabei ist das Team der Stunde, WAC/St. Andrä. Am Freitag um 18.30 Uhr kommt es zum großen Showdown der beiden Aufstiegsaspiranten. Im LAOLA1-Interview spricht der 27-Jährige über das Duell, falsche Einflüsterer und warum sich Altach nicht um den Gegner schert.

 

LAOLA1: Mirnel, du bist bei Altach gelandet, warst vorher vereinslos. Davor hast du zweieinhalb Jahre bei Wiener Neustadt gespielt. Dein Vertrag wurde nicht verlängert. Was waren die Gründe?

Mirnel Sadovic: Ich habe dort ein Angebot bekommen, bei dem ich auf einiges hätte verzichten müssen. Das habe ich dann kurz nach der Saison abgelehnt. Sie wollten unbedingt mit mir verlängern, aber ich habe mir etwas anderes vorgestellt, wollte unbedingt ins Ausland. Dabei habe ich einigen Leuten vertraut, wo dann plötzlich alles doch nicht so war, wie sie sagten. Es hat sich einiges anders herausgestellt. Später war der Kader dann überfüllt und es ist keine Verlängerung mehr zustande gekommen.

LAOLA1: Von welchen Klubs hattest du Angebote? Was waren die Möglichkeiten, die dir da offenbart wurden?

Sadovic: Ich hatte mir eigentlich erwartet, und diese Leute haben mir das gesagt, dass ich in einer guten Liga unterkomme. Deswegen habe ich auch den Vertrag in Wiener Neustadt sofort abgelehnt. Zu der Zeit war noch Peter Schöttel Trainer. Da war die Türkei im Gespräch, genauso wie Griechenland und die zweite deutsche Liga. In dem Bereich habe ich einfach den falschen Leuten vertraut.

LAOLA1: Wer waren diese Leute und was ging dabei schief?

Sadovic: Das will ich jetzt nicht sagen. Die Leute wissen schon, dass ich sie meine, aber ich möchte jetzt keine Namen nennen und das über die Medien austragen. Die Situation wurde einfach ganz falsch eingeschätzt und deswegen hat ein Wechsel auch nicht geklappt. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit, dass ich jetzt in Altach bin und möchte unbedingt aufsteigen und nächste Saison Bundesliga spielen.

Sadovic erzielte für Wiener Neustadt neun Bundesliga-Tore

LAOLA1: Der Vertrag den dir Wiener Neustadt vorgelegt hat, wäre aber akzeptabel gewesen?

Sadovic: Ja, der wäre schon fair gewesen. Für die Verhältnisse, die sie dort zur Verfügung haben, wäre ich sicher gut bezahlt gewesen. Aber trotzdem, es ist halt passiert, wie es passiert ist. Jetzt muss ich eben schauen, dass ich mit Altach aufsteige. Die Mannschaft ist super und der Trainer sehr in Ordnung.

LAOLA1: Du warst länger vereinslos und konntest bis zum Ende der Transferzeit keinen Klub finden. Hat dich das gequält?

Sadovic: Es war schon eine schwierige Zeit, aber ich hatte ein gutes Trainerteam. Die Firma heißt ISPR, betrieben von Damir Canadi und Tommy Flögel. Die Betreuung ist wirklich top. Man merkt es jetzt momentan. Der Trainer ist froh, dass ich dort war und dass er einen Spieler bekommen hat, der fertig und jetzt einsatzbereit ist. Ich habe das ganze Programm, das sie mir zusammengestellt haben, mitgemacht. Sie haben hervorragende Arbeit  geleistet.

LAOLA1: Hattest du Angst, dass du keinen Klub mehr finden würdest?

Sadovic: Ich hatte schon auch Angebote. Andererseits hätte ich auch früher bei Altach unterschreiben können. Ich hatte schon früh im Sommer mit Altach Kontakt, wollte aber in dieser Zeit unbedingt ins Ausland. Deswegen ist es erst so spät zustande gekommen. Jetzt bin ich aber total froh, dass ich hier bin, denn vom Verein und dem ganzen Umfeld her ist es natürlich eine super Adresse in Österreich.

LAOLA1: Du hast jetzt einmal bis Winter Vertrag. Gibt es eine Klausel, die deinen Vertrag automatisch verlängern würde?

Sadovic: Ja. Für den Moment ist es für beide Seiten aber einmal eine kleine Absicherung, falls wir irgendwie nicht zueinander finden sollten, dass man friedlich auseinandergehen kann. Ich denke aber nicht, dass das passieren wird. Im Winter kann die Klausel dann gezogen werden.

LAOLA1: Aber du hast für dich selbst schon vor, länger in Altach zu bleiben, oder?

Sadovic: Natürlich. Ich möchte die ganze Saison durchspielen und wenn möglich aufsteigen.

LAOLA1: Stört es dich, dass du jetzt in der Ersten Liga spielst anstatt in der Bundesliga?

Sadovic: Nein, aber es soll halt nur eine Zwischenstation sein. Ich möchte natürlich in der Bundesliga spielen. Ich denke, dass ich die Qualität dazu habe. Das habe ich letztes Jahr, glaube ich, bewiesen. Deswegen ist es nur vorübergehend. Ich möchte mit Altach etwas erreichen, möchte aufsteigen. Ich bin ja schon einmal aufgestiegen, mit Magna, und würde das gerne nochmals schaffen.

LAOLA1: Du wurdest dann gleich nach deiner Ankunft beim 5:0-Derby-Sieg in Lustenau gegen die Austria eingewechselt und hast getroffen. Was war das für ein Gefühl, gleich so einzuschlagen?

Sadovic: Das war natürlich super. Ich habe über drei Monate nicht gespielt,  keine Wettkampfpraxis gesammelt, da war es toll wieder dabei zu sein. Und dann auch gleich noch ein Derby. Jetzt waren beziehungsweise sind überhaupt gleich zwei bis drei Knallerspiele, das ist super. Gleich zwei Spiele und zwei Siege eingefahren, dazu noch ein Tor gemacht, besser hätte es nicht laufen können. Jetzt müssen wir am Freitag gewinnen und dann sieht es sehr gut für uns aus. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und Punkte einfahren.

Das letzte Duell Altach-WAC/St. Andrä war heiß umkämpft

LAOLA1: Am Freitag steigt das Spitzenduell der Ersten Liga. Ihr seid bei WAC/St. Andrä zu Gast. Der Erste gastiert beim Zweiten. Seid ihr schon heiß auf das Spiel?

Sadovic: Wir fahren dort hin, um zu gewinnen. Wir haben jetzt einen kleinen Lauf und den wollen wir fortsetzen. Ich bin jetzt dazu da, damit wir gewinnen und vorwärts kommen, wir Erster bleiben und die Tabellenführung verteidigen. Es wird natürlich ein schweres Spiel. St. Andrä ist die Überraschungsmannschaft dieses Jahres. Die spielen einen guten, attraktiven Fußball. Es ist aber nicht unmöglich und ich denke, wir haben genug Qualität um dort zu bestehen.

LAOLA1: Das erste Spiel hat Altach, noch ohne dich, aber mit 1:2 verloren.

Sadovic: Ich weiß, aber deswegen wollen wir das auch wieder gut machen. Wir werden sicher mit genug Motivation ins Spiel gehen, um uns die drei Punkte zu holen.

LAOLA1: Ist es ein großer Vorteil für euch, dass der Toptorschütze der Ersten Liga, Christian Falk, ausgerechnet gegen euch wegen einer Sperre nicht spielen kann?

LAOLA1: Du hast dich wohl gleich in deinem Altach-Wechsel bestätigt gefühlt.

Sadovic: Natürlich. Ich denke, dass ich einen Schritt zurück gemacht habe, damit ich dann zwei nach vorne machen kann. Deswegen glaube ich auch, dass die zweite Liga eine kurzfristige Lösung ist und wir uns später mit Altach in der Bundesliga etablieren werden. Die Bedingungen und das Umfeld hat Altach einfach. Der ganze Verein gehört in die Bundesliga und wir versuchen das jetzt hinzukriegen.

LAOLA1: Wenn es nicht klappen würde, müsstest du dir aber vielleicht etwas anderes überlegen.

Sadovic: Ja, aber bis dahin ist genug Zeit. Ich gehe davon aber nicht aus, da möchte ich auch gar nicht darüber reden. (lacht)

LAOLA1: Euer Trainer ist Adi Hütter. Was ist er für ein Typ?

Sadovic: Er ist ein sehr moderner Trainer, einer der neueren Generation, der viel mit den Spielern redet. Er ist einfach ein positiver Coach. Ich kenne ihn zwar erst seit kurzem, aber ich habe nur gute Gespräche mit ihm geführt und bin deswegen auch froh, dass ich jetzt bei ihm bin.

LAOLA1: Und seine offensive Spielweise kommt dir natürlich entgegen.

Sadovic: Genau. Es passt zu meinem Spielstil. Ich bin ein Stürmer, der Fußball spielen will. Nicht einer der die ganze Zeit nur lauert, sondern mehr der spielerische Typ, der auch tief geht. Da ist das Spiel von unserem Trainer und der Mannschaft einfach perfekt. Ich passe da ganz gut hinein und deswegen wollte er mich auch haben.

Sadovic: Es ist eigentlich egal wer spielt. Wenn der Falk gespielt hätte, wären wir auch zurecht gekommen. Wir haben eine sehr gute Abwehr und einen guten Torwart, da hätte ich mir auch keine Sorgen gemacht. Aber ich denke, dass ihn die anderen gut ersetzen werden. Sie haben ja genug Spieler, die Tore erzielen können. Ich mache mir aber keine Sorgen. Wir müssen uns einfach nur auf uns konzentrieren und unser Spiel machen und dann werden wir erfolgreich aus dem Spiel gehen.

LAOLA1: Muss eine Mannschaft wie Altach überhaupt auf andere Teams schauen?

Sadovic: Ich ziehe da immer einen leichten Vergleich mit Magna als wir aufgestiegen sind. Da hatten wir wirklich einen Top-Kader, der von Altach ist aber um nichts schlechter. Deswegen müssen wir nur auf uns schauen, von Spiel zu Spiel denken, Punkte einfahren, gewinnen und dann werden wir nach dem letzten Spieltag auf Platz eins stehen und aufsteigen.

LAOLA1: Es ist zwar das Duell zwischen den beiden Top-Teams der diesjährigen Saison, aber von einem vorentscheidendem Duell kann man wohl noch nicht sprechen, oder?

Sadovic: Nein, das kann man nicht sagen, denn es gibt noch so viele Spiele. Man hat es letztes Jahr gesehen, da sind die einen sechs Punkte vorne gewesen und wurden wieder eingeholt, und umgekehrt. Man muss von Spiel zu Spiel schauen und dann wird das schon klappen. Die Qualität um Erster zu werden, haben wir jedenfalls.

 

Das Gespräch führte Andreas Aigner.

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