Referee als Derby-Aufreger

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"Warum schicken sie so einen Schiedsrichter her?“

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An Gesprächsstoff mangelte  es nach dem zweiten Linzer Derby der Saison nicht.

Zu viel hatte sich in den 90 Minuten, die letztlich zum zweiten  Mal ein 1:1 mit den selben Torschützen wie am 18. Juli brachte, abgespielt: Tore, Karten, Emotionen – alles war dabei.

Es waren nicht einmal alle Zuschauer in der Stadion-Baustelle der Stadt Linz, da führte der LASK schon. 39 Sekunden dauerte es bis Harald Unverdorben einen Henrique-Freistoß versenkte.

Und der LASK spielte die Gäste in den ersten Minuten weiter an die Wand, vergab aber die Chancen auf eine höhere Führung.

„LASK am Anfang wesentlich besser“

„Die ersten 35 Minuten waren die besten seit ich hier bin, im Abschluss hatten wir leider ein wenig Pech“, blickte der mittlerweile sechsfache Saison-Torschütze Unverdorben zurück.

„Der LASK war bis zum Ausschluss wesentlich besser, da können wir glücklich sein, dass wir nicht 0:3 hinten liegen. Die Laufbereitschaft und Aggressivität war enorm“, musste auch BWL-Goalie David Wimleitner Respekt zollen.

„Ich habe es offenbar nicht geschafft, den Spielern klar zu machen, dass trotz unserer zuletzt guten Serie (fünf Spiele ohne Niederlage, Anm.) nicht alles von alleine läuft und wir vor allem den LASK einfach so schlagen können“, war Trainer Thomas Weissenböck selbstkritisch.

Sein Kapitän Tino Wawra hielt kurz und knapp fest: „Wir haben die ersten 20 Minuten völlig verschlafen.“

Aufgeweckt wurden die Blau-Weißen letztlich durch den ersten Ausschluss der Partie.

LASK-Spielmacher Luiz Henrique hatte nach einem geahndeten Foul, vor dem der Brasilianer den Ball spielte, schon Gelb sehen. Eine Schwalbe im Mittelfeld brachte ihm in Minute 35 Gelb-Rot.

„Der Referee hat den besten Mann des Spiels vom Platz gestellt, deswegen sind die vielen Zuschauer am Ende nicht auf ihre Kosten gekommen“, meinte LASK-Coach Walter Schachner, der wie Unverdorben von den besten 35 Minuten dieser Saison sprach.

„Das wundert mich“

Umso mehr ärgerte ihn die Leistung des Referees: „Jeder Schiedsrichter ist ein Mensch und macht Fehler, aber dass man so einen Mann mit kaum Erfahrung hierher schickt, das wundert mich. Es gibt genügend Bundesliga-Schiedsrichter, die am Wochenende nicht oben im Einsatz sind.“

Nach Spielende teilte ausnahmslos jeder diese Meinung, manche mit mehr Nachdruck manche mit weniger. Der 27-jährige Dominik Ouschan war jedenfalls das Thema nach dem Derby.

Blau-Weiß ebenfalls heiß auf Schiedsrichter

„Er war auf beiden Seiten komplett überfordert. Jeder weiß, wie sehr die Stimmung bei einem Derby aufgeheizt ist und dann schickt man so jemanden Unroutinierten her. Er hatte keine Linie“, hielt Wawra fest.

„Für einen jungen Schiedsrichter ist es natürlich schwierig. Die Ränge haben gekocht, die Spieler waren heiß aufeinander. Er hat auf beiden Seiten Fehler gemacht, die man einem jungen Referee zugestehen muss, aber vielleicht sollte man bei so einer Partie anders besetzen“, drückte es Wimleitner etwas diplomatischer aus.

Nach den beiden Ausschlüssen war die Partie eine „tote“ (Zitat: Unverdorben), der LASK konnte nicht mehr zusetzen. „Wir hatten in der zweiten Hälfte nicht mehr genügend Energie, nachdem wir mit einem Mann weniger mehr Laufarbeit verrichten mussten und Blau-Weiß Linz den Ball sehr gut laufen ließ“, begründete Schachner.

Aigner („Ein Punkt ist zu wenig“) und Co. haben damit nun fünf Punkte Rückstand auf Leader WAC/St. Andrä, der den FC Lustenau 2:0 besiegte. Mitkonkurrent Altach fegte Austria Lustenau auswärts gar mit 5:0 weg.

„Große Chance wie nie“

Blau-Weiß war enttäuscht, dass das zweite große Saisonziel „Derby-Sieg“ trotz langer LASK-Ausfallsliste – Kevin Wimmer (18) und Shawn Barry (21) bildeten erstmals die Innenverteidigung, Attila Varga (19) gab sein Startelf-Debüt – noch nicht klappte.

„Ich war mir ziemlich sicher, dass wir heute die Partie gewinnen. Heute war die Chance groß, sie zu biegen. So groß wird sie so schnell wohl nicht mehr sein“, meinte ein enttäuschter Wawra.

Die Chance, dass auch die nächsten Male wieder rund 11000 Zuschauer auf die Gugl kommen, ist ob der Begeisterung in beiden Fan-Lagern hingegen gleich groß.

10.700 Fans - diese Anzahl wird so manche Bundesliga-Partie am Wochenende nicht annähernd schaffen. Schon beim Austria-Heimspiel zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase waren um 1.600 weniger zu Gast. Die Stimmung in Linz wie schon beim ersten Derby Bundesliga-reif.

Geht es nach den Protagonisten, soll dieses Kriterium das nächste Mal auch vom Referee erfüllt werden.

Bernhard Kastler

LASK-Stürmer Hannes Aigner, der nach einem Ellbogencheck gegen die Brust Simon Piesingers („Ich wollte ihn nicht treffen, es war vielleicht ein wenig dumm. Ich habe mich sofort entschuldigt“) zumindest auch mit Gelb-Rot vom Platz hätte fliegen müssen, war außer sich.

Aigner ließ Wut heraus

„Es gibt auch in der zweiten Liga wichtige Spiele. Hier kommen 11.000 Zuschauer her und dann schicken sie einen 25-Jährigen, der mich siezt. Warum redet er mich mit Sie an? Ein erfahrener Schiedsrichter kann normal mit einem umgehen, aber dieser muss wieder extrem arrogant auftreten“, ließ es der Tiroler heraus.

Und hatte noch nicht genug: „Ich bin sauer, weil der Schiedsrichter die Partie für beide Teams zerpfiffen hat. Wie soll man kombinieren, wenn immer sofort gepfiffen wird. Da leidet der Spielfluss. Warum schließt er jemanden aus, der 40 Meter vor dem Tor ausrutscht? Da hätte er weitere ausschließen können. Da ist kein Fingerspitzengefühl und keine Linie da.“

Auch Blau-Weiß, das in Hälfte eins einen Elfmeter nach Schellander-Foul an Hartl hätte bekommen müssen und nach Gelb-rot für Nikolov ab Minute 51 mit ebenfalls einem Mann weniger spielte, regte sich über die Bestellung des Spielleiters aus Vorarlberg auf.

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