Streiter: "Wollen Zuschauer aus ihren Tälern locken"

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Michael Streiter hat Hunger, das hat aber in diesem Kontext keinen kulinarischen Hintergrund.

Den Wacker-Coach treibt der Hunger nach Erfolg an. Im Abstieg der Tiroler sieht er die Chance auf einen Neuanfang.

Der 48-Jährige will dabei helfen, Wacker Innsbruck zurück an die Spitze zu führen.

Er spricht mit Begeisterung über den Tiroler Weg, den er gemeinsam mit Präsident Josef Gunsch verfolgt und der die Zuschauer "aus ihren Tälern locken" soll.

Der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga ist für den Innsbrucker Trainer dennoch keine Pflicht.

Er will die Gegner nicht unterschätzen, man müsse "mit Demut" an die Sache herangehen. Vor dem Auftakt in die neue Erste-Liga-Saison spricht Streiter mit LAOLA1.

LAOLA1: In den vergangenen Jahren haben sich die Bundesliga-Absteiger in ihrer ersten Erste-Liga-Saison immer schwer getan. Was tut ihr, damit euch nicht dasselbe Schicksal ereilt?

Michael Streiter: Wir haben nicht versucht, mit der gleichen Mannschaft, die abgestiegen ist, in die Erste Liga zu gehen. Stattdessen haben wir einen neuen Kader zusammengestellt, der den Hunger hat, wieder nach oben zu kommen. In den letzten Jahren gab es genug Lehrbeispiele wie Mattersburg oder Kapfenberg. Es geht nicht, zu glauben, man kann da runter gehen und die Punkte ohne Weiteres mitnehmen. Man muss mit einer gewissen Demut in diese Liga gehen und einfach akzeptieren, dass die Gegebenheiten anders sind. Im Hinblick darauf haben wir unseren Kader zusammengestellt. Wir wollten Burschen, die von oben kommen, aber trotzdem den Hunger haben, gleich wieder aufzusteigen.

LAOLA1: Sie haben relativ viele neue Spieler geholt, darunter mit Pascal Grünwald, Jürgen Säumel oder auch Andreas Hölzl einige Routiniers. Bringen diese Profis diesen von Ihnen angesprochenen Hunger mit?

Streiter: Das war das entscheidende Kriterium, als wir diese Spieler geholt haben. Alle drei genannten hätten auch in der Bundesliga unterkommen können, aber sie wollen mithelfen, dass Wacker Innsbruck wieder diese Rolle im österreichischen Fußball spielt, die ein Klub mit dieser Tradition spielen sollte. Das habe ich aus den persönlichen Gesprächen sofort rausgehört.

LAOLA1: Euer Ziel ist also ganz klar der Aufstieg?

Streiter: So schnell der eben möglich ist. Ob das schon heuer der Fall ist, wird man sehen. Ein Aufstieg ist immer extrem schwer. Wir wollen oben mitspielen. Es gibt immer Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst: Schiedsrichterentscheidungen, Verletzungen -  da muss man abwarten, wie wir uns damit tun.

LAOLA1: Was wird sich von der Spielausrichtung gegenüber der letzten Saison ändern?

Streiter: Wir werden uns schon ein bisschen umorientieren, unser Spiel etwas anders auslegen und auch ein neues System spielen, aber Genaueres will ich jetzt noch nicht verraten.

LAOLA1: Wer sind die größten Konkurrenten um den Aufstieg?

Streiter: In den letzten Jahren haben sich schon gewisse Mannschaften oben festgesetzt, zum Beispiel Austria Lustenau oder St. Pölten. Ich glaube auch, dass der LASK sehr großes Potenzial hat und vorne mitspielen kann.

LAOLA1: Mit Lukas Hinterseer und Andreas Kuen haben euch zwei junge Tiroler Talente verlassen. Wie schwer wird es, die beiden zu ersetzen?

Streiter: Kuen hat sich für Rapid entschieden. Das muss man akzeptieren, obwohl wir ihn gerne behalten hätten. Mit dem finanziellen Spielrahmen der Wiener können wir nicht mithalten. Dasselbe mit Lukas Hinterseer: Wenn man die Möglichkeit hat, in der zweiten deutschen Bundesliga zu spielen, dann ist es verständlich, dass man dort hingeht. Wir haben uns also nach Alternativen umgeschaut und neue Spieler geholt – sowohl junge, als auch alte, um die perfekte Balance zwischen jugendlicher Frische und Routine zu finden. Wir wollen mit dieser Mannschaft eine neue Richtung einschlagen, das ist unsere Chance.

LAOLA1: Sie haben zuletzt anklingen lassen, dass es im Abstiegskampf an Spielern mit Führungsqualitäten gemangelt hat.

Streiter: So ist es. Es waren keine Spieler am Platz, die die ganze Mannschaft mitgerissen hätten. Jeder war mit sich selbst beschäftigt. Keiner wollte die Sache selbst in die Hand nehmen. Mit Grünwald oder Hölzl haben wir nun aber solche Leute geholt, die den Takt vorgeben können.

LAOLA1: Auch im Verein selbst hat sich im letzten Jahr einiges geändert. Wie wirkt sich das auf die Mannschaft aus?

Streiter: Sehr positiv. Präsident Josef Gunsch und sein Team haben mit Marketingleiter Andre Häberlein und Pressesprecher Thomas Blazek neue Strukturen geschaffen, die dieser Verein einfach braucht. Diese Leute spielen zwar keinen Fußball, aber es ist auch für die Spieler wichtig, zu sehen, dass alles professioneller wird. Das ist das, was dem Verein in den letzten Jahren gefehlt hat. In diesem Zusammenhang ist auch sehr erfreulich, dass wir zum ersten Mal seit fünf Jahren die Lizenz in erster Instanz erhalten haben. Präsident Gunsch gibt nicht mehr aus, als er einnimmt. Das ist für mich als Trainer zwar nicht immer leicht, aber wir wollen damit für Nachhaltigkeit stehen. Wir werden in den nächsten Saisonen ein Ausbildungsverein bleiben, der Spieler wie Hinterseer oder Kuen verliert. Aber in drei, vier Jahren wollen wir die finanziellen Möglichkeiten haben, solche Talente zu halten.

LAOLA1: Das klingt nach Aufbruchstimmung in Innsbruck.

Streiter: Absolut. Man hat das auch bei den Testspielen gemerkt. Die Fans gehen diesen Weg mit uns. Sie wollen eine Mannschaft sehen, die auf dem Platz alles gibt. In der Vorbereitung haben wir einige solide Partien gegen starke Gegner absolviert. Immer wieder hat man in Innsbruck vom „Tiroler Weg“ gesprochen, jetzt haben wir in unserem 23-Mann-Kader 15 Tiroler. Das ist auch etwas, mit dem sich das Land identifizieren kann. Solche Dinge wollen wir weiterhin forcieren, wir wollen die Zuschauer aus ihren Tälern locken. Dafür gibt es mehrere Aktionen, wie Freundschaftsspiele in diversen Orten oder die Partie gegen Köln in Kitzbühel. Diesen "Tiroler Weg" wollen wir weiter gehen.

LAOLA1: Letzte Saison waren zwei Spieler vom FC Basel an Wacker ausgeliehen. Wird diese Kooperation fortgesetzt?

Streiter: Wir haben Stjepan Vuleta fix verpflichtet – da ist uns Basel sehr entgegen gekommen. Auch Darko Jevtic hätten wir gerne behalten, aber er hat sich für einen polnischen Champions-League-Teilnehmer (Lech Posen, Anm.) entschieden. Es ist durchaus möglich, dass wir in Zukunft weitere Spieler von Basel holen. Aufgrund der vergangenen Saison haben wir nun exzellente Verbindungen dorthin. Die Schweizer haben mit uns einen Partner, der ihnen die Möglichkeit gibt, junge Spieler nahe der Heimat zu entwickeln. Es ist eine Win-Win-Situation.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber

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