Der LASK und seine Zahlen

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Der LASK geht mit Zahlen an die Öffentlichkeit.

Der Linzer Traditionsverein, dem heuer wie im Vorjahr die Lizenz in erster Instanz verweigert wurde (Begründung und Reaktion), hat seine finanziellen Aufstellungen per Presseaussendung kommuniziert.

Oder wie es in dieser heißt:

"Nachdem der LASK auch dieses Mal wieder in der ersten Instanz keine Lizenz erhalten hat, und möglicherweise ein falscher Eindruck über die Finanzen in der Öffentlichkeit entstanden ist, dürfen wir Sie beiliegend über den Umsatz, die Kosten und die Ertragsentwicklung des LASK informieren."

LAOLA1 hat mehrere Blicke darauf geworfen:

* Besonders möchten wir darauf hinweisen, dass das Eigenkapital zu
großen Teilen durch Kapitaleinlagen der Familie Reichel gestützt wird.
Es liegen diesbezüglich Rangrücktrittserklärungen über EUR 835.000,- vor.


Das sagt der LASK zur Saison 2010/11 (Ist-Vorjahr):

"Der hohe Verlust setzt sich im Wesentlichen aus der Rückstellung Wendel EUR 450.000,- (ein Urteil der ersten Instanz liegt bis heute nicht vor) und Wertberichtigungen der Außenstände im Wert von ca. EUR 500.000,- (der LASK hält diese für einbringlich) zusammen. Der restliche Verlust ist durch einen Sponsorausfall begründet, d.h. operativ wäre das Geschäftsjahr leicht positiv gewesen."

Das sagt LAOLA1 zur Saison 2010/11 (Ist-Vorjahr):

Es war die Saison des zweiten Abstiegs unter Präsident Peter-Michael Reichel. Der LASK geht davon aus, noch 450.000 Euro für Ex-Spieler Wendel (Ausbildungsentschädigung für Corinthians, FIFA-Urteil, Anm.) bezahlen zu müssen. Noch liegt aber kein Urteil vor. Auf der anderen Seite ist Reichel überzeugt ("LASK hält diese für einbringlich"), noch 500.000 Euro zu bekommen - für was, wird offengelassen. Mit dem Sponsorenausfall könnte die "AVE" (600.000 Euro Kürzung, Sommer 2010) oder die "Oberbank" (Ausstieg, Sommer 2011, 375.000 Euro) gemeint sein.

Das sagt der LASK zur Saison 2011/12 (Erwartung):

"Es handelt sich hier auch um ein Übergangsbudget aus der Tipp 3 Bundesliga, wo die Kosten teilweise erst nach einigen Monaten eingestellt werden konnten (z.B. Einhaltung der Kündigungsfristen). Das heißt, die Kosten waren höher als für die Erste Liga Planung notwendig."

Das sagt LAOLA1 zur Saison 2011/12 (Erwartung):

Der LASK spricht das Übergangsbudget an, also von Bundesliga auf Erste Liga. Was eingenommen wurde und was ausgegeben wurde, ist freilich erheblich niedriger als noch in der höchsten Liga ein Jahr zuvor. Dass Einhaltung der Kündigungsfristen hier angeführt wird, ist nach einem Abstieg nicht überraschend. Auch beim LASK nicht, der naturgemäß eine hohe Fluktuation auf dem Spielersektor verzeichnet.

Das sagt der LASK zur Saison 2012/13 (Budget):

"Bei diesen Zahlen handelt es sich um eine Worst Case- Annahme, da die Bundesliga nur zu 100% gesicherte Einnahmen akzeptiert. Wir gehen davon aus, dass wir die Umsätze im Jahr 2012/13 durch neue Sponsorverträge steigern können. Der LASK hat aber übervorsichtig geplant."

Das sagt LAOLA1 zur Saison 2012/13 (Budget):

Der zweite Satz in der LASK-Erklärung, wonach ausgegangen wird "dass wir die Umsätze im Jahr 2012/13 durch neue Sponsorverträge steigern können", ist pure Hoffnung. Zwar haben die Linzer seit zwei Spielen wieder einen Brustsponsor, aber dass "Isi Safe" (Kindersicherung für Fenster und Türen, Anm.) einen umfangreichen Betrag liefert, darf mehr als bezweifelt werden. Zumal der LASK das deutlicher kommuniziert hätte. Es scheint mehr als Signalwirkung für Sponsoring-Interessenten zu dienen. Ob es diese überhaupt gibt, darf ob der verheerenden Außendarstellung aber bezweifelt werden.

Was fällt noch auf? Reichel hatte schon angekündigt, das Budget um 30 Prozent kürzen zu müssen. Vergleicht man Einnahmen und Ausgaben dieser und der kommenden Saison wird das Budget noch mehr gekürzt. Vor allem die Aufwendungen (in erster Linie wohl am Personalsektor) gehen erheblich zurück. Ob dieser Aufwendungs-Rückgang alleine mit der Übergangsaison 2011/12 begründet werden kann, ist aber offen. Generell kann mit diesen Zahlen zu wenig geklärt werden: Mehr Fragen tauchen auf als Antworten gegeben werden können.

 

LAOLA1-Fazit:

Es kommt schon etwas überraschend, dass der LASK - und damit Präsident Reichel - plötzlich Zahlen an die Öffentlichkeit übermittelt. Einblicke in den Chaos-Klub LASK? Vergangene Saison war das etwa nicht der Fall - und auch hier wurde die Lizenz in erster Instanz verweigert. Der Schluss, der vermittelt werden soll, liegt auf der Hand. Das negative Eigenkapital, um das es der Bundesliga im Lizenzierungsverfahren in erster Linie geht, wird - gemäß der Aufstellungen - Jahr für Jahr vermindert. Und das sollen alle wissen.

Selbstredend verweist der LASK - und hinter dieser Presseaussendung steckt natürlich der Klubchef - auf die Kapitaleinlagen der Familie Reichel. "Es liegen diesbezüglich Rangrücktrittserklärungen über EUR 835.000 Euro vor." Heißt: Dieser Beitrag wurde zugeschossen und geht auch nicht an die Familie Reichel zurück, ehe das negative Eigenkapital des LASK abgebaut ist.

Kurzum: Die Präsidentenfamilie ist hier stark involviert. Wer sich einen Rückzug erhofft, dürfte lange warten müssen. In erster Linie geht es aber nun um die Lizenz, bis 10. Mai kann Protest eingelegt werden. Die an die Medien weitergeleiteten Zahlen reichen für das Protestkomitee natürlich bei weitem nicht aus. Doch Reichel agiert - wie immer - mit Kalkül und sei es alleine für die Außenwirkung. Vor allem wenn es um die Lizenz geht - der "Achte-Liga-Scherz" (Kommentar) aus dem vergangenen Jahr ist noch in guter Erinnerung.

 

Bernhard Kastler

Angaben in Tausenden EURO Bugdet Erwartung Ist-Vorjahr
2012/13 2011/12 2010/11
1. Umsatz
- Summe Erträge 1.838 3.434 4.785
2. Kosten
- Summe Aufwendungen 1.522 3.136 5.948
- Zinsen u. ähnl. Aufwendungen 25 27 32
3. Ertrag
- Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 291 271 -1.195
- Eigenkapital zu Beginn der Periode -1.361 -1.632
- Eigenkapital am Ende der Periode *-1.070 -1.361 -1.632
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