"Ein Rückzug ist völlig unvorstellbar"

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Peter-Michael Reichel.

Drei Wörter, die bei vielen Fußball-Freunden großes Unbehagen auslösen. Kaum einer hat mit ihm ein persönliches Problem, doch auf Ebene des LASK kommt er mit kaum jemandem zusammen.

Es geht um den Führungsstil. Der Präsident ist auf Funktionärsebene die Reizfigur schlechthin, wird nicht nur von den eigenen Fans verflucht. Sogar gegnerische Fans äußern sich negativ.

Demonstratives Handeln

Kein Wunder. Der LASK hat es wieder einmal geschafft, steht wieder in den Negativ-Schlagzeilen. Dieses Mal vollbrachte man die Peinlichkeit, als einziger Profi-Klub keine Lizenz zu bekommen.

Während die Mannschaft im Schlager-Spiel der 34. Runde gegen Austria Lustenau (Hier gehts zum Spielbericht) die Titelchance aufrecht erhalten konnte, muss Reichel um die Lizenzerteilung bangen.

Stimmen mehrten sich, dass es dieses Mal für den LASK nicht gut aussehe. Reichel reagierte und ging mit Zahlen an die Öffentlichkeit (Analyse). Demonstrativ. „Wir sind nicht am Ende“, so die Message.

Ob es für die Lizenz reicht, ist eine andere Frage. LAOLA1 stellte dem 59-Jährigen gleich mehrere:

LAOLA1: Nur der LASK hat die Lizenz nicht. Inwieweit ist das peinlich?

Peter-Michael Reichel: Das ist natürlich sehr unangenehm, wir ärgern uns sehr darüber. Man hat aber richtig gehandelt, wenn man es so sehen will, denn wir haben nicht auftragsgemäß berichtet. Es gab Fragen aus dem Vorjahr, die seitens des (externen) Prüfers nicht ausreichend beantwortet wurden. Es wurde der mehrjährige Plan für den Abbau des negativen Eigenkapitals verlangt. Das war der formelle Ansatz, uns keine Lizenz zu geben. Es ist traurig, dass wir wegen solchen Formalitäten gescheitert sind. Denn die Sicherheit des Budgets 2012/13 haben wir sehr wohl dokumentiert.

LAOLA1: Sind Ihnen und dem LASK dahingehend Fehler unterlaufen?

Reichel: Wir haben vergangenes Jahr in zweiter Instanz die Lizenz mit bestimmten Aufträgen erhalten, die wir im Laufe des Jahres erfüllt haben. Aber es wurde erwartet, dass wir jetzt wieder in die Zukunft blicken, nicht nur auf das Jahr 2012/13. Das war mangelhaft. Das sind aber externe Berichte, die nicht der LASK macht, sondern von externen Prüfern gemacht werden. Es war auch ein wenig ein Missverständnis. Es wurde erwartet, drei Jahre in die Zukunft zu schauen. Sie wissen, wie schwierig das ist: Man weiß nicht, in welcher Liga man spielt, noch welche Einnahmen wir haben.

LAOLA1: Hätten Sie vor der Abgabe aber nicht noch einmal alles durchgehen sollen?

Reichel: Es hätte uns auch selbst auffallen können, das ist richtig.

LAOLA1: Ihre Erklärungen lassen vermuten, dass die neuerliche Lizenzerteilung ein Formalakt wäre. Andere Stimmen sagen was anderes. Wie sicher bekommt der LASK die Lizenz?

Reichel: Das dürfen Sie mich nicht fragen, das ist nicht meine Entscheidung. Diese trifft die zweite Instanz und ich kann den Herrschaften ja nicht sagen, was sie tun sollen.

LAOLA1: Haben Sie ein Gefühl? Schließlich haben Sie das schon zwei Mal mitgemacht.

Reichel: Dass es 2003 eine Fehlentscheidung war, haben die 3:0-Stimmen beim Schiedsgericht bestätigt. Im Vorjahr konnten wir es dementsprechend aufklären und haben sie bekommen. Natürlich sind wir optimistisch, dass wir es auch dieses Mal wieder schaffen.

LAOLA1: Sie haben am Donnerstag per Presseaussendung die Zahlen des LASK ausgeschickt.

Reichel: Ja, es ist ein wenig der Eindruck entstanden, dass der LASK am Ende und pleite wäre. Deswegen haben wir die Zahlen offengelegt.

LAOLA1: Fakt ist ein negatives Eigenkapital von 1,632 Millionen Euro.

Reichel: Negatives Eigenkapital gibt es beim LASK seit den 90er Jahren. Das ist keine neue Situation.

LAOLA1: Aber Sie wollen es wohl endlich abbauen.

Reichel: Das ist unser Ziel. Wir waren schon auf einem guten Weg, nur leider hat uns die Verlustsaison 2010/11 einen Rückschlag versetzt. Heuer werden wir wieder Gewinn machen. Das wollen wir auch in den nächsten Jahren, um es solide abzubauen. Wir haben dem LASK 835.000 Euro geborgt. Diese Forderung gegenüber dem LASK ist die letzte, die bezahlt wird.

LAOLA1: Einnahmen und Ausgaben gehen Ihrem Budget 2012/13 zufolge deutlich zurück. Ist es mehr als die von Ihnen angekündigte dreißigprozentige Reduktion?

Reichel: Das war ein Worst-Case-Szenario. Damit die Bundesliga nicht sagen kann, wir planen unvorsichtig, haben wir nur die Einnahmen angesetzt, die zu 100 Prozent fix sind. Wir haben natürlich mehr Einnahmen geplant. Die Ausgaben haben teilweise mit dem Übergangsjahr von Bundesliga auf Erste Liga und gewissen Fristen zu tun. Jetzt haben wir eine völlig neue Kostenbasis, die uns ermöglicht, auch mit einem wesentlich kleineren Budget zu spielen. Allerdings haben wir auch wegen der Kalkulation beim Spielerkader einige Positionen mit Nachwuchsspielern neu besetzt.

LAOLA1: Sie haben in Ihrer Aussendung auch geschrieben, Sie würden hoffen, die Einnahmen durch neue Sponsoreneingänge zu verbessern. Wenn ich ein möglicher Sponsor wäre, wie würden Sie mich überzeugen, aktuell beim LASK - der als einziger heimischer Profiklub keine Lizenz hat - einzusteigen?

Reichel: Ich würde Ihnen sämtliche Unterlagen zur Verfügung stellen und Ihnen zeigen, was Tatsache ist. Das schaut sehr gut aus.

LAOLA1: Haben Sie aktuell konkrete Gespräche mit Sponsoren?

Reichel: Natürlich, die ganze Zeit.

LAOLA1: Was darf dahingehend erhofft werden?

Reichel: Wir bieten eben die mediale Reichweite, die der LASK als einer der Topklubs in Österreich hat, an und gehen davon aus, dass wir ziemlich schnell reüssieren werden können. Wie Sie wissen, bemühen wir uns seit vielen Jahren und der LASK hat schon lange keinen Hauptsponsor, der die Marke entsprechend verteilt. Wir sind ja in allen Studien nach wie vor der Top-5-Klub in Österreich.

LAOLA1: Worauf führen Sie dann aber zurück, dass keiner diese Marke für sich nützen will?

Reichel: Das ist mir bis jetzt unerklärlich. Deswegen bin ich vor zwölf Jahren eingestiegen, denn das ist dem LASK ja schon in den Achtzigern nicht gelungen, dass man aus der starken Wirtschaftskraft heraus einen Sponsor findet. Wir haben mit sehr viel Eigenkapital 2000 den Klub gerettet.

LAOLA1: Warum konnten Sie Sponsoren wie „AVE“ und „Oberbank“ nicht halten?

Reichel: Das müssen Sie die Sponsoren fragen.

LAOLA1: Haben Sie keine Erklärung für sich persönlich?

Reichel: Habe ich nicht, nein.

LAOLA1: Wie lautet der Plan B bei einer Lizenzverweigerung in zweiter und dritter Instanz?

Reichel: Der LASK wird sich immer auf die Situation einstellen, in der er sich befindet. Er wird seit zwölf Jahren so geführt, dass er immer wirtschaftlich überleben kann, was vorher nicht der Fall war. Ganz egal in welcher Liga. Sie erinnern sich vielleicht an meine provokante Aussage vergangenes Jahr, wonach man den LASK von ganz unten neu aufbauen müsse. Das war sehr provokant von mir (lacht). Wir mussten aber feststellen, dass Leute im eigenen Klub Störfaktor waren.

LAOLA1: Sie haben es als Scherz abgetan.

Reichel: Natürlich meint man so etwas nicht so ernst, aber irgendwann muss man die Situation bereinigen und die Möglichkeit schaffen, dass ein wichtiger, heimischer Klub in Ruhe arbeiten kann.

LAOLA1: Würden Sie solch ein Szenario immer noch nicht ganz ausschließen?

Reichel: Wenn wir keine Lizenz bekommen, was nicht in meiner Hand liegt, dann entscheidet der Landesfußballverband, wo man sich einordnen muss.

LAOLA1: Das wäre im Normalfall die Regionalliga. Gehen Sie auch davon aus?

Reichel: Ich sage gar nichts zu etwas, was ich nicht beeinflussen kann. Dann würde man mir das sofort wieder als Fehlaussage auslegen.

LAOLA1: Viele Fans würden den Lizenzentzug in Kauf nehmen, wenn Sie sich zurückziehen würden.

Reichel: Das ist völlig unvorstellbar und vor allem ist es ja belustigend, denn es gab ja damals niemanden, der sich dem Klub angenommen hat. Hätten wir ihn nicht gerettet, gäbe es ihn nicht mehr und es ist erstaunlich, dass es immer wieder Leute gibt, die das nicht verstehen wollen.

LAOLA1: Sie wollen mit dem LASK zurück in die Bundesliga und im Vorderfeld mitspielen, es gibt aber immer wieder Rückschläge. Worauf bauen Sie die Hoffnung, dass das doch noch einmal klappt?

Reichel: Fußball ist Sport und damit immer ein Auf und Ab. Man wird nie immer erfolgreich sein, dafür gibt es auch andere Beispiele. Das ist normal. Und es ist ja schöner, wenn wir jetzt einmal an der Spitze der zweiten Liga spielen, als jahrelang gegen den Abstieg in der Bundesliga, weil wir uns den Betrieb in dieser Form halt nicht leisten können wie unsere Mitbewerber.

LAOLA1: Ried kommt aus demselben Bundesland und gehört mittlerweile zu den Top-5-Teams in Österreich, ist aber eine 12.000-Einwohner-Stadt.

Reichel: Machen Sie einmal einen Vergleich hinsichtlich der Voraussetzungen in Ried und in Linz, dann werden sie zum Schluss kommen, dass der LASK nicht konkurrenzfähig ist.

LAOLA1: Mattersburg, Kapfenberg detto?

Reichel: Haben Sie einmal die Zahlen studiert, die Kapfenberg offen gelegt hat?

LAOLA1: Nein.

Reichel: Beim KSV können Sie sich alles anschauen und da sehen Sie, dass der LASK vergangenes Jahr einfach Letzter werden musste, weil wir mit Abstand am wenigsten Budget hatten. Es ist erstaunlich, wie viel Geld Mattersburg zur Verfügung hat, nämlich ein Budget von über zehn Millionen Euro.

LAOLA1: Könnte das nicht irgendetwas mit Sympathie gegenüber einem Klub zu tun haben?

Reichel: Das ist das Traurige, dass sich hinter dem LASK seit Mitte der Achtziger Jahre nicht alle aufstellen und versuchen, einen Klub zu ermöglichen, der auch konsequent an der Spitze spielt. Das ist ja mein Zugang vor zwölf Jahren gewesen, deswegen sind wir überhaupt eingestiegen. Der LASK war nach der Ära Rudolf Trainer 1989 in finanziellen Schwierigkeiten, ist damals auch abgestiegen. Dann in Problemen 91/92, 93, 94, 95, nach der Ära Rieger 1998 und wieder 2000. Das sind sechs - de facto Pleiten - in elf Jahren. Und ich muss ehrlich sagen, da sind wir schon ein wenig stolz, was wir seither an Überleben ermöglicht haben, allerdings auch mit viel eigenem Geld.

LAOLA1: Vergangenes Jahr hätten Sie die Chance gehabt, Ihre Anteile am LASK an ein Konsortium zu verkaufen, Sie hätten sich aber kurzerhand dagegen entschieden.

Reichel: Ich habe mich zu gar nichts entschieden. Es ist an mich persönlich noch nie etwas herangetragen worden, ich weiß alles nur aus indirekten Quellen, Medien etc. und deswegen kann ich das alles nicht wirklich beurteilen. Ich habe noch nie ein Angebot bekommen.

LAOLA1: Angenommen, es würde jemand an Sie herantreten: Wäre ein Rückzug eine Option?

Reichel: Ich habe immer gesagt, dass jeder beim LASK so viel zu reden hat, wie er finanziert. Wenn jemand um einen Euro mehr investiert als ich, dann hat er um einen Euro mehr zu reden. Das ist ganz normales Gesellschaftsrecht.

LAOLA1: Sie würden auch beim Verein bleiben, sollte ein Investor einsteigen?

Reichel: Wenn es einen weiteren Fall Stronach oder Mateschitz gibt und jemand langfristig sicherstellt, dass der Klub etwas zusammenbringen kann und nicht in drei Jahren wieder vor dem Ende steht, dann würden wir uns sicher arrangieren. Aber unser strategisches Ziel war immer, in Oberösterreich eine Gemeinschaft zwischen Wirtschaft, Politik und Sport zu bilden.

LAOLA1: Haben Sie das Gefühl, mächtige Personen in Oberösterreich wollen Sie erfolglos sehen?

Reichel: Das würde ich mir nicht erklären können. Tatsache ist, dass das Sportinteresse in Oberösterreich nicht sehr groß ist. Sonst hätte man ein EM-Stadion gebaut. Aber auch hier war zwischen Land und Stadt kein Konsens zu finden.

LAOLA1: Auf der anderen Seite stellt Oberösterreich mit den Black Wings Linz den aktuellen Meister im Eishockey, der zweitpopulärsten Teamsportart im Land.

Reichel: Da gibt es auch eine super Truppe mit mehreren Unternehmen, die das gemeinsam finanzieren und einen tollen Job machen. Deswegen sind sie auch verdient Meister geworden. Ich würde mir wünschen, dass sich beim LASK mehrere oberösterreichische Unternehmen engagieren.

LAOLA1: Wird sich das noch ändern?

Reichel: Ich bin überzeugt davon, es wird aber möglicherweise noch zwei bis drei Jahre dauern.

LAOLA1: ÖFB-Präsident Leo Windtner ist dem LASK verbunden, Ihr Verhältnis ist aber kein gutes.

Reichel: Das Verhältnis ist nicht besonders nahe. Wir kannten uns vorher praktisch nicht. Ich habe ihn mehrmals darauf angesprochen, ob es nicht sinnvoll wäre, gemeinsam einen möglichst starken LASK zu bilden. Ein Ergebnis hat das Gespräch aber bis dato nicht gebracht. Möglicherweise scheitert es an der Entscheidung, wer was zu sagen hat.

LAOLA1: Es gibt beim LASK nicht nur bei Spielern und Trainern eine hohe Fluktuation, auch bei den Mitarbeitern. Viele meinten im Nachhinein, man könne mit Ihnen nicht zusammenarbeiten.

Reichel: Das ist unqualifiziert, aber es wird jeder sein Motiv dafür haben. Bei vielen geht es immer darum, im Sport mitreden zu wollen, aber gleichzeitig die notwendige administrative oder Vermarktungstätigkeit nicht zustande bringen. Das ist die wichtigste Seite überhaupt, ich muss erst eine wirtschaftliche Basis schaffen, damit ich in den Sport investieren kann. Leute, die beim Klub mitreden und Geld ausgeben wollen, gibt es genug. Aber wir brauchen Leute, die Geld auftreiben.

LAOLA1: Sie werden bald 60. An Pension denken Sie wohl nicht.

Reichel: Ich gehe sicher nicht in Pension, ich bin Unternehmer. Wir sind in allen Generationen immer eine Unternehmer-Familie gewesen und wir kennen nur Arbeit. Ich wollte beim LASK eigentlich nicht operativ einsteigen, ich bin nur aus Kostengründen eingesprungen, um eine möglicherweise teure Führungsposition einzusparen und das Geld mehr in den Kader zu investieren. Deswegen habe ich das jetzt in all den Jahren gemacht und werde es so lange machen, so lange sich keine andere Lösung ergibt. Unser Wunschmodell ist jenes wie bei Sturm oder Austria, dass wir als Investoren im Aufsichtsrat sitzen, es einen Vieraugen-Vorstand gibt, kaufmännisch und sportlich verantwortlich.

LAOLA1: Davon ist man aktuell weit entfernt.

Reichel: Ja, das würde sich ändern, wenn es einen Hauptsponsor und für uns die Bundesliga wieder gibt. Oder neue Investoren.

LAOLA1: In der Bundesliga-Zeit tat sich die Chance auch nicht auf?

Reichel: Es ist bedauerlich, dass wir das nicht geschafft haben. Ich glaube, dass das Verpassen des UEFA-Cup-Platzes 2008 der Scheideweg war. Da waren wir auf einem guten Weg, da hat uns die Austria leider während der Saison den Trainer (Karl Daxbacher, Anm.) weggebaggert. Das hat natürlich schon sehr gestört.

LAOLA1: Wollten Sie schon jemals gänzlich den Hut draufwerfen?

Reichel: Nein, das habe ich noch nie gesagt. Ich habe mich nur immer darüber geärgert, dass ich mich vor zwölf Jahren etwas naiv weichschlagen habe lassen, es zu machen. Weil wenn ich gewusst hätte, was alles von dem, was mir in Aussicht gestellt wurde, in der Folge nicht passiert, dann hätte ich es nicht gemacht.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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