Klaus Schmidt zuversichtlich vor der neuen Saison

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Der Abstiegs-Thriller aus der Vorsaison ist abgehakt, beim FC Wacker Innsbruck richten sich alle Blicke auf die neue Saison.

In knapp einem Monat startet die Erste Liga in die neue Spielzeit, diesmal möchte der Tiroler Traditionsverein allerdings nicht bis zum Schluss zittern. Ideal verläuft die Vorbereitung bislang allerdings nicht.

Sportdirektor Florian Klausner wurde entlassen, ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Auch bei der Kaderplanung herrscht noch wenig Sicherheit, der Vorstand soll aus finanziellen Gründen sogar einen Transfer-Stopp eingeleitet haben.

Bislang stehen als Zugänge nur Thomas Pichlmann (Grosseto), der junge Michael Lercher (Werder Bremen) und Christoph Freitag (wr. Neustadt) den Abgängen von Thomas Bergmann (SV Ried), Christian Schilling (Altach), Davidson Drobo-Ampem, Peter Hlinka, Ralph Spirk und Stjepan Vuleta gegenüber.

Trainer Klaus Schmidt zeigt sich im Gespräch mit LAOLA1 noch durchaus entspannt, wenngleich er mahnt: „Wenn wir in zwei Wochen immer noch so dastehen, dann kann man sorgenvoller in die Zukunft blicken.“

LAOLA1: In einem Monat beginnt die neue Saison. Beim Kader gibt es noch einige Fragezeichen und zwischenzeitlich war sogar von einem Transfer-Stopp die Rede. Läuft die Zeit davon?

Schmidt: Es ist momentan so, dass wir auf der Suche nach Spielern sind, Spieler gesichtet haben und jetzt warten wir auf die Absegnung des Vorstands. Ich glaube schon, dass noch weitere Neuzugänge kommen werden.

LAOLA1: Ohne weitere Neuzugänge könnte erneut eine sehr schwierige Saison auf euch warten…

Schmidt: Es hängt davon ab, um welches Saisonziel wir spielen. Sobald wir unsere Kaderplanung abgeschlossen haben, werden wir uns orientieren, in welche Richtung die Saison geht. Daher sprechen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon, dass wir Spieler verpflichten müssen. Wir haben einen Kader, der uns sicher ermöglicht, dass wir die Liga halten können.

LAOLA1: Der Admiraner Daniel Rosenbichler (19/rechter Verteidiger, Anm.) scheint ein ziemlich heißes Thema zu sein.

Schmidt: Er war bei uns auf Probetraining, ist aber ziemlich müde, da er nach den vier Spielen bei der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland noch Erholung braucht. Das müssen wir uns noch überlegen.

LAOLA1: Bislang schlug man dreimal am Transfermarkt zu. Michael Lercher, Thomas Pichlmann und Christoph Freitag wurden verpflichtet. Wie ist der erste Eindruck der Neuen?

Schmidt: Pichlmann ist ein erfahrener Spieler, der seine Qualitäten hat. Er bringt sich super ins Team ein und soll auch eine Leader-Position einnehmen. Lercher ist noch ein junger Spieler, der sich aber hervorragend macht und sehr engagiert ist. Wobei in der ersten Trainingswoche noch jeder Spieler gut ist. Und Freitag ist ein wendiger, technisch versierter Mittelfeldspieler, kann Bälle aus der Tiefe verteilen und das Spiel schnell machen.

LAOLA1: Lercher war bei Werder Bremen nur in den Nachwuchs-Teams im Einsatz. Ist er bereit für den Profi-Fußball?

Schmidt: Das kann man noch nicht sagen. Wir haben noch kein Vorbereitungs-Spiel gehabt, danach wird man mehr wissen. Im Training schlägt er sich gegen seine Mitspieler, die Bundesliga-Erfahrung haben, sehr passabel.

LAOLA1: Mit Pichlmann hat man einen klassischen Strafraum-Stürmer verpflichtet. In den letzten Jahren spielte der FC Wacker meist mit schnellen Stürmern, wie beispielsweise Roman Wallner oder Alexander Gründler. Muss man das System auf Pichlmann anpassen?

Schmidt: Ich glaube nicht, dass man mit Pichlmann die Taktik so auslegen muss, dass man ständig überlegen ist. Er hat auch bei Wr. Neustadt seine Tore gemacht und die waren auch keine Mannschaft, die andere Teams eingeengt hat. Mit Gründler haben wir immer noch einen schnellen Spieler, dadurch sind wir sehr variabel aufgestellt. Wir haben im Vorjahr sehr viele Chancen liegen gelassen, also können wir Pichlmann sicher in Szene setzen.

LAOLA1: Mit Bergmann und Schilling hat eines der besten Außenverteidigungs-Duos der Liga den Verein verlassen. Kann man diese beiden Spieler eins zu eins ersetzen?

Schmidt ist voller Lob für Rechtsverteidiger und Neo-Rieder Bergmann

Schmidt: Wir haben DAS beste Außenverteidigungs-Duo verloren. Von der Persönlichkeit, der Einstellung sowie der Qualität der Spieler her. Sonst wären sie auch nicht in die Bundesliga gegangen. Jetzt müssen andere in diese Rolle springen. Man wird sehen, ob wir diese Positionen von heute auf morgen eins zu eins ersetzen können.

LAOLA1: Auf welchen Positionen besteht noch dringender Handlungsbedarf?

Schmidt: Wenn es das Budget zulässt, hoffen wir noch einen schnellen Flügelspieler zu finden, der Torgefahr ausstrahlt und ein sehr gutes Flankenspiel hat.

LAOLA1: In Tirol will man seit einigen Jahren vermehrt auf die eigene Jugend setzen. Wäre nicht jetzt der ideale Zeitpunkt, den Sprung in die Kampfmannschaft zu schaffen?

Schmidt: Wir haben Rami Tekir und Michael Augustin von den Amateuren hochgezogen, da wird man erst sehen, wie die Burschen die Umstellung von der Regionalliga schaffen. Dominik Popp und Simon Pirkl (fällt mit Kreuzbandriss mindestens bis November aus, Anm.) haben letztes Jahr schon hineingeschnuppert, da erwarte ich mir den nächsten Schritt. Es liegt letztlich an den Spielern selbst, diesen zu machen. Ich hoffe natürlich, dass uns so viele Talente wie möglich weiterhelfen.

LAOLA1: Nach der Entlassung von Florian Klausner ist der FC Wacker auf der Suche nach einem Sportdirektor, Ali Hörtnagl gilt als Wunschkandidat. Inwieweit sind Sie in diese Entscheidung involviert?

Schmidt: Das ist eine Frage für das Präsidium, das ist nicht meine Baustelle. Ich bin der Trainer und nicht der Vorstand, da sind andere Leute gefragt.

LAOLA1: Bis jemand dieses Amt übernimmt, müssen Sie mit der Doppelbelastung Trainer/Sportdirektor klar kommen.

Schmidt: Nein. Wir haben Spieler schon relativ lange vorsondiert und sind gut vorbereitet auf diese Situation. Diese Arbeit haben wir im Frühjahr schon so gut wie möglich gemacht, jetzt muss jeder seinen Teil beitragen. Natürlich wäre es fein, wenn es einen Sportdirektor geben würde, aber ich bin nicht überbelastet. Es ist auch erst der 25. Juni, manche Mannschaften haben vor wenigen Tagen erst mit dem Training begonnen und haben die Kaderplanungen sicherlich auch noch nicht abgeschlossen. Wenn wir in zwei Wochen immer noch so dastehen und wir uns nicht weiterentwickelt haben, dann kann man sorgenvoller in die Zukunft blicken.

LAOLA1: Die Liga ist gespickt mit Traditionsklubs. Ist die Erste Liga attraktiver als die Bundesliga?

Schmidt: Mich freut es besonders, dass Austria Salzburg den Sprung in die Liga geschafft hat. Das werden sicher interessante West-Derbys, zumal ich doch eine Vergangenheit bei diesem Verein habe. Auch Austria Klagenfurt tut dem Profi-Fußball gut. Der LASK kristallisiert sich als Titel-Favorit heraus. Diese Vereine haben natürlich ein großes Zuschauer-Potential und ich kann mir gut vorstellen, dass die Linzer Gugl einige Male gut besucht ist und auch viele Zuseher zu Auswärtsspielen mitfahren. Ich freue mich sehr, dass die Situation so aussieht.

LAOLA1: Wird das Tivoli auch wieder voller werden?

Schmidt: Wir haben durch den dramatischen Schluss im letzten Jahr Werbung für den Fußball in Tirol gemacht. Die Fans sind interessiert und wir müssen die Euphorie über den Klassenerhalt mitnehmen.

 

Das Gespräch führte Julian Saxer

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