Zunächst Licht, dann Schatten

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"Bei der Hösche ist er nicht mehr wegzudenken"

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Fast zwei Jahre nach seinem gescheiterten Engagement bei Austria Wien ist Ivica Vastic zurück im Profifußball.

Als Trainer des SV Mattersburg soll der 44-Jährige die Burgenländer langfristig zurück in die Bundesliga führen. Sein erstes Heimspiel in der Ersten Liga hatte aber neben Licht auch Schatten zu bieten.

LAOLA1 schaute „Ivo“ bei seinem Debüt beim 2:2 gegen den SV Horn genau auf die Finger.

Vastic, der Kumpeltyp

Bei seiner Mannschaft ist Vastic durchwegs positiv aufgenommen worden.

„Bei der Hösche ist er nicht mehr wegzudenken“, lässt SVM-Mittelfeldspieler Alois Höller mit einem Lächeln im Gesicht keine Zweifel an der Aktivität seines neuen Trainers aufkommen.

Darin, dass einige seiner Mitspieler noch gegen ihren jetzigen Coach gespielt haben, sieht Höller kein Problem: „Am Anfang ist das vielleicht ein komisches Gefühl gewesen, aber das hat sich ziemlich schnell gelegt.“

„Für uns junge Spieler ist er ein Vorbild. Wir haben ihn selber noch im Fernsehen gesehen“, freut sich auch Kapitän Patrick Farkas über die Zusammenarbeit.

Vastic, der Beobachter

Beim Aufwärmen seiner Mannschaft hält sich Vastic noch zurück und lässt sein Team vor der wichtigen Partie gegen die zwei Punkte hinter Mattersburg liegenden Horner in Ruhe arbeiten.

„Er spielt bei den Trainings manchmal selber noch mit, ist ein sehr lockerer Typ. Mit den Spielern redet er viel“, will Farkas von möglichen Start-Schwierigkeiten nichts wissen.

Lediglich beim Torabschluss, der Spezialdisziplin des 199-fachen Bundesliga-Torschützen, meldet sich Vastic vor dem Spiel zu Wort und gibt seinen Offensivkräften die vielleicht entscheidenden Ratschläge mit auf den Weg.

Vastic fiebert bei seinem Debüt mit

Vastic, der Dirigent

Impulsiver wird der gebürtige Kroate dann mit dem Spielbeginn. Zuerst noch mit zögerlichen Klatscheinheiten steigert sich sein Körpereinsatz aber von Minute zu Minute.

Man hat das Gefühl, als würde er dem Ball selbst gerne noch hinterherjagen, bis es Schiedsrichter Lechner in einer Aktion schließlich zu viel wird.

„Ich glaube, Horn hat den Ball zweimal ganz klar mit der Hand gespielt und es wurde nicht gepfiffen. Da hat er gedacht, er muss mich verwarnen“, schmunzelt der „Krone“-Fußballer des Jahres von 1999 über die Szene.

Dem Publikum im Pappelstadion aber gefällt das Auftreten ihres prominenten Neuzugangs. Der Funke scheint übergesprungen. Die ersten „Ivo Vastic“-Sprechchöre ertönen – es sollten vorerst die letzten bleiben.

„Sprechchöre sind natürlich schön, aber wir brauchen Ergebnisse. Ich bin erst kurz da und ich hoffe, dass wir noch viel Freude haben werden“, kennt Vastic die Wankelmütigkeit im harten Alltag des Profifußballs.

Vastic, der Warnende

Das 1:0 durch Alois Höller wirkt auf den Neo-Coach erlösend. Die Mattersburger Bank klatscht unisono mit dem 50-fachen ÖFB-Nationalspieler ab. Es war der erste Schritt zum besagten Ergebnis.

Den zweiten Schritt macht Ingo Klemen noch vor der Halbzeit. Diesmal reagiert der Betreuer-Stab natürlich glücklich, aber gefasster. Nur wenige trauen der einstigen Heim-Macht Mattersburg zu, einen solchen Vorsprung zu verspielen.

„Aber wenn der Gegner das Anschlusstor macht, bekommt er die zweite Luft“, kennt der frühere Bundesliga-Routinier Vastic auch die Tücken einer komfortablen Halbzeitführung.

Ingo Klemen wird von Marco Salvatore gejagt.

Vastic, der Ratlose

Die zweite Spielhälfte läuft schließlich völlig konträr ab. Der SV Mattersburg kommt in keiner Sekunde ins Spiel. Ein verwandelter Elfmeter von Marco Sahanek wendet das Blatt endgültig.

Es scheint fast, als würde sich Vastic wie im falschen Film fühlen. Erinnerungen an sein Engagement bei der Wiener Austria werden wach.

„Ich habe die Mannschaft gewarnt, dass ein 2:0 immer das gefährlichste Ergebnis ist. Es kann schnell in die andere Richtung gehen, wenn man nicht 100% bei der Sache ist“, glaubte Vastic in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben.

Keiner seiner Wechsel zeigt einen Einfluss auf das Spielgeschehen. Der Ausgleich vom SV Horn macht die Verzweiflung auf Seiten der Burgenländer dann perfekt. Joker Bernd Gschweidl sichert den Gästen in der 86. Minute den Punktgewinn.

Vastic, der Behütete

Die Mannschaft stellt sich nach der Partie hinter ihren Trainer. Niemand will die Halbzeit-Warnung überhört haben.

„Wir haben es zu leicht genommen. Mit dem Vorsprung hat jeder geglaubt, es ist 'eh nur' Horn und es geht von alleine", übt Torschütze Alois Höller deftige Selbstkritik.

Mit nunmehr 40 Gegentoren hat Mattersburg weiterhin die zweitschlechteste Abwehr der Liga. Der Glaube an die Vorgaben von Österreichs einzigem Euro-2008-Torschützen bleibt bei den Spielern weiter bestehen.

"Er hat seine eigene taktische Philosophie. Aber das wird intern besprochen. Der Guardiola verrät seine Tricks auch nicht", fasst Höller zusammen.

Bleibt für den SV Mattersburg zu hoffen, dass die taktische Philosophie bald greift. Nächsten Freitag wartet auf Ivica Vastic und seine Mannschaft mit dem Tabellenzweiten aus Kapfenberg ein echter Härtetest.


Niki Riss

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