"Lustenau ist eine eigene Liga in der Liga"

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„Nein“, antwortet Alfred Tatar auf die Frage, ob er mit einer Mannschaft schon einmal zu Hause 0:5 verloren hätte. So musste sich der Vienna-Trainer am Freitag über eine Premiere ärgern.

Doch der Ärger und die Enttäuschung hielten sich in Grenzen. Zu groß war der Qualitätsunterschied zwischen dem Neunten und dem ungeschlagenen Tabellenführer der Ersten Liga, Austria Lustenau.

„Ich bin nicht riesig enttäuscht, aber ich werde der Mannschaft genau sagen, wo der Hebel anzusetzen ist“, hielt Tatar nach den 90 Minuten auf der Hohen Warte fest.

„Das war auf jeden Fall ein Qualitätsunterschied“

Für den 49-Jährigen spielte auch der Spielverlauf eine entscheidende Rolle.

„Zum einen: Wir haben aus Standardsituationen schnell zwei Tore bekommen. Zum anderen: Wir haben die Chance, uns am Leben zu erhalten, kurz vor der Pause nicht realisiert. In der Pause haben wir umgestellt und mit drei Verteidigern riskiert. Das ist relativ schnell in die Binsen gegangen. Danach war es ein Schaulaufen“, resümierte Tatar in aller Ruhe.

„Wir können 0:5 gegen Austria Lustenau verlieren, selbst im eigenen Stadion, wenn man berücksichtigt, wie schnell es zum 0:2 gekommen ist. Sie haben dann spielerisch enorme Qualitäten, um niemals ins Trudeln zu geraten.“

Sein Ersatz-Kapitän Jochen Fallmann, der ab der Pause die Schleife des angeschlagenen Ernst Dospel (Sehne) übernahm, sah einen eklatanten Klassenunterschied.

„Das war auf jeden Fall ein Qualitätsunterschied, sie waren heute zwei bis drei Klassen besser.“

Oder wie es Tatar ausdrücken würde: „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass Austria Lustenau in der Liga eine eigene Liga ist. Deswegen werden wir uns nicht an ihnen orientieren, sondern an unseren wirklichen Gegnern.“

„Lustenau wird vielleicht ungeschlagen Meister“

Diese spielten am Freitag teilweise für die Vienna. Schlusslicht Blau-Weiß Linz, das nach einem Viertel weiterhin ohne Sieg ist, kassierte zu Hause ein 1:3 gegen Grödig, FC Lustenau ein 1:2 gegen Horn.

So konnte Tatar die deftige Heimblamage wie folgt einordnen: „Ich fange nicht an, mir mit dem 0:5 ein Grab zu schaufeln. Das wäre lächerlich. Ich gratuliere der Austria, sie werden Meister, vielleicht sogar ungeschlagen.“

0:5 sei wie 0:1, null Punkte, merkte der Vienna-Coach an. Nichtsdestoweniger wird die Mannschaft noch etwas zu hören bekommen, schließlich konnte Tatar nicht alles auf die Qualität schieben.

„Nun lachen sie und wir haben Schmerzen“

„Wir haben im physischen Zweikampf immer den Kürzeren gezogen. Das ist etwas, was mir weh tut. Denn wenn man im eigenen Stadion 0:5 verliert, dann muss der Gegner im Autobus sitzen und elf Spieler sagen, dass sie Schmerzen haben. Nun lachen sie und wir haben die Schmerzen. Das ist etwas, was mir heute an meiner Mannschaft missfallen hat.“

Während Tatar für alles eine Antwort parat zu haben schien, wirkten die Spieler nach dem Heim-Debakel schon deutlich mehr ratlos und sprachen auch selbst mangelnde Qualität an.

Nach einem Viertel belegen die (wieder einmal) neu zusammengewürfelten Blau-Gelben einen Punkt vor BW Linz Platz neun, den alten bekannten Relegationsrang.

Genügend Zeit bleibt den Wienern, um die Situation zu verbessern. Doch nach dem 0:5 ist auch klar: Es wartet weiterhin sehr viel Arbeit.

 

Bernhard Kastler

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