St. Pöltens Trainersuche: Daxbacher ziert sich

Aufmacherbild

„Unser absoluter Wunschkandidat ist Karl Daxbacher.“

Frenkie Schinkels lässt keinen Zweifel daran, wen der SKN St. Pölten gerne als neuen Trainer verpflichten würde.

„Karl bringt sehr viel Routine mit und ist ein Top-Trainer. Noch dazu kommt er aus der Region, das ist immer wichtig“, begründet der Sportdirektor der „Wölfe“ seine Auswahl. Gespräche mit dem 61-Jährigen hätte es schon gegeben und sollen in der nächsten Woche fortgesetzt werden.

Daxbacher ist der logische Anwärter. Er kennt die Liga, er kennt den Verein und auch die Fans fordern mit einer Facebook-Petition seine Anstellung. Die Sache hat jedoch einen Haken: Der Wunschkandidat ziert sich.

„Strebe Vertragsauflösung nicht an“

„Das Interesse freut mich natürlich. Aber ich habe mir Bedenkzeit erbeten, immerhin bin ich noch bis 1. Juni beim LASK unter Vertrag“, sagt der erst Mitte März beurlaubte Ex-Coach der Linzer gegenüber LAOLA1.

Sein noch laufender Kontrakt sollte eigentlich kein Problem darstellen. Vorzeitige Vertragsauflösungen sind in der Branche üblich. Wäre das nicht auch für Daxbacher eine Möglichkeit?

„Das wäre denkbar, aber grundsätzlich strebe ich das nicht an“, spricht der ehemalige Austria-Coach Klartext. Nach seiner etwas überraschenden Entlassung in Linz scheint er sich nicht gleich wieder zurück ins Trainergeschäft stürzen zu wollen.

„Der Abstiegskampf wäre für mich auch nicht unbedingt der ideale Einstieg“, begründet Daxbacher, der beim SKN bereits von 2000 bis 2002 auf der Trainerbank saß.

Daxbacher weiß um das Risiko

„Damals sind wir zwei Mal Meister geworden. Das war der Wiederbeginn nach dem Konkurs. Natürlich wäre eine Rückkehr reizvoll für mich. St. Pölten ist ein interessanter Klub“, gibt sich der 61-Jährige, der nur 20 Auto-Minuten von der NV Arena entfernt wohnt, zwiegespalten.

Nach dem Vertragsende in Linz wolle er auf jeden Fall wieder als Trainer arbeiten. Dass St. Pölten bis dahin auch einen anderen Trainer finden könnte, weiß Daxbacher: „Dieses Risiko muss man eingehen.“

Mögliche Alternative: Pfeifenberger

Schinkels wird also sein ganzes rhetorisches Geschick benötigen, um seinen Wunschkandidaten doch noch zum angestrebten Zweijahres-Vertrag zu überreden.

Ansonsten bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder die Interimstrainer Jochen Fallmann und Thomas Nentwich machen die Saison noch fertig, damit danach Daxbacher übernimmt oder St. Pölten sieht sich überhaupt nach Alternativen um.

Pfeifenberger, Pacult, Schöttel, Baumgartner?

„Wir haben noch drei andere Kandidaten am Zettel“, meint Schinkels. Einer davon dürfte Heimo Pfeifenberger sein. „Mit seinen Qualitäten, die er bei Wr. Neustadt gezeigt hat, ist er immer ein Thema.“

Die „NÖN“ spekuliert zudem mit Peter Pacult, Peter Schöttel und Gerald Baumgartner. Für den eben erst bei der Austria entlassenen Ex-SKN-Coach hat Schinkels nur positive Worte über: „Er war einer der besten Trainer, die der SKN jemals hatte. Natürlich haben wir über ihn auch nachgedacht, aber wenn du gerade so eine schwere Zeit hinter dir hast, wie er bei der Austria, dann ist klar, dass du eine Weile brauchst, um deinen Kopf frei zu kriegen.“

Grundsätzlich sucht Schinkels einen Trainer, der den Zuschauern etwas bieten kann: „Wir wollen offensiven Fußball spielen, aber natürlich müssen auch die Ergebnisse passen.“

Es gibt einen Plan für den Worst Case

Keine leichten Zeiten für Entertainer Schinkels

Die „Wölfe“ liegen aktuell nur drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Der Gang in die Regionalliga wäre das „Worst-Case-Szenario“, wie Schinkels sagt. Dafür gäbe es einen Plan in der Schublade, die man momentan allerdings noch nicht öffnen wolle.

„Die Situation ist natürlich nicht angenehm. Im Moment können wir nicht langfristig planen, weil wir nicht wissen, wo wir nächste Saison spielen. Da ist ein Stück Unsicherheit dabei.“

Trotz der prekären Tabellensituation hätten mehrere Trainer „ein offenes Ohr“ für St. Pölten gezeigt. Schließlich seien die Trainingsbedingungen und das Arbeitsklima top, meint Schinkels.

Zur Entlassung von Ex-Coach Michael Seiner, mit dem der Sportdirektor nicht das allerbeste Verhältnis gepflegt haben soll, wollte sich der TV-Experte aber nicht äußern.

Schinkels: „Wir wollen jetzt nach vorne schauen.“ Am liebsten gemeinsam mit Karl Daxbacher.

 

Jakob Faber

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen