"Ich glaube, das ist nur eine Anekdote"

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Es ist die Geschichte der bisherigen Erste-Liga-Saison.

Eine Mannschaft hat vier Legionäre im Kader. Der vermeintlich Wichtigste muss allerdings zunächst auf die Tribüne, weil das Reglement nur drei Ausländer erlaubt.

Erst in Runde drei darf der Geschasste wieder ran und erzielt auf Anhieb einen Triplepack. Nach fünf Spieltagen hält er bereits bei sechs Treffern und führt die Torschützenliste in Österreichs zweithöchster Spielklasse an.

Das ist die Story des SKN St. Pölten und Dani Lucas Segovia.

Kein böses Blut

„Ich glaube, das ist nur eine Anekdote. Wir waren eben zu viele Ausländer in der Mannschaft und der Trainer musste schwierige Entscheidungen treffen“, analysiert der Spanier, mit 17 Treffern in der vergangenen Saison drittbester Torschütze der Liga, nüchtern seine Degradierung:

„In den ersten Spielen entschied er, dass ich nicht spielen werde. Ich konnte nichts weiter tun, als warten, gut zu trainieren und auf meine Chance zu hoffen.“

Dass es kein böses Wort des 27-Jährigen zu hören gibt, wird schnell klar, wenn man sich das Verhältnis zwischen ihm und SKN-Coach Martin Scherb vor Augen führt.

Neues Selbstvertrauen

„Wir sind eine junge Mannschaft, die wächst und mit diesen drei Siegen in Folge viel Selbstvertrauen getankt hat“, erklärt der Torjäger, dessen Team seit saisonübergreifend sieben Spielen unbesiegt ist.

Den Grund für den guten Start mit vier Siegen und einem Unentschieden sieht der gebürtige Madrilene in der Kontinuität, mit der in der niederösterreichischen Landeshauptstadt gearbeitet wird:

„Es sind neue Spieler mit hoher Qualität gekommen und, was vielleicht wichtiger ist, ein Großteil des erfolgreichen Blocks des Vorjahres ist geblieben. So etwas eint die Mannschaft.“

Gipfeltreffen in Lustenau

Diese geeinte Truppe, die sich in „phänomenalem Zustand“ befindet, trifft nun auf den zweiten souveränen Verein der noch jungen Saison, Austria Lustenau.

Die Vorarlberger führen die Tabelle dank des besseren Torverhältnisses an und sind als Gastgeber auch für Segovia Favorit.

„Aber wir werden alles daran setzen, zu gewinnen“, gibt er die Parole aus, um dann lapidar darauf hinzuweisen: „Weil wir es können.“

Angefeuert wird diese Kampfansage von der Statistik. In der letzten Saison konnte das Team von Helgi Kolvidsson gerade einmal zwei Punkte gegen St. Pölten einfahren.

„Ich war ruhig, weil ich eine gute Beziehung zum Trainer habe. Er kennt mich und ich ihn. Er weiß um meine Stärken und seine Entscheidungen sind immer hundertprozentig zu respektieren“, spricht der Angreifer über den Übungsleiter, der für viele als einer der talentiertesten in Österreich gilt.

Hilfe von staatlicher Seite

Scherbs Glück, nicht weiter Woche für Woche einen aus dem Quartett Segovia, Jano, Gorka Unda und Mirnel Sadovic aus dem Kader streichen zu müssen, kam von staatlicher Seite.

Letzterer erhielt vor wenigen Tagen die österreichische Staatsbürgerschaft, nachdem der im Jänner gestellte Antrag des gebürtigen Bosniers angenommen wurde.

Mit diesem Beschluss scheint die kleine Geschichte vorerst ihr Ende zu nehmen, für Segovia hat es dies ohnehin schon nach dem ersten Einsatz:

„Ich bin dafür da, der Mannschaft zu helfen, wenn sie mich braucht. Wenn ich spiele, gebe ich für den Trainer und die Mitspieler alles, wenn nicht, versuche ich die Mannschaft eben von außen zu unterstützen. Ich bin in dieser Hinsicht Profi, da muss man kein großes Drama daraus machen.“

„Vor Segovia kommt der SKN“

Diese Worte fallen leicht, wenn man sich die positive Reaktion des Angreifers auf die kurzzeitig verordnete Zwangspause ansieht. Drei Tore beim 3:0 gegen Kapfenberg, ein Treffer beim 4:1-Auswärtssieg gegen Altach und ein Doppelpack beim 2:1 gegen Aufsteiger Horn.

„Vor Segovia kommt immer der SKN“, hatte der iberische Legionär auf Fragen nach persönlichem Unmut stets geantwortet.

„Dank Segovia kommt der SKN“, ließe sich dieses Credo leicht umformulieren, wollte man den Erfolgslauf der Niederösterreicher simpel beschreiben. Drei Siege in Folge gab es in dem Zeitraum, seit der Kopfballspezialist im Sommer 2011 aus der dritten spanischen Liga nach St. Pölten wechselte, noch nie.

„Wir kommen mit einer guten Form nach Lustenau, sind um einiges stärker als im vergangenen Jahr. Und in der Vorsaison haben wir kein einziges Spiel gegen sie verloren.“

Der Traum von der Bundesliga

Ob sich am Freitag, um 20:30 Uhr, schon zwei Titelfavoriten gegenüberstehen, will der 1,89-Meter große Stürmer nicht beantworten, dazu sei es noch zu früh. „Erst nach zehn, zwölf Partien lässt sich so etwas wie eine erste Analyse durchführen, die zu einer objektiven Meinung führt.“

Der Aufstieg ist dennoch das erklärte Ziel, wenn auch (noch) nicht von offizieller Seite, dann zumindest beim Legionär, dessen Vertrag mit Saisonende ausläuft.

„Wir sind dazu verpflichtet, um die ersten Plätze zu kämpfen, weil wir auf einen sehr guten Trainer mit beeindruckenden Helfern zählen können. Wir haben einen starken Kader, ein herrliches Stadion und einen unglaublichen Anhang, der die Arena nahezu vollfüllt. Wir vereinen viele Faktoren, um unseren Traum diese Saison zu verwirklichen.“

St. Pölten steigt in die Bundesliga auf?

Das wäre dann mehr als nur eine Anekdote.


Christian Eberle

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