Eine gewohnte Situation für Andreas Moriggl

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Die Aufregung war groß, als ÖFB-Präsident Leo Windtner den Schweizer Marcel Koller als neuen Coach der österreichischen Nationalmannschaft präsentierte.

Zahlreiche ehemalige Teamspieler, die sich Hoffnungen auf den Posten gemacht hatten, waren enttäuscht. Auch die Qualität der Trainerausbildung in unserem Land wurde hinterfragt, da die Entscheidung auf einen ausländischen Betreuer fiel.

Dass man weder ehemaliger Profispieler, noch Ausländer sein muss, um im österreichischen Profifußball ein Traineramt zu bekleiden, zeigt ein 44-jähriger Steirer. Andreas Moriggl ist seit Juni neuer Coach des TSV Hartberg.

Start in der fünften Liga

In seiner Jugend spielte Moriggl bei Sturm Graz, konnte sich allerdings nicht bis in die Profimannschaft hocharbeiten. Seine erste Trainerstation war der SC Fürstenfeld in der fünfthöchsten Spielklasse.

Aus dem Oberliga-Mittelständler machte Moriggl einen Aufstiegskandidaten und eroberte drei Mal in Serie den dritten Platz, ehe die Mannschaft in der Saison 2006/07 den Sprung in die steirische Landesliga schaffte.

Auch in der vierthöchsten Spielklasse fanden sich die Oststeirer gut zurecht und belegten in ihrer ersten Saison Rang sechs. Im Jahr darauf ergatterte der SC Fürstenfeld den dritten Platz und Moriggl wurde vom Regionalligisten SV Allerheiligen abgeworben.

Der Erfolgslauf sollte damit kein Ende nehmen. Auch in der Regionalliga Mitte machte sich der Steirer einen Namen, indem er Allerheiligen in zwei Saisonen auf die Plätze sieben und vier führte. In der dritten Saison kam es zu Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung und Moriggl verließ den Klub im Frühjahr.

Anruf aus Hartberg

Seine Vereinslosigkeit sollte nicht einmal zwei Monate andauern. Plötzlich meldete sich der TSV Hartberg beim nun 44-Jährigen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob die Oststeirer in der Ersten Liga bleiben, oder in die Regionalliga absteigen würden. Moriggl willigte jedoch ein, den TSV zu übernehmen, sollte sich Walter Hörmann gegen eine Vertragsverlängerung entscheiden.

Der UEFA-A-Lizenz-Trainer hat seine Chance bekommen und will nun auch bei seinem ersten Profi-Verein Aufsehen erregen. Ähnlich wie bei seinen bisherigen Stationen ist das Budget der Hartberger knapp bemessen. Moriggl muss also, wie gewohnt, aus wenig, viel machen.

„Ich habe auch in der Vergangenheit bei Vereinen gearbeitet, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten nicht mit großen Namen, sondern mit Kollektiv zum Erfolg kommen mussten“, erzählt Moriggl im Gespräch mit LAOLA1.

Ziel ist der Klassenerhalt

Als weitere Qualität Moriggls gilt sein Talent, junge Spieler aufzubauen und in die Mannschaft zu integrieren. Die Hartberger haben sich am Transfermarkt mit vielen Rohdiamanten verstärkt, die nun den richtigen Schliff bekommen sollen um das Ziel Klassenerhalt zu realisieren.

„Wir haben Platz acht im Visier, damit wir uns am Ende der Saison die Relegation ersparen“, stellt der Steirer realistische Ansprüche.

Um diese Vorgabe zu erfüllen, muss er noch am Kollektiv arbeiten. Teamgeist und Zusammenhalt waren schon in der Vergangenheit wichtige Eckpfeiler für den Erfolg seiner Teams.

Andreas Moriggls Karriere ist der Beweis für die These, dass man kein großer Fußballer gewesen sein muss, um als Trainer Erfolg zu haben. Den Schritt in den Profifußball hat der 44-Jährige geschafft, nun muss er zeigen, ob er dieser Herausforderung gewachsen ist. Und vielleicht ist auch der TSV Hartberg nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer größeren Aufgabe.

 

Rainer Liebich

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