Wie konnte es so weit kommen?

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Lederer: "Es geht um Menschen und viel Herzblut"

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Und schon wieder so ein Finale am letzten Spieltag.

Vor einem Jahr verlor der SV Mattersburg in der 36. Runde im Oberhaus mit 0:1 gegen die Admira und stieg nach zehn Saisonen ab.

Eine Spielzeit später droht zwar nicht der Fix-Abstieg aus der Ersten Liga, aber die Relegation, in denen zwei Spiele das Ende des Profi-Fußballs bedeuten könnten.

Es geht um mehr, es geht um ein Lebenswerk.

Burgenländisches Fernduell

Mattersburg gastiert am Freitag (18 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) bei Aufsteiger Altach, das im Anschluss den Meister-Teller bekommen wird.

Parndorf, das aktuell drei Punkte und drei Tore Rückstand auf den SVM aufweist, empfängt Austria Lustenau, das sicher auf Platz zwei bleibt.

Es kommt also zum burgenländischen Fernduell um den Klassenerhalt.

Und das, weil Parndorf vergangene Woche das Nahduell für sich entschied - durch zwei Tore in der Nachspielzeit beim 4:2-Auswärtssieg.

"Parndorf muss nach Altach schauen"

"Wir haben es binnen zwei Minuten selbst aus der Hand gegeben, dann wäre das leidige Thema zu Ende gewesen. Aber wir brauchen nicht über die Vergangenheit reden, es zählt die Gegenwart und da müssen wir einfach in Altach punkten", sagt Franz Lederer im LAOLA1-Gespräch.

Der sportliche Leiter war vergangenes Jahr Trainer, als binnen zwei Runden ein fünf-Punkte-Polster verspielt wurde. Dieses Mal muss der 50-Jährige miterleben, dass vielleicht sechs Punkte Vorsprung zu wenig sind. Freilich ist der langjährige Trainer aber Fan der Gejagten-Rolle.

„Fakt ist, dass wir drei Punkte und drei Tore vor Parndorf liegen. Auch wenn sie gegen Austria Lustenau gewinnen, müssen sie nach Altach schauen. Wenn wir dort punkten, kann uns völlig egal sein, wo etwas anderes passiert. Das ist sicher die angenehmere Position.“

Die mentale Komponente ist allerdings sicherlich angenehmer für die Parndorfer, die das kleine Wunder noch schaffen können. Auch weil beim SVM zu viel auf dem Spiel steht, ein Durchrasseln in die Regionalliga ist nur schwer zu verdauen.

Mattersburg spielt seit 14 Jahren im Profi-Fußball, hat für die Bundesliga in die Infrastruktur investiert - wenngleich etwa mit abtragbaren Tribünen auch lösungsorientert an den schlimmsten Fall gedacht wurde - und hat auch eine Akademie ansässig.

Obmann Martin Pucher und sein Team haben viel Geld und Zeit hineingesteckt, binnen einen Jahres könnte das Profitum plötzlich Geschichte sein.

Parndorf war erst vergangenen Sommer durch die Relegation in die Erste Liga zurückgekehrt.

Profi-Fußball bedeutet Mattersburg sehr viel

"In dieser kleinen Welt, in der wir in Mattersburg leben, sieht man jetzt erst, welche Bedeutung zehn Jahre Bundesliga hatten. Die Erste Liga ist noch immer der bezahlte Fußball, sie ist nahe an der Bundesliga. Es ist so viel Infrastruktur geschaffen worden, so viel, was mit dem Fußball verbunden ist – es wäre nicht angenehm, wenn es so weit kommt."

Lederer spricht dabei aber nicht nur von finanziellen Aspekten und Ressourcen: "Es geht auch um die Menschen und das Herzblut, das hineingesteckt wurde. Das merkt man in einer kleinen Stadt. In einer großen Stadt geht das dann unter, bei uns weiß man aber, wer da aller so viel Lebensenergie hineingesteckt hat."

Dass es überhaupt zu solch einem Szenario kommen könnte, ist nicht nur wegen des letzten Spiels kaum zu glauben. Nach dem Abstieg der Mattersburger konnte fast die ganze Oberhaus-Truppe beisammen gehalten werden. Auch Patrick Bürger, der schon Nationalteam spielte, blieb.

Der sofortige Wiederaufstieg war zwar nicht das erklärte Ziel, aber sicherlich dachte man sich eine andere Rolle zu, als man sie letztlich spielte.

"Das kann auch Mattersburg nicht verkraften"

Mit Trainer Alfred Tatar (Punkteschnitt 1,57) ging es in die Saison, nach dessen Beurlaubung übernahmen Lederer und Markus Karner (0,63) für acht Spiele ehe Ivica Vastic (1,25) zu Weihnachten auf die Bank gesetzt wurde.

Und es stellt sich eben die Frage: Wie konnte es soweit kommen?

„Die große Überschrift unserer Saison, und das ist keine Ausrede sondern Fakt, lautet, dass wir mit Manuel Seidl und Patrick Bürger zwei gravierende Ausfälle hatten. Da fallen mir auch bei allen anderen Klubs Spieler ein, wo es ohne solche Kicker nicht laufen würde. Pink und Prietl waren dann im Frühjahr kaum im Einsatz, solche Spieler vorzugeben, das kann auch Mattersburg nicht verkraften", betont der Sportchef.

"Wir haben sicherlich auch zu viele Unentschieden gespielt und verabsäumt, den einen oder anderen Sieg einzufahren. Schlüsselspieler, wie zuvor erwähnt, hätten sicher eher dafür sorgen können, dass solche Spiele zu unseren Gunsten laufen."

"Spieler stehen in der Verantwortung"

Große Analysen gebe es erst nach der Saison. Man mache sich als Verantwortlicher über alles Gedanken, und hat sich auch mit dem möglichen Relegations-Gegner LASK beschäftigt ("Wir sind ja keine Realitätsverweigerer"), doch nun zähle bis Freitagabend nur Altach

„Die Mannschaft hat diese Woche keinen einzigen Moment erkennen lassen, dass sie nicht wüsste, um was es geht. Wenn diese Präsenz in Altach an den Tag gelegt wird, dann wird es eine enge Partie wie beim 1:1 in Mattersburg. Wir wollen diesen Zähler einfahren.“

Beim SCR Altach, der 2009 im Kampf gegen den Abstieg gegen Mattersburg den Kürzeren zog, sind die Kicker endgültig gefordert.

„Die elf Spieler, die auflaufen werden, stehen in der Verantwortung, um sich das zurückzuholen, was sie sich letzten Freitag haben wegnehmen lassen. Das wissen sie auch und stellt somit keine Belastung dar.“

Am letzten Spieltag wird sich weisen, ob Mattersburg diese Saison nicht doch noch glimpflich beendet. Ansonsten darf sich auch in der Relegation weiter gefragt werden: Wie konnte es so weit kommen?

 

Bernhard Kastler

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