Austria Lustenau ist das Maß aller Dinge

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Ein Viertel der Erste-Liga-Saison ist gespielt. Und eigentlich scheint alles klar.

Zumindest was den Platz an der Sonne betrifft: Austria Lustenau ist das Maß aller Dinge.

Die Vorarlberger halten nach neun Runden bei sieben Siegen, zwei Remis und folglich keiner Niederlage, sind mit 23 Punkten und einem Torverhältnis von 26:5 überlegener Leader.

„Austria Lustenau ist eine eigene Liga in der Liga. Sie werden die Meisterschaft holen, vielleicht sogar ungeschlagen“, zieht Vienna-Trainer Alfred Tatar nach dem 0:5 zu Hause im direkten Duell den Hut.

Kein Blick in die Zukunft

Und die Vorarlberger selbst? Sie bleiben ruhig, heben nicht ab. „Wir schauen nicht auf die Tabelle“ und  „Die nächste Trainingswoche ist die wichtigste in meinem Leben“ hört man da von Trainer Helgi Kolvidsson. Der Isländer zeigt sich auch nur hinsichtlich der Punkteanzahl völlig zufrieden.

„Von den Punkten haben wir nicht viel Luft nach oben. Aber spielerisch und körperlich habe ich schon Dinge gesehen, die wir verbessern können. Wir sind noch nicht am Ende.“

Und Kolvidsson warnt auch eindringlich: „Man kann sich auch selbst ein Bein stellen, indem man zu locker wird.“

Zwar beträgt der Polster auf den ersten Verfolger Grödig trotz weißer Weste „nur“ sechs Punkte, der Ländle-Klub ist aber auf dem besten Weg, zum ersten Mal seit 2000 ins Oberhaus zurückzukehren.

Warum? LAOLA1 nennt fünf Gründe:

  • Die Qualität

Vienna-Verteidiger Andreas Dober sprach von einem Qualitätsunterschied nach dem 0:5 gegen die Austria. Jochen Fallmann von einem Unterschied von zwei bis drei Klassen. Es war offensichtlich. Die Lustenauer verfügen über spielerische Qualität, nicht nur was die beiden Brasilianer Soares und Thiago betrifft. Ex-Austrianer Patrick Salomon, Jan Zwischenbrugger, Felix Roth oder vor allem auch der oftmals angeschlagene Sascha Boller sind hier ebenfalls stark eingebunden und maßgeblich daran beteiligt, dass 26 Tore zu Buche stehen. Hinten dirigieren Ex-Rapidler Jürgen Patocka und Jürgen Kampel – fünf Gegentreffer sind ebenso Bestwert.

  • Die Eingespieltheit

Während viele andere Teams mehr zusammengewürfelt wirken, sind die Lustenauer eine Truppe, die wie aus einem Guss spielt. Und Neuzugängen wie Patocka und Salomon tun sich auch nicht schwer, sich einzufügen, schließlich handelt es sich bei beiden um eine Rückkehr. Das Gerüst rund um Kapitän Harald Dürr steht felsenfest. Hinzu kommt das sichere Passspiel, was zu vielen flüssigen Kombinationen führt. Einzig gegen FC Lustenau klappte das weniger, das hatte allerdings mehr mit dem Dauerregen im Ländle zu tun...

  • Die Erfahrung

Austria Lustenau kennt die Liga wie die Westentasche, seit zwölf Jahren spielen sie nun schon wieder am Stück in der zweithöchsten Klasse – so lange wie keiner der anderen neun Klubs. Dazu gehört auch das Urgestein Dürr, das schon seit 15 Jahren bei den Lustenauern spielt. Weiters verfügen die Vorarlberger über Bundesliga-erfahrene Spieler wie etwa Patocka, Ex-Neustadt-Kicker Daniel Dunst, Salomon oder auch Gerald Krajic. Die Austria zeigt sich in dieser Saison bislang sehr abgeklärt und clever. Nur einmal ließ man sich zu Hause gegen Grödig ein 0:2 noch abluchsen.

  • Der Trainer

Mit Helgi Kolvidsson hat Präsident Hubert Nagel vor einem Jahr den richtigen Griff getätigt. Der Isländer, der als Spieler schon für die Austria, wie auch für Mainz, Ulm und dann noch einmal in Österreich für den FC Kärnten, spielte, kam im Sommer 2011 als Trainer und führte die Austria nach einer halbjährigen Kennenlernphase zu einem tollen Lauf im Frühjahr. Erst kurz vor Schluss war das Titelrennen mit einer Niederlage beim LASK beendet. Kolvidsson ist die isländische Ruhe in Person, die Mannschaft der Star und er sorgt dafür, dass die Spieler nicht abheben. Der bereits sechsfache Torschütze Zwischenbrugger: „Er trichtert uns ein, von Spiel zu Spiel zu denken.“ Das Spielermaterial, das zur Verfügung steht, gehört zwar zum besten der Liga - das muss man aber auch im Griff haben. Und vor allem menschlich könnte es zwischen Trainer und Mannschaft harmonischer nicht  sein.

  • Das Umfeld

Sollte Austria Lustenau den Aufstieg schaffen, dann muss man sich um die Bundesliga-Tauglichkeit keine Sorgen machen. Hubert Nagel gehört zu den längstdienenden Präsidenten im österreichischen Fußball und ist in aller Hinsicht gut aufgestellt. Finanzielle Probleme wie zuletzt beim Marktgemeinde-Rivalen FC gibt es nicht. 2014 wird die Austria aus Lustenau 100 Jahre alt. Es schaut gut aus, dass man mit 99 Jahren schon wieder Bundesliga-Luft schnuppert: Weil man sportlich und wirtschaftlich keine Gründe für Sorgen hat.

 

Bernhard Kastler

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