"Übertragungen mitten in der Nacht sind hart"

Aufmacherbild
 

Abseits des Tagesgeschäfts, das vielerorts entweder Aufstiegsrennen oder Abstiegskampf heißt, beschäftigen sich die Trainer der „Heute für Morgen“ Ersten Liga auch mit Rahmenbedingungen und Problemen des Bewerbs.

Damir Canadi, Kurt Russ Co. diskutieren auch in der Woche vor Rückrundenstart über Vermarktungsstrategien, Infrastrukturprobleme oder die Vorteile einer 16er-Liga. Worüber die Liga spricht? LAOLA1 fasst zusammen:

VERMARKTUNG

Das Image der „Heute für Morgen“ Erste Liga ist angekratzt. Man ist weiterhin vergeblich auf der Suche nach einem Sponsor und bis auf wenige Ausnahmen haben die Vereine mit geringem Zuschauerinteresse zu kämpfen.

Herbert Prohaska, Schirmherr der Liga, ist es „schleierhaft“, warum bis jetzt kein Bewerbs-Sponsor gefunden wurde. „Fußball ist die Sportart Nummer eins in Österreich. Jeder Sponsor würde das investierte Geld mit dem drei- bis vierfachen Werbewert zurückbekommen.“

Kurt Russ vom Kapfenberger SV sieht den Grund für die fehlenden Sponsoren unter anderem in der medialen Berichterstattung.

„Ich glaube, dass mehr darüber geschrieben und geredet werden muss. Wenn man sieht, wie die Spiele um halb eins in der Nacht übertragen werden, dann ist das schon hart. Die Sponsoren fragen sich, warum sie da einsteigen sollten. Die Vermarktung gehört mehr gestärkt.“

Im Gegensatz zum wirtschaftlichen Bereich sei die Liga sportlich gut aufgestellt, so der Tenor der Trainer.

„Ich denke, dass mittlerweile viele gute, engagierte Trainer arbeiten, die den Spielstil verändern und versuchen, sehr attraktiv zu spielen. Das ist ein Beitrag, den wir als Trainer leisten können“, sagt Altach-Trainer Damir Canadi.

Sein Kollege Peter Zeidler vom FC Liefering geht noch einen Schritt weiter und zieht Parallelen zu  seinem Heimatland Deutschland.

„Das  Niveau der Trainer und Spieler kann sich sehen lassen und wir müssen uns überhaupt nicht verstecken. Wir können zwar nicht mit der zweiten Liga in Deutschland konkurrieren, aber wir sind der dritten Liga absolut ebenbürtig.Das zeugt schon von einem gewissen Niveau und hätte sich daher auch mehr Zuschauer verdient. Es hat aber vielleicht auch mit dem Land Österreich zu tun, dass die Fußball-Begeisterung nicht ganz so groß ist wie vielleicht in Deutschland.“

Hartberg und Parndorf treffen vier Mal pro Saison aufeinander

FORMAT

„Es ist gewöhnungsbedürftig, jedes Jahr vier Mal gegen die gleichen Gegner zu spielen. Das kann durchaus ein bisschen langweilig werden.“

Zeidler spricht vielen aus der Seele. Die Diskussion rund um das Ligen-Format für die zwei höchsten Spielklassen erhitzt die Gemüter.

Die einen vermissen Traditionsvereine wie den LASK oder den GAK in den oberen Ligen und plädieren daher für eine Meisterschaft mit 16 Klubs, die anderen verteidigen vehement die derzeitige Zehner-Liga.

Hartberg-Coach Bruno Friesenbichler spricht sich für eine Aufstockung der Bundesliga und der Ersten Liga auf 16 Mannschaften aus.

„Ziel der Ersten Liga ist es immer,  junge Spieler in die oberste Liga zu bringen. Hätte man sechs Vereine mehr, könnten junge Spieler, die jetzt keinen Platz haben, in der Liga verbleiben.“

„Jungen Spielern bietet man mit der Zehner-Liga keine ausreichende Plattform“, sagt auch Horn-Coach Willi Schuldes, „im Fall der diesjährigen Ersten Liga spielen fünf Klubs um den Aufstieg, fünf gegen den Abstieg. Da muss man sich als Trainer erst einmal trauen, junge Eigenbau-Spieler einzusetzen.“

Ein umstrittener Punkt ist auch die Relegation in der Ersten Liga. Der Vorletzte der Tabelle kämpft gegen einen Regionalliga-Meister um den Verbleib in der Liga.

„Man sollte sich auf einen Modus einigen, in dem keine Relegation mehr gespielt wird, sondern der Meister direkt in die Erste Liga aufsteigt. Das wäre auch im Hinblick auf die Qualität ein wichtiger Ansatz“, sagt Mattersburg-Trainer Ivica Vastic.

Einen völlig neuen Ansatz in der Diskussion rund um das Ligen-Format in den zwei höchsten Spielklassen bringt Canadi vor.

„Eine Möglichkeit wäre ein amerikanisches System, in dem man keinen Absteiger mehr in der Bundesliga hätte. Es ist schwierig, Sponsoren zu gewinnen, weil man nicht weiß, ob man nächstes Jahr oben oder unten spielt. Wenn man weiß, dass man nicht absteigen kann, ist es für das Umfeld und die Lizensierung leichter.“

Ebenfalls eine neuartige Idee bringt Paul Hafner von Parndorf ins Spiel. Er schlägt vor, die Erste Liga in zwei Teile – Ost und West – aufzusplitten und erhofft sich davon ein größeres Zuschauerintersse.

Der Ex-LASKler Kevin Wimmer debütierte im Länderspiel gegen die USA

AUSBILDUNGSLIGA

In einem Punkt herrscht im Grunde unter allen Übungsleitern Einigkeit. Die „Heute für Morgen“ Erste Liga werde ihrem Namen und damit auch ihren Anforderungen als Ausbildungsliga gerecht.

Dabei werden die Coaches nicht Müde, das Beispiel Philipp Zulechner, der über Horn und Grödig den Weg in die Deutsche Bundesliga fand, als Bestätigung heranzuziehen. „Auch wenn es nicht immer so schnell gehen kann“, relativiert Hafner.

Zulechner ist zwar das aktuellste, bei weitem aber nicht das einzige prominente Beispiel für einen erfolgreichen Aufstieg aus der Ersten Liga.

Lukas Hinterseer, im Herbst 2012 an die Vienna und im Frühjahr 2012 an den FC Lustenau verliehen, bringt es mittlerweile auf 41 Bundesliga-Spiele für Wacker Innsbruck und feierte im November gegen die USA sein Debüt im ÖFB-Teamdress. Diese Erfahrung teilt Kevin Wimmer, der beim 1. FC Köln, dem Tabellenführer der 2. Deutschen Bundesliga, als Innenverteidiger viel Verantwortung schultert.

Auch der Weg von Philipp Hosiner führte nach seiner Rückkehr aus Sandhausen über die Vienna und damit zunächst über die zweite Leistungsstufe.

In der jüngsten Übertrittszeit wechselten Robert Zuljs Bruder Peter (WAC), sowie Jan Zwischenbrugger (SV Ried) aus der Ersten Liga ins Oberhaus.  Die Ex-Lieferinger Bright Edomwonyi und Jan Schwendinger kicken seit Winter für Wacker Innsbruck bzw. den WAC. Deshalb kann man Schirmherr Prohaska, in dessen Augen das Liga-Konzept „voll aufgeht“, auch nur schwer widersprechen.

Aber Ausbildung hin, Spielerentwicklung her. Wenn es wirklich ans Eingemachte geht, nehmen die Trainer dann oftmals Abstand vom Einsatz junger, unerfahrener Spieler, wie sie selbst offen zugeben.

„Geht es um Meistertitel oder Klassenerhalt, nimmt man natürlich auch ein bisschen Abstand von dem Ganzen“, sagt etwa Friesenbichler. Kurt Gager widerspricht seinem Gegenüber nicht.

Dem Empfinden der zehn Trainer nach zu urteilen, erfüllt die „Heute für Morgen“ Erste Liga ihren (Aus-)Bildungsauftrag. Canadi gibt aber zu bedenken, dass die geringen Zuschauerzahlen eventuell damit zu erklären sind, dass man eben „nur eine Ausbildungsliga“ sei.

INFRASTRUKTUR

Ein weiterer Grund für das teils geringe Zuschauerinteresse könnte jedoch sein, dass sich der gemeine Fan in den „Arenen“ der Ersten Liga unwohl fühlt.

Nicht erst seit dem Bundesliga-Aufstieg des SV Grödig im Sommer 2013 sehen sich die Verantwortlichen der Bundesliga mit Themen wie Infrastruktur und Beschaffenheit bzw. Komfort der Stadien konfrontiert.

Christian Ebenbauer weiß als Bundesliga-Vorstand für Finanz und Lizenzierung um die Probleme. Das Bewusstsein diesbezüglich sei auch seitens der Vereine vorhanden.

Man müsse aber immer „wie in einer Pyramide von unten nach oben denken“ und daher „bei den Minimum-Anforderungen an die Stadien anfangen.“ Die Priorität liege zunächst vielmehr auf Dingen wie überdachten Sitzplätzen als auf Themen wie Rasenheizung oder VIP-Loungen.

Fehlende Infrastruktur könne einen sportlich errungenen Aufstieg verhindern. Ebenbauer hoffe nicht, dass es einmal dazu kommt. Aber ein tolles Stadion alleine ist ebenfalls noch kein Garant für Zuschauermassen.

In die St. Pöltner NV-Arena, einem der modernsten Stadien des Landes kommen im Schnitt „nur“ knapp 2700 Zuschauer. Um rund neun Prozent weniger als noch in der Vorsaison. Immerhin rangiert der SKN im oberen Drittel der „Zuschauertabelle“. Nur die beiden Vorarlberger Vertreter locken mehr Fans zu ihren Heimspielen.

Den größten Zuschauerrückgang (-19 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet im Übrigen der SV Horn. Dessen Coach hat diesbezüglich eine Theorie. „Vielleicht kommt auch zu viel im Fernsehen“, wirft Schuldes in den Raum. Beißt sich die Katze hier selbst in den Schwanz?

 

Daniela Kulovits / Kevin Bell / Niki Riss

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen