Die erste Bilanz

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So fällt die Bilanz nach dem ersten Saison-Viertel aus

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Das erste Saison-Viertel in der Ersten Liga ist bereits Geschichte.

Und sogar mehr. Denn Aufsteiger FAC und Austria Lustenau eröffneten bereits am Montag mit einem spektakulären 3:3 das zweite Viertel.

Nach aktuellem Stand würde sich der FC Liefering den Titel sichern, der LASK als Zweiter in die Bundesliga aufsteigen, weil das Salzburger Farmteam nicht darf, und Horn sowie Hartberg absteigen.

LAOLA1 blickt auf das erste Saisonviertel zurück und ordnet den Auftakt der jeweiligen Mannschaften in die neue Spielzeit ein.

 

Jung, dynamisch, erfolgreich. Der FC Liefering hat schon vergangene Saison gezeigt, dass er vorne in der Tabelle mitspielen kann und so überrascht es auch nicht, dass die Salzburger nach dem ersten Viertel ganz vorne stehen. In der Sommerpause verlor das Team von Trainer Peter Zeidler Spieler wie Sandro Djuric, Robert Völkl (beide Grödig), Stefan Lainer (Ried) oder Domenik Schierl (Wr. Neustadt). Nils Quaschner rückte zu Salzburg auf, die Routiniers a la Rene Aufhauser (Co-Trainer, Anm.) sind nicht mehr dabei - und dennoch gab es keinen Leistungsabfall. Ganz im Gegenteil: Die nächsten Jungen machten den nächsten Schritt. So spielte sich Nikola Dovedan endgültig ins Rampenlicht oder die Brasilianer Pires und Venuto zeigten, was sie bereits drauf haben. Bislang setzte es nur eine Niederlage beim LASK (0:2). Liefering ist zudem die Tormaschine der Liga. Zuletzt schraubten sie ihr Konto nach 0:3-Rückstand in Mattersburg mit sechs Treffern auf 23. Sollten die - für junge Spieler erwartbaren Leistungsschwankungen - nicht zu häufig eintreten, kann Liefering den Titel holen - aber nicht aufsteigen. Das dürfen sie nämlich nicht.

Es ist freilich immer etwas überraschend, wenn ein Aufsteiger ganz vorne mitmischt. Aufgrund der neuen Konstellation in Linz durfte dies allerdings auch so erwartet werden, zumal es eng zugeht in der Ersten Liga. Der LASK hatte schon zu Regionalliga-Zeiten eine Profi-Mannschaft. Diese eingespielte Truppe wurde vor Saisonbeginn von "Architekt" Jürgen Werner und seinem Team gezielt verstärkt - etwa mit Thomas Hinum oder Harun Erbek. Nach dem Ende der Reichel-Ära sowie dem Aufstieg herrschte Euphorie rund um die Gugl, zudem kamen viele Sponsoren an Bord. Konsolidieren oder Durchmarsch anstreben? Die "Freunde des LASK", die zu Weihnachten 2013 die Kontrolle übernahmen, waren sich vor Saisonbeginn uneinig. Man wartete schließlich die ersten Runden ab, erkannte die Chance und handelte noch einmal treffend mit den Verpflichtungen von Drazan, Michorl und Dovedan. Der Kader ist damit auch in der Breite aufgestellt. Trainer Karl Daxbacher bewies vor allem beim 2:0 gegen Liefering, was er nach wie vor drauf hat. Der LASK bietet das Gesamtpaket für einen Durchmarsch. Einzig die Zuschauerzahlen lassen noch zu wünschen übrig.

Der SV Mattersburg hat bislang insofern überrascht, als dass man die Burgenländer vielleicht nicht ganz vorne auf der Rechnung hatte, zumal sie in der vergangenen Saison noch gegen den Abstieg spielten und sich erst kurz vor Saisonende auch sicher retteten. Die Kaderpolitik im Sommer machte Sinn und ist auch verdient aufgegangen, vor allem was Spieler wie Shooting-Star Karim Onisiwo oder Jano betrifft. Das Mattersburger Spiel ist vor allem offensiv ansehnlich. Nur zweifelten Kritiker, ob auch der Trainer wieder einen Schritt nach vorne machen könne. Ivica Vastic führte die Burgenländer in den Titelkampf und versucht sie nun auch dort zu halten. Da es eng zugehen wird, sollten wohl nicht 3:0-Führungen wie zuletzt gegen Liefering hergeschenkt werden. Eine Runde zuvor verspielte der frühere Bundesligist ein 2:0 in Kapfenberg. Zähler, die am Ende fehlen können.

Es war eine knallharte Landung am Boden der Zweitklassigkeit. Nur ein Punkt sprang aus den ersten vier Partien heraus. Die Ratlosikgeit stand Trainer Michael Streiter und seinen Spielern ins Gesicht geschrieben. Niemand konnte sich den Fehlstart trotz eines bestens bestückten Kaders erklären. Gegen den FAC stand der Coach schließlich beim Stand von 0:1 mit einem Bein auf der Straße, ein Last-Minute-Sieg der Tiroler sollte aber den Umschwung einleiten. Danach blieb man auch in vier weiteren Spielen siegreich und erhielt nicht ein Gegentor. Nur der LASK hat insgesamt weniger Treffer kassiert als der FC Wacker. Durch die gut organisierten Auftritte zuletzt ist der sofortige Wiederaufstieg wieder realisierbar. Die Personaldecke ist dafür auch gegeben. Neben der "Stammelf" stehen auch noch Spieler wie Jürgen Säumel, Marco Kofler, Simon Pirkl, Florian Jamnig oder Simon Zangerl zur Verfügung. Dazu kommen die letzten Neuzugänge Marco Sahanek und Davidson Drobo-Ampem. Mit diesen Innsbruckern wird also wie erwartet zu rechnen sein.

Im Falken-Schwarm kehrt langsam Ordnung ein. Vor der Saison hat die Vereinsführung die Erwartungen bewusst zurückgeschraubt, weil am Transfermarkt einiges los war. Zahlreiche Spieler verließen den Klub, viele unbekannte Namen wurden geholt. Das machte sich zu Beginn auch bemerkbar. Nach durchaus passablen Leistungen machte man sich oft selbst das Leben schwer und schenkte Punkte her. So wurde erst in Runde sieben in Hartberg der erste Saisonsieg Realität, es folgten starke Auftritte gegen Mattersburg und Lustenau. Der Pfeil zeigt also leicht nach oben. Mit Ronivaldo hat man zudem auch einen der besten Stürmer der Liga in den eigenen Reihen. Er ist hauptveranwortlich dafür, dass die Obersteirer die drittmeisten Tore in der Liga erzielt haben. In einem engen Mittelfeld ist für Kapfenberg in beide Richtungen viel möglich. Mit Platz fünf kann man aber wohl auch am Ende gut leben.

Der Europacup-Ausflug war (vor allem nach Eindhoven) schön, die Realität in der Ersten Liga ist es aktuell nicht. Ein Titelkandidat strauchelt und findet sich nach dem ersten Saison-Viertel nicht einmal in der ersten Tabellenhälfte wieder. Gemäß den Ansprüchen von Trainer Herbert Gager und seiner Mannschaft ist das viel zu wenig. Aktuell liegen die Niederösterreicher acht Punkte hinter dem Aufstiegsplatz. In einer engen Liga ohne Top-Favoriten ist dies nicht das Ende der Welt, aber schon auch bedenklich. Zumal zuletzt beim "Top-Favoriten" auf den Abstieg, Hartberg, alle drei Punkte gelassen wurden. St. Pölten hat es spielerisch locker drauf, aber in dieser Liga braucht es oftmals mehr als das. Zudem stimmt die negative Tor-Bilanz aktuell nachdenklich. Ist der Kader auch qualitativ breit genug für den Titelkampf? Das Gute an der aktuellen Situation: Es ist erst ein Viertel gespielt.

Der Kampf um das Überleben ist im vollen Gange. Der Überraschungs-Aufsteiger startete bemerkenswert und blieb in den ersten vier Runden ungeschlagen. Das Team von Hans Kleer verstand es dabei vor allem mit einer konzentrierten Defensivleistung zu überzeugen. Mit dem späten 1:2 bei Wacker Innsbruck riss der Faden etwas. Es folgten zwei weitere Pleiten, ehe man Schlusslicht Hartberg niederringen konnte. Der LASK sollte den Floridsdorfern beim 1:5 schließlich ihre Grenzen aufzeigen. Man gibt sich aber realistisch und weiß die eigene Lage gut einzuschätzen. "Gegner wie der LASK oder Mattersburg sind für uns in einer anderen Liga", stellt Obmann Walter Brand klar. Mit Spielern wie Sadovic, Mössner, Terzic oder Haselberger hat man durchaus die Routine im Kader, um die Klasse zu halten. Wächst das Team noch stärker zusammen, sollte das Ziel Platz acht möglich sein.

"Es bleibt uns derzeit nichts erspart", sagte Helgi Kolvidsson nach dem turbulenten 3:3 in Floridsdorf zum Auftakt des zweiten Lustenauer Saison-Viertels. Es war alles dabei in den ersten Spielen der erfolgsverwöhnten Austria - allerdings zu wenig Zählbares. Nach einem durchwachsenen Start glaubte man, sich mit dem 5:0 gegen Hartberg aus der Krise geschossen zu haben. Seit diesem 8. August gab es aber keinen einzigen Sieg mehr. Will man die Chance auf ein Ende der ewigen Zweitklassigkeit wahren, muss eine Trendwende her. Auch wenn die Mannschaft, wie beim 3:3 beim FAC, Moral zeigt, gibt es interne Probleme. Präsident Hubert Nagel droht damit, sich auf die Trainerbank zu setzen und Trainer Kolivdsson setzt Leistungsträger auf die Bank oder wirft sie, wie Jailson, komplett aus dem Kader. Öffentlich wird auch schon über Nachfolger des Isländers spekuliert. Amateur-Trainer Mladen Posavec wäre die einfachste Lösung, Nagel soll sich laut "Sky" aber Werner Gregoritsch wünschen. Eines ist klar: Zur Ruhe kommt die Austria in ihrem 100. Bestandsjahr nicht.

Der SV Horn verlor im Sommer einige Spieler wie Bernd Gschweidl, Marco Sahanek oder Manuel Hartl und konnte nur bedingt Kicker nach Wunsch verpflichten. So war es zu erwarten, dass sich die Niederösterreicher im Schlussdrittel der Tabelle wiederfinden würden. Die Mannschaft von Trainer Willi Schuldes steht aktuell auf dem zweiten Abstiegsplatz, den es seit dieser Saison gibt. Der Abstand nach oben ist alles andere als bedenklich, schließlich fehlen nur drei Punkte auf den fünften Platz. Doch vorne hapert es, Ex-Bundesliga-Stürmer Casanova hält in dieser Saison erst bei einem Treffer und überhaupt haben die Horner nur zwei Treffer mehr erzielt als Hartberg - das erst ab Runde sieben zu treffen begann. Luft nach oben gibt es bei Horn genügend. Aber auch das war erwartbar.

Als die Oststeirer einen Tag vor Meisterschaftsbeginn Trainer Ivo Istuk aufgrund von Sprachbarrieren vor die Tür setzten, ahnten manche schon, dass eine schwierige Saison bevorstehen würde. Doch dieser Beginn sollte die schlimmsten Erwartungen noch übertreffen. Unter dem neuen, alten Coach Bruno Friesenbichler mutierte der TSV Hartberg zur Schießbude der Liga. Unglaubliche 24 Gegentore hat die Mannschaft bereits kassiert. Von einer geordneten Defensive war zumeist nichts zu sehen. Dazu kam auch noch eklatante Abschlussschwäche. Mit vier erzielten Toren durfte kein anderer der neun Konkurrenten seltener jubeln. Immerhin gelang in Runde neun mit Müh' und Not der erste Saisonsieg gegen den SKN St. Pölten. Ob diese drei Punkte jedoch eine nachhaltige Wirkung haben werden, darf bezweifelt werden. Es wäre ein Wunder, wenn es Friesenbichler gemeinsam mit Neo-Obmann Jürgen Rindler noch gelingen würde, die Hartberger aus der Abstiegszone zu führen. 

 

Bernhard Kastler / Andreas Terler

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