Die Story des Michael Steiner

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Der Übergang vom gelobten Nachwuchs-Talent zum beständigen Profi-Kicker.

In den vergangenen zwei Wochen war dieser ob der durchwegs herzeigbaren Erfolge der ÖFB-Youngsters hierzulande wieder einmal Thema, schließlich ist der Weg ein bekanntlich steiniger (Kommentar).

Das war vor 20 Jahren nicht anders. Das weiß auch Michael Steiner, kann der neue Cheftrainer des Erste-Liga-Klubs SKN St. Pölten doch davon mehr als nur ein Lied singen.

Mit 19 Jahren im UEFA-Cup-Finale

Während die Bestellung von Frenkie Schinkels als Sportdirektor für Schlagzeilen sorgte, ist Steiner de facto ein No-Name im heimischen Fußball. Und das, obwohl er mit 19 Jahren im UEFA-Cup-Finale spielte.

„Das war eine glückliche Fügung“, erinnert sich der frühere Kicker über 20 Jahre nach der Endspiel-Teilnahme von Austria Salzburg gegenüber LAOLA1.

„Ich habe mit 18 Jahren das erste Mal bei der Kampfmannschaft mittrainiert, bin im Frühjahr 1994 immer mehr hineingekommen und dann hat sich das ergeben, auch weil die Leistungen in der Meisterschaft und im Cup in Ordnung waren. Das Halbfinale zu Hause gegen Karlsruhe hat ganz gut gepasst von meiner Seite, so bin ich dann auch zu den Einsätzen gekommen“, schildert Steiner.

28 Minuten spielte der Mittelfeldspieler im Final-Hinspiel gegen Inter in Wien, 18 Minuten beim Rückspiel vor über 80.000 Zuschauern im San Siro zu Mailand.

„Ich war nur sauer, dass wir es nicht gewonnen haben“, hat Steiner keine besonderen Erinnerungen an die beiden 0:1-Niederlagen.

Aus der großen Karriere wurde nichts

„Man wird immer wieder einmal damit konfrontiert und das sind sicher Spiele, die immer ein Teil meines Lebens bleiben. Aber für mich als Person hat es jetzt nicht die riesige Bedeutung. Für meine Spielerkarriere war es nicht negativ, aber auch nicht unbedingt positiv.“

Zumal es danach nicht nach Wunsch verlief.

Aus der verheißungsvollen, großen Karriere wurde nichts. Und das obwohl Steiner in allen Nachwuchs-Teams spielte und für Experten eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich hatte. „Er war ein sehr guter Spieler“, sagt etwa Ex-Salzburg-Präsident Rudi Quehenberger noch heute.

Marc Janko führte Michael Steiner in den Fußball zurück

Das beweist mitunter nun die Bestellung zum Cheftrainer des strauchelnden Erste-Liga-Klubs aus Niederösterreich.

Steiner übernahm das Kommando von Herbert Gager, dem er seit Beginn der Saison als Co-Trainer zur Seite stand.

Marc Janko brachte ihn zurück

Dass Steiner überhaupt coacht, hat er wiederum Marc Janko zu verdanken. Und das, obwohl der Stürmer die ganze Steiner-Story lange Zeit nicht kannte. Steiner kellnerte, Janko war Stammgast im Cafe - so fanden zwei zueinander, die offensichtlich eine Gesprächsbasis hatten.

„Wir haben uns privat angefreundet, er hat gar nicht gewusst, dass ich Fußballer war“, grinst der frühere Offensivspieler, der auch die Teilnahme am UEFA-Cup-Finale gekonnt zu verschweigen wusste.

„Das ist erst Monate später rausgekommen. Er hat mich dann angerufen und gefragt, warum ich ihm das nie erzählt habe. Für mich war das aber einfach nie ein Thema, ich war so mit ihm befreundet. Das hatte nichts mit Fußball zu tun.“

Doch mit der Zeit ging es bei ihnen mehr und mehr um Fußball.

Ehe Janko nach der Nicht-Teilnahme an der EURO 2008 mit 39 Toren regelrecht seinen Frust abbaute, hatte der ÖFB-Team-Stürmer lange Zeit mit seiner Hüfte zu kämpfen. In dieser Leidenszeit begleitete Steiner Janko. Dieser erkannte die vorhandene Kompetenz und dankte es, indem er seinen Kumpel zurück in den Fußball beförderte.

„Im Prinzip bin ich ja durch Zufall zurück zum Fußball gekommen, eben durch diese Freundschaft zu Marc Janko. Der hat mich auf die Idee gebracht, wieder etwas im Fußball zu machen. So habe ich meine Trainer-Karriere im Nachwuchs von Red Bull begonnen und war dann später in Saalfelden.“

Von Saalfelden nach St. Pölten

Steiner verließ als Meister-Coach der Salzburg-Liga Saalfelden, war danach unter anderem auch ein Kandidat bei Austria Salzburg - Klaus Schmidt bekam den Job - und wurde in Niederösterreich fündig.

Alles richtig gemacht, könnte man sagen. Doch Steiner geht es um mehr, als nur Profi-Coach zu sein. „Die Übergangsphase eines talentierten Spielers in den Profi-Bereich liegt mir unglaublich am Herzen. Da gibt es in Österreich noch sehr viel Entwicklungspotenzial. Das habe ich mir auf die Fahne geschrieben.“

In der Ersten Liga hat Steiner ebenfalls mit vielen jungen Spielern zu tun, die sich den Weg nach oben bahnen möchten.

Aus eigener Erfahrung weiß er, dass es dabei Hilfe benötigt. „Ich weiß auch von meiner Trainer-Tätigkeit her, wie wichtig es ist, Spieler zu begleiten. Das ist auch eine meiner Haupt-Motivationen, als Trainer zu arbeiten. Das, was bei mir nicht gemacht worden ist.“

Und die Story von Michael Steiner ist damit noch lange nicht zu Ende.

 

Bernhard Kastler

Doch Steiner konnte sich den Weg nicht bahnen.

„Entscheidend war, dass ich nicht gut genug war. Ich war talentiert, aber ich hätte begleitet gehört – von einem Trainer, von einem Verein. Es wurde damals weniger darauf Wert gelegt, dass man junge Spieler weiterentwickelt. So kam das eine zum anderen. Ich war ein Jahr in der zweiten Liga, habe dann ein Jahr gar nicht gespielt. Hinzu kamen Verletzungen, so dass ich es mit 24 Jahren ganz habe sein lassen“, skizziert Steiner das jähe Ende seiner aktiven Karriere.

Die harsche Gludovatz-Kritik an Baric

Das tat vor allem einem seiner früheren Trainer besonders weh.

Paul Gludovatz, der Steiner als Nachwuchs-Teamchef betreute, ging deswegen vor einigen Jahren in einem Interview mit dessen früherem Klub-Trainer, Otto Baric, sehr hart ins Gericht.

„Ein in Österreich sehr prominenter Ex-Trainer hat mir vor Jahren eines meiner größten Talente umgebracht. Ein paar Monate vor einem wichtigen Europacup-Spiel in Italien hat dieser Trainer dem jungen Mann nahegelegt, doch mit der Schule aufzuhören und Profi zu werden, dann würde er  regelmäßig im Europacup zum Einsatz kommen. Dieser junge Spieler hat sein Leben für einen zwanzigminütigen Einsatz gegen Inter Mailand weggeschmissen. Ich habe ihn später nur noch in der Disco gesehen, aber hinter der Theke als Barkeeper. Wie kann man als Trainer einem jungen Menschen nur so etwas raten? Im Februar hatte er mit der Schule aufgehört, im Mai hätte er Matura-Termin gehabt. Das verzeihe ich diesem Trainer nie“, ließ der Burgenländer damals gegenüber dem Magazin "Null-Acht" wissen.

Darauf angesprochen erkennt sich Steiner zweifellos wieder: „Ja, da handelt es sich um mich, aber es ist etwas überzeichnet.“

Steiner fehlte es an der Begleitung

Der heutige Coach, der selbst mit Gludovatz seine Sträuße ausgefochten hatte, aber mittlerweile gut mit ihm kann, klärt auf: „Es war einfach so, dass ich mit der Schule aufgehört und nicht maturiert habe. Das war aber weniger auf Betreiben von Herrn Baric, es ist sich zeitlich einfach nicht mehr ausgegangen.“

Auch in diesem Fall hat sich Steiner damals zu wenig geführt gefühlt.

„In so einem Fall, eben punkto Begleitung, kann man natürlich einen Spieler an die Hand nehmen. Ich war offensichtlich selbst nicht weit genug dafür, dass ich erst die Matura mache und dann kicke“, gibt Steiner unumwunden zu, hält aber auch lächelnd fest: „Ich glaube, ich darf sagen: Mein Leben wurde dadurch nicht weggeworfen. Ich bin auch so eine einigermaßen gereifte Persönlichkeit geworden.“

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