"Es ist ein trauriger Tag für den Fußball!"

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Ein beeindruckendes Bild bot sich den Geschäftsleuten der Hartberger Fußgängerzone noch rund zwei Stunden vor dem Anpfiff des Relegations-Rückspiels gegen den GAK. Hunderte „Rote“ zogen durch die Innenstadt der 6.500-Seelen-Stadt in der Oststeiermark und brüllten Parolen, die von roten Bengalen und lauten Böllern begleitet wurden.

Schon zwei Stunden vor dem Anpfiff von FIFA-Referee Markus Hameter war die „Festung“ Hartberg fest in Hand der GAK-Anhänger. Der Aufmarsch endete beim Hartberger Stadion, das sogleich mit Spruchbändern und Fahnen „umgefärbt“ wurde. „Für uns, für euch, für Graz“, war auf einem Transparent der GAK-Fanklubs zu lesen.

Fans schreiben Geschichte

Ein weiteres Spruchband verlautbarte: „Die Zeit ist reif, um Geschichte zu schreiben!“ Und Geschichte schrieb der GAK an diesem Abend. Nur waren die Protagonisten diesmal nicht die Spieler, sondern einige „Fans“ – und diese Geschichte war alles andere als schön.

Die Hartberger jubelten mit Verspätung

Publikum musste auf Feier warten

Peter Truzla, der ÖFB-Spieldelegierte, erklärte: „Der Einsatz der Polizei ist planmäßig verlaufen, das war alles so abgesprochen. Es ist nur leider so, dass die Personen den Stadion-Innenraum nicht verlassen haben, sondern tätlich auf die Polizei losgegangen sind. Wir waren gewarnt, aber erwartet haben wir das nicht. Grundsätzlich wird Fußball gespielt, damit Fußball gespielt wird. Fanausschreitungen können aber passieren.“

Die TSV-Fans wurden zu ihrer eigenen Sicherheit gebeten, auf den Plätzen zu bleiben und gegnerische Anhänger nicht zusätzlich zu provozieren. Zudem warteten die „Blau-Weißen“ auf das erneute Erscheinen ihrer Helden. Nach dem offiziellen Abbruch ließen sich die Spieler auch noch blicken und feierten mit dem begeisterten Publikum.

Fußball - Familienspektakel?

Es war eine Feier mit bitterem Beigeschmack und vor ungewohnter Kulisse. Im Hintergrund gab es immer noch Kämpfe zwischen Polizei und Randalierern, bei denen auch Tränengas eingesetzt wurde.

Ein Hooligan wurde vor den Hartberg-Zuschauern – unter denen sich auch viele Kinder befanden - von der Polizei brutal zu Boden gerissen und festgenommen, nachdem er die Heim-Fans anpöbelte.

Schon bei der Sicherheitsbesprechung vor dem Spiel verrieten die Grazer Fans dem ÖFB-Delegierten und den Verantwortlichen der Behörden ihre Devise „Sieg oder Spielabbruch!“ Der Platzsturm war angekündigt, nicht umsonst wurde dieses Relegations-Duell als Hochrisiko-Spiel tituliert und deswegen waren etwa 200 Polizisten im Stadion postiert.

Und es kam, wie es kommen musste: Als der TSV mit dem Tor zum 3:0 die Entscheidung herbeiführte, stürmten etwa 20 bis 30 GAK-Anhänger mit Hawaii-Shirts die Laufbahn. Die Polizei formierte sich schnell und zog eine schwarze Menschenmauer zwischen Spielfeld und Hooligans auf. Wieder wurden bengalische Feuer gezündet, wieder wurden Böller geworfen.

Verwüstungen in Hartberg

Schiedsrichter Hameter unterbrach die Partie und schickte die Akteure in die Kabinen. Nach exakt 30 Minuten wurde die Partie offiziell abgebrochen, da ein sicheres Weiterspielen nicht möglich war. Zu diesem Zeitpunkt lieferten sich Exekutive und Randalierer noch immer Auseinandersetzungen. Banden wurden aus der Verankerung gerissen, eine Klomuschel fand sich auf dem Spielfeld wieder.

Um 21:45 Uhr, genau eine Stunde nach dem Abbruch, verließen die letzten Aufständischen den Stadion-Innenraum, um außerhalb der Spielstätte weiter zu wüten. Die Glasblende einer Werbetafel musste etwa dran glauben.

Der sportliche Leiter des GAK, Walter Koleznik stellte sich nach den Geschehnissen mit hängendem Kopf den Journalisten. Für ihn ist ein Traum auf brutale Art zerbrochen.

Zu den Ausschreitungen meint der ehemalige Spieler: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man auf eine 0:3-Niederlage so reagieren kann. Ich habe das nicht erwartet. Der Präsident war vor der Partie bei allen Fangruppen. Das hat anscheinend nichts geholfen.“

Traurige Szenen eines Fußball-Spiels

„Es ist ein trauriger Tag für den Fußball!“, bringt TSV-Obmann Franz Grandits das Geschehene auf den Punkt. „Die Partie war entschieden, der GAK hat auch gut gespielt. Ich bin traurig, weil wir heute nicht einmal richtig feiern können. Es ist schade für den GAK, sie haben eine tolle Saison gespielt und haben sich diese Ausschreitungen nicht verdient.“

„Für uns, für euch, für Graz“ - die Aktionen, die zum Abbruch führten, helfen weder dem Klub, noch der Stadt. Zahlreiche GAK-Fans standen noch lange nach dem „Schlusspfiff“ kopfschüttelnd da und schämten sich für die Taten anderer.

Enttäuschte GAK-Fans

„Ein paar Deppen zerstören ein ganzes Spiel. Hartberg hat die Chancen genützt, wir nicht. Deswegen muss man sich aber nicht so aufführen!“, meinte ein enttäuschter Jugendlicher in rotem Trikot.

Nun ist der Verband am Zug. Der Spielabbruch, die Gewaltanwendungen, die Verwüstungen im Stadion, die Böller-Würfe und die bengalischen Feuer, all das muss nun untersucht werden und wird dem GAK teuer zu stehen kommen, wie Koleznik erklärt: „Der Nicht-Aufstieg und diese Ausschreitungen sind ein Riesenproblem. Das kann der GAK nicht verkraften. So etwas darf nicht passieren. Ich kann mich nur entschuldigen. Es tut mir wahnsinnig leid!“

„Die Zeit ist reif, um Geschichte zu schreiben!“ Der GAK und der steirische Fußball sind um eine traurige Geschichte reifer, denn die sportlichen Leistungen beider Mannschaften in den 76 Minuten vor dem Spielabbruch werden schnell in Vergessenheit geraten.

 

Rainer Liebich

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