Mehrkampf um den Verbleib in der Ersten Liga

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Am Freitag startet die Erste Liga in ihr Frühjahr – und die Ausgangsposition könnte spannender nicht sein.

Oben wie unten versuchen mehrere Teams ihr großes Ziel zu erreichen, sei es der Aufstieg in die Bundesliga oder der Verbleib in der aktuellen Spielklasse.

Vor allem unten dürfte ein Krimi bis zum Schluss auf dem Programm stehen.

Ein Fall für drei oder fünf?

Mit dem FC Lustenau, der Vienna und Schlusslicht Hartberg befinden sich nicht weniger als drei Teams am Ende, die allesamt dieselbe Bilanz und damit gleichviel Punkte (19) aufweisen.

Mit Grödig (25) und St. Pölten (26) dürfen sich zudem zwei Mannschaften nicht allzu sicher sein, dass sie nicht doch noch in den Abstiegsstrudel geraten.

In erster Linie wird sich aber wohl das Trio ausmachen, wer absteigt und wer sich als Neunter mit einem Regionalliga-Meister um einen Platz in der nächsten Erste-Liga-Saison streiten muss.

LAOLA1 hat mit den drei Trainern der Tabellen-Nachzügler gesprochen und beleuchtet die Situation vor dem Wiederbeginn:

FC LUSTENAU

Canadi hatte seine erste Vorbereitung mit dem FCL

Platz 8, 19 Punkte, 31:43 Tore, -12

Während die anderen beiden Teams an ihren Trainern festgehalten haben, hatte der FC Lustenau noch während der Herbstsaison reagiert und im Oktober Hans Kogler mit Damir Canadi ersetzt. Dieser jubelte zum Einstand über einen fulminanten 6:1-Kantersieg bei Aufsteiger Blau-Weiß Linz, in der Folge verlor der FCL auch nur zwei der restlichen sechs Spiele und gewann unter anderem ein wichtiges bei der Vienna mit 3:2. Nun stand Canadi erstmals auch eine komplette Vorbereitung zur Verfügung.

„Wir haben uns in der Abwehr sehr stabilisiert, was auch notwendig war. Wir haben zu viele Tore bekommen. Ich hoffe, dass wir das jetzt besser machen, aber auch die Balance nach vorne nicht vermissen lassen“, erklärt Canadi, der vom Regionalligisten Simmeringer SC ins Ländle wechselte.

Die Vorarlberger waren am Transfermarkt am aktivsten: Fünf Spieler kamen, unter anderem Canadis ehemaliger Schützling, der Österreicher Osman Ali Abd Al Rahman. Sechs Spieler gingen. Auch der Bruder von Samuel Eto’o, Etienne, musste das Ländle verlassen. Die Hoffnungen im Sturm ruhen nun auf Wacker-Leihe Lukas Hinterseer und vor allem auf Neuzugang Enes Novinic.

Lustenau auf „Meistertitel“ aus

„Mit ihm haben wir einen kroatischen Stürmer an Land gezogen, ein großer Verdienst des Präsidenten. Enes hat kontinuierlich in der Ersten Liga gespielt, sieben Tore erzielt und von ihm erhoffen wir, dass er die notwendige Verstärkung im Kampf gegen den Abstieg ist.“

Trainer Canadi („Es macht riesigen Spaß im Profi-Bereich Chefcoach zu sein“) gilt als Arbeiter. Er lebt es vor, seine Spieler sollen nachziehen: “Es ist wichtig, ein gutes Kollektiv auf den Platz zu bringen und dass jeder für das Ziel Klassenerhalt alles gibt. Wir müssen uns alle am Limit bewegen, unsere Spiele gewinnen und wenn wir die notwendigen Punkte einfahren, bin ich davon überzeugt, dass wir auch oben bleiben.“

Wie kann man den Abstiegskampf etwas freundlicher gestalten? Indem man die Ziele etwas anders benennt, wie Canadi offensichtlich weiß: „Wir haben gesagt, Platz acht ist der Meistertitel, Platz sieben die Europa-League und Platz sechs die Champions League.“ Der Meistertitel würde für den Anfang wohl schon reichen…

 

FIRST VIENNA FC

Tatar will am Ende einen Blumenstrauß

Platz 9, 19 Punkte. 27:41 Tore, -14

Die Vienna hatte sich den Herbst anders vorgestellt. Ganz anders. Dieses Mal wollte die Mannschaft von Trainer Alfred Tatar nicht wieder in den Abstiegsstrudel geraten, sondern sich im Mittelfeld konsolidieren. Es kam anders. Ganz anders. Mit fünf Niederlagen am Schluss, die letzten beiden zu Hause gegen den FC Lustenau und Hartberg, landeten die „Blau-Gelben“ mitten im Tabellenkeller.

Tatar wurde kurz danach das Vertrauen ausgesprochen. Nun soll das Frühjahr wie vergangene Saison die Kehrtwende bringen. „Für unser Ziel Platz acht sind 15 Spiele notwendig und zwar aus einem Guss“, hält der 48-Jährige fest. Die Vienna nennt dies die „Unabsteigbar-Tour“.

Dafür wurde die Mannschaft etwas umgebaut. „Der Stamm ist uns erhalten geblieben, wir haben uns punktuell verstärkt. Und ich denke, wir haben uns wirklich verstärkt. Da nicht nur Spieler einfach dazu gekommen. Alle vier werden uns helfen, unser Ziel zu erreichen“, ist Tatar hoffnungsvoll.

Neues und spanisches Blut

Gekommen sind Florian Sturm für die linke Problemseite, Keeper Thomas Dau sowie die Stürmer Julian Erhart und Nacho Verdes. Auch die Vienna setzt damit wie mittlerweile viele andere Mannschaften auf spanisches Blut. Die Testspiele, in denen vor allem das 4-2-3-1-System im Fokus stand, und deren negative Ergebnisse bereiten dem Coach indes keine Sorgen. „Diese Spiele wurden bestritten, um das eigene Leistungsvermögen zu überprüfen – konditioneller, technischer und taktischer Natur.“  

Das Trainer-Unikat baut zudem auf die vergangene Saison auf („Da sind wir schon mit dem Rücken zur Wand gestanden und haben es geschafft – die Erfahrung spricht für uns“) und hofft, dass noch weitere Mannschaften in den Strudel geraten. „Konkurrenz belebt das Geschäft und die Vereine auf den Plätzen acht, neun und zehn werden versuchen, andere Klubs einzubinden, um das Geschäft noch blühender zu machen.“

Und Tatar hat das perfekte Bild zu Saisonende schon vor Augen: „Letzten Endes muss bei uns ein großer Blumenstrauß am Tisch stehen, dazu eine Karte mit den Worten: Wir haben es geschafft.“

 

TSV HARTBERG

Kurt Garger baut auf Dynamik und Schnelligkeit

Platz 10, 19 Punkte, 25:45 Tore, -20

Auch bei den Steirern wurde im Herbst sowie über die Winterpause hinaus Kurt Garger das Vertrauen geschenkt. Die Hartberger wollen zum dritten Mal en suite die Klasse halten. Im Laufe der Herbstsaison konnte aus Sicht des 51-Jährigen, der seit Sommer den TSV trainiert, Hoffnung für dieses Unterfangen gewonnen werden.

„Wir hatten im Herbst sehr turbulente Spiele, aber im letzten Drittel haben wir gezeigt, dass wir im Begriff sind, uns in dieser Liga zu festigen. Zumal wir im Sommer doch einen großen Aderlass hatten. Ich glaube, wir haben eine Mannschaft, die hinsichtlich Kampfkraft und Spielerischem mit sehr vielen Klubs in der Ersten Liga mithalten kann“, ist Garger guter Dinge.

Sechs Spieler, darunter der zweitbeste Torschütze Rexhe Bytyci (LASK) und der enttäuschend aufspielende Cem Atan, wurden im Winter abgegeben, zwei Neue sind dabei. „Wir haben sie sorgfältig ausgesucht, zu Beginn der Transferzeit ein Anforderungsprofil erstellt. Wir wollten junge, dynamische und schnelle Spieler und ich glaube, beide entsprechen diesen Anforderungen“, schildert Garger.

Schnell und dynamisch

„Josip Fucek ist ein Stürmer aus der ersten Liga in Kroatien: Ein schneller, gewandter Angreifer. Admir Salihovic ist ein Bosnier-Kanadier, ein sehr dynamischer Mittelfeldspieler, der über ein kluges Passspiel verfügt“, ist der Trainer mit den Neuen zufrieden. „Das sind alles Dinge, die uns ab und zu vielleicht noch gefehlt haben. Ich glaube, sie passen sehr gut in unsere Truppe, weil wir grundsätzlich schon sehr dynamisch und schnell sind. Sie werden uns helfen, den Kampf gegen den Abstieg positiv zu bestreiten“, ist sich Garger sicher.

Wie Tatar zieht auch der Hartberg-Coach die Möglichkeit eines Fünfkampfs gegen den Abstieg in Betracht: „Hinten sind drei Vereine mit 19 Punkten. Es wird vieles vom Start abhängen. Gewinnen wir gegen Grödig, das sechs Punkte vor uns liegt, dann können sie auch nicht sagen, dass sie nicht dabei sind. Grundsätzlich wollen wir aber auf uns selbst schauen, dazu ist ein guter Saisonstart von Nöten.“

Das gilt für auch für den FC Lustenau und die Vienna. Denn es kann nur einen aus dem Trio geben, der sicher die Klasse hält. Ein spannender Kampf gegen den Abstieg kann losgehen.

 

Bernhard Kastler

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