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Das Erfolgsrezept von Uruguay-Coach Oscar Tabarez

Argentinien hin, Brasilien her – Uruguay ist das aktuell beste Team Südamerikas.

Nach dem Einzug ins WM-Halbfinale 2010 stellte das kleine 3,5 Millionen-Einwohner-Land die Fußball-Riesen auch bei der Copa America in den Schatten.

Mit einem souveränen 3:0 gegen Paraguay holten sich die „Urus“ den Titel, während sowohl die „Selecao“ als auch die „Albiceleste“ bereits im Viertelfinale scheiterte.

Dabei stehen mit Diego Forlan, Luis Suarez und Edinson Cavani „nur“ drei echte Superstars in den Reihen des zweimaligen Weltmeisters (1930, 1950). Kein Vergleich zu den zahlreichen argentinischen und brasilianischen Kalibern ala Messi, Tevez, Aguero und Mascherano oder Neymar, Robinho, Lucio und Dani Alves.

Uruguay überzeugte dafür mit taktischer Cleverness und einem starken Kollektiv – Attribute, mit denen Nationaltrainer Oscar Tabarez die individuellen Schwächen seiner Mannschaft ausglich.

Der LAOLA1-Taktik-Corner erklärt in fünf Punkten das Erfolgsrezept des frischgebackenen Copa-America-Siegers:

  • Kollektiv und Kontinuität

„Die richtige Mischung macht es aus“ - Diese Phrase hört man oft aus dem Mund von Fußball-Trainern. Uruguay-Coach Tabarez scheint innerhalb seines Teams den passenden Mix gefunden zu haben: Der Kader der „Celeste“ reicht von jungen Talenten, wie Nicolas Lodeiro von Ajax Amsterdam, über gestandene Europa-Legionäre wie Altelticos Diego Godin oder Bolognas Diego Perez bis zu routinierten Führungsspielern wie Diego Lugano (Fenerbahce). Seit 2006 schwingt Tabarez bei Uruguay das Zepter und seitdem hat er seine Mannschaft kontinuierlich aufgebaut. Aus dem starken Kollektiv ragen natürlich die drei stürmenden Superstars Cavani, Suarez und Forlan heraus. Sie zeigen jedoch keine Star-Allüren und fügen sich perfekt ins Spiel ein. Die richtige Mischung macht es eben aus und diese ist auch Voraussetzung für den zweiten Punkt im Erfolgsrezept der Uruguayer.

 

Uruguay gegen Peru

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Startelf im ersten Gruppenspiel gegen Peru (1:1)

  • Taktische Flexibilität und Cleverness

Egal ob 3-5-2, 4-4-1-1, 3-4-3 oder 4-3-3 – Uruguay kann all diese Systeme spielen. Tabarez, der 1996 auch den AC Milan trainierte, hat keine bevorzugte Formation. Der Anhänger von Che Guevara stellt seine Mannschaft immer mit Blick auf den Gegner auf. So erkannte er vor dem Viertelfinale gegen Argentinien, dass die „Gauchos“ aufgrund der stark nach innen ziehenden Außenstürmer zumeist durch die Mitte spielen. Also ließ er sein Team in einem eng stehenden 4-4-1-1 auflaufen, das die Flügel vernachlässigte. Gegen Messi durfte sich auf der linken Außenverteidigerposition Rechtsfuß Martin Caceres versuchen, um dessen Dribblings zur Mitte zu unterbinden. Während der Copa spielte Uruguay mit vier verschiedenen Systemen. Genauso erstaunlich wie Tabarez' Ideenreichtum ist jedoch auch die Spielintelligenz seiner Schützlinge. Es erfordert eine Menge an taktischer Trainingseinheiten, um mehrere Systeme ohne Abstimmungsprobleme spielen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Startelf im zweiten Gruppenspiel gegen Chile (1:1)

  • Ein klares Konzept

Tabarez wechselte seine Systeme also so oft, wie so manch anderer sein Paar Socken. Dies änderte jedoch nichts an dem grundlegenden taktischen Konzept, mit dem Uruguay in jede Partie ging. Der Fußball-Lehrer aus Montevideo verpasste seiner Mannschaft eine eher defensive Spielphilosophie, die auf schnellen Gegenstößen beruht. Schon bei der WM in Südafrika fiel auf, dass Uruguay zumeist weniger vom Spiel hatte, als der Gegner. Die Abwehr wartete zumeist tief in der eigenen Hälfte auf die gegnerischen Angriffe und startete bei Ballgewinn schnelle Konter. Die grundlegende Idee hinter dem Konzept erscheint simpel und ebenso genial: Hinten sicher stehen und vorne auf die individuellen Stärken der Starstürmer setzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Startelf im Viertelfinale gegen Argentinien (1:1, 6:5 n.E.)

  • Spieler und System passen zueinander

Das taktische Konzept Uruguays ist zudem perfekt auf das Spielermaterial abgestimmt. Die Stürmer-Stars Forlan, Suarez und Cavani, der bei der Copa verletzungsbedingt nur drei Spiele machte, genießen vorne einige Freiheiten. Forlan schlüpft dabei öfters in die Rolle des Spielgestalters hinter den Spitzen. Dahinter sichern mit Egidio Arevalo und Diego Perez zwei zuverlässliche Sechser ab. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler sind die einzige Konstante im Spiel der Uruguayer. Lässt Tabarez ein 3-5-2 spielen, dann nützt er die starken Flügelspieler Alvaro und Maxi Pereira von den portugiesischen Groß-Klubs Porto und Benfica aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Startelf im Halbfinale gegen Peru (2:0)

  • Ein „Gameplan“ für jedes Spiel

Planlos gibt es nicht - Tabarez hat für jedes Spiel einen Gameplan parat. So wollte der Taktik-Fuchs im ersten Spiel bei der WM 2010 gegen Frankreich offensichtlich um jeden Preis einen Fehlstart in die Endrunde verhindern. Also legten die Uruguayer auch trotz schwächelnder Franzosen das Hauptaugenmerk auf die Defensive und sicherten das 0:0 ab. Gegen Argentinien im Copa-Viertelfinale wurde in der 38. Minute Diego Perez ausgeschlossen. Doch auch zu zehnt behielt die perfekt vorbereitete "Celeste" die Ordnung und hielt das 1:1, um über das Elfmeterschießen aufzusteigen. Tabarez ist also für jede Spielsituation gerüstet – einer von fünf Grundpfeilern seines Erfolgsrezeptes, von dem sich auch einige österreichische Trainer etwas abschauen könnten.

 

Jakob Faber

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