Was überlegen sich Pellegrini und Terim?

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Ein 4-2-3-1-System, aggressives Pressing und schnelles Umschalten.

Real Madrid und Borussia Dortmund ähneln sich in ihren Spielweisen. Gleichzeitig gehen sie beide als Favoriten in ihre Champions-League-Viertelfinali.

Denn Galatasaray Istanbul und der FC Malaga sind wohl die größten Außenseiter unter den acht verbliebenen Klubs der Königsklasse. Auf der einen Seite der türkische Champion mit den großen Stars Didier Drogba und Wesley Sneijder, auf der anderen Seite der spanische CL-Debütant, der erst eine Niederlage in diesem Bewerb einstecken musste.

LAOLA1 wirft einen Blick auf die taktische Ausrichtung der beiden Underdogs und analysiert, wie sie sich gegen Real und Dortmund behaupten könnten.

Galatasaray: Risiko oder Sicherheit?

Die Aufstellung Galatasarays beim 3:2-Erfolg im Viertelfinal-Rückspiel gegen Schalke. Es wäre jedoch keine Überraschung, würde Fatih Terim gegen Real von der Raute auf ein flaches 4-4-2 umstellen.

„Es gibt keinen Grund über Real zu reden. Jeder weiß, wie sie spielen. Sogar ein Sechsjähriger weiß das“, meint Galatasaray-Coach Fatih Terim gegenüber der „Marca“. Blöd nur, dass der Spielstil der Madrilenen den Türken so überhaupt nicht liegen dürfte.

Denn Galatasarays Stärken liegen in der Offensive. Diese ist mit Spielern wie Drogba, Sneijder und Burak Yilmaz hochkarätig besetzt. Aus der türkischen Liga ist es die Terim-Elf gewohnt das Spiel zu machen. Eine Tatsache, die dem besten Konter-Team der Welt aus Madrid in die Hände spielt.

„Wir wissen, dass Galatasaray es mag, anzugreifen. Das ist gut für uns“, streicht Cristiano Ronaldo nicht umsonst hervor.

Die Systemfrage

Seit Drogba und Sneijder im Winter nach Istanbul wechselten, versuchte es Terim mit zwei verschiedenen Systemen. Zunächst war das flache 4-4-2 en vogue. Seit dem erfolgreichen Achtelfinal-Rückspiel gegen Schalke setzt der alte Trainerfuchs jedoch auf eine Raute im Mittelfeld.

Eine Formation, die gegen Real wohl ins Auge gehen würde. Denn auf den Außenverteidigerpositionen sind mit Emauel Eboue und Albert Riera nicht gerade Defensiv-Künstler im Einsatz. Ohne ausreichende Unterstützung aus dem Mittelfeld dürften sich die ehemaligen England-Legionäre gegen Ronaldo und Angel Di Maria schwer tun.

Es scheint daher wahrscheinlich, dass Terim zumindest auswärts sein System den Gegebenheiten anpassen wird. Eine Rückkehr zum flachen 4-4-2 wäre eine Möglichkeit. Mit einer Doppelsechs aus Selcuk Inan und dem wieder erstarkten Felipe Melo sowie Hamit Altintop und Riera auf den Flügeln könnte das Mittelfeld dicht gemacht werden. Hakan Balta würde dann, wie schon im letzten Ligaspiel, den Linksverteidiger geben.

Muss Drogba auf die Bank?

Die Kehrseite dieser möglichen Umstellung: Einer der drei Offensiv-Stars müsste draußen bleiben. Sneijder, der am Flügel wohl defensiv zu schwach wäre, könnte hinter den Spitzen für Kreativität sorgen. Im Angriff dürfte Champions-League-Toptorschütze Yilmaz die besseren Karten als Drogba haben.

Jedenfalls wird es spannend, wie "Schlitzohr" Terim das Spiel anlegt. Vielleicht nimmt der 59-Jährige, der die Türkei 2008 ins EM-Semifinale führte, auch das Risiko, und versucht die kreativen Stärken seiner Mannschaft auszuspielen.

Im Vorfeld gibt sich Terim zumindest selbstbewusst: "Ich lehne es ab, unseren Stil zu ändern. Wir wollen uns den Respekt der Leute verdienen und haben vor niemandem Angst.“ Ob Real diese Kampfansage ernst nehmen sollte oder es doch nur ein taktischer Bluff ist, wird sich herausstellen.

 

Malaga: Was macht Pellegrini?

Malagas Aufstellung beim 2:0-Sieg über Porto im Viertelfinal-Rückspiel. Im 4-2-3-1-System haben die Offensiv-Spieler viele Freiheiten, um zu rochieren.

Eigentlich ist es erstaunlich. Die Südspanier werden von finanziellen Problemen gebeutelt und müssen Schlüsselspieler verkaufen. Trotzdem mischt Malaga in dieser Saison die Champions League auf.

Hinter dem Erfolg steht ein gewiefter Trainer. Manuel Pellegrini führte schon Villarreal als CL-Debütant 2006 bis ins Semifinale. Nachdem er bei Real Jose Mourinho Platz machen musste, weckt er nun mit seiner Arbeit bei Malaga die Begehrlichkeiten anderer Spitzenvereine. Chelsea soll den Chilenen auf der Rechnung haben.

Bei den „Boquerones“ kann er auf eine erfahrene Mannschaft zurückgreifen. Routiniers wie Martin Demichelis, Jeremy Toulalan oder Joaquin bilden das Gerüst des Teams. Der große Star ist aber ein ganz Junger: Isco. Der 20-jährige Spanier zieht im offensiven Mittelfeld die Fäden.

Flexibel und kombinationsstark

Gegen Dortmund wird Malaga zunächst auf eine gesicherte Defensive setzen. Im 4-2-3-1-System von Pellegrini bilden die beiden Sechser zusammen mit der Viererkette einen kompakten Defensiv-Block, der offensiv nicht viel Risiko eingeht.

Davor hat Pellegrini einige Möglichkeiten. Neben Youngster Isco, der sowohl außen als auch zentral spielen kann, sind Joaquin, Julio Baptista oder auch Franscisco Portillo heiße Kandidaten auf einen Einsatz in der Dreierreihe hinter dem Angriff. Dort streiten sich Javier Saviola und Roque Santa Cruz um einen Platz.

Die Stärke der Malaga-Offensive ist ihre Flexibilität und Kombinationsstärke. Isco und Co. rochieren viel. Die Außenspieler können das Spielfeld breit machen, aber auch nach innen ziehen. Diese Variabilität könnte dem BVB Probleme bereiten.

Zumindest Real wurde schon besiegt

Zudem muss Malaga versuchen, im Konterspiel in die Räume hinter die Außenverteidiger zu kommen. Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek agieren normalerweise sehr offensiv. Das könnte vor allem dem immer noch schnellen Flügel Joaquin zu Gute kommen.

Im Spiel gegen den Ball besticht Malaga durch ein klug gespieltes Pressing. Dabei betreiben zumeist nur die offensiven Vier aggressives Forechecking, während dahinter das defensive Mittelfeld und die Abwehr absichert.

Auf diese Weise besiegte die Pellegrini-Elf immerhin schon Real - 3:2 konnten die „Königlichen“ im Dezember bezwungen werden (Highlights bei LAOLA1.tv). Ein gutes Omen für die Partie gegen das ähnlich spielende Dortmund.

 

Jakob Faber

 

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