Aufmacherbild

Außenseiter Nikosia fiebert in Real Madrid entgegen

Es scheint, als stehe die wunderbare Reise APOEL Nikosias vor ihrem Ende.

Am Dienstag baut sich im Heimhinspiel des Champions-League-Viertelfinales (20.45 Uhr) mit Real Madrid der neunfache Champions-League- oder Meistercup-Rekordsieger vor den Außenseitern auf.

Doch zu verlieren haben die Zyprioten nichts, schon mit dem Einzug in die K.o.-Phase ist dem Team mit dem kleinsten Budget aller Viertelfinalteilnehmer Historisches gelungen.

"Die Uhr für das Treffen mit der Fußballgeschichte tickt für APOEL", schrieb am Montag die Zeitung "Goal News".

Wohtuende Abwechslung

Es mag das einseitigste Duell aller Viertelfinali in der Königsklasse sein, für wohltuende Abwechslung sorgt es allemal.

Dank des unerwarteten zyprischen Vorstoßes sind im Viertelfinale Teams aus sieben verschiedenen Ländern (Deutschland, England, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Zypern) vertreten - das hat es seit der Saison 1996/97, als zum letzten Mal nur die nationalen Meister teilnehmen durften, nicht mehr gegeben.

"Haben uns Respekt erworben"

Geschlagen geben will sich APOEL, das am Freitag über ein torloses Remis gegen den Stadtrivalen Omonia nicht hinauskam, aber noch nicht.

Immerhin hat das Team des serbischen Trainers Ivan Jovanovic seit dem Einstieg in der zweiten Qualifikationsrunde fünf seiner sieben Heimpartien gewonnen, dabei 2:1-Erfolge gegen Zenit St. Petersburg und den FC Porto in der Gruppenphase sowie ein 1:0 gegen Lyon im Achtelfinale gefeiert.

"Mit unseren Leistungen haben wir uns auf der ganzen Welt Respekt erworben, und wir wollen so weitermachen", meinte Jovanovic.

Fans glauben an ein Wunder

Doch der Serbe ist sich der Größe der Hürde bewusst. "Wir müssen perfekte Spiele machen, ohne Fehler, aber bei Real wissen wir nicht, ob das genug ist. Wir brauchen Ballbesitz. Sonst gehen wir unter", erklärte der 49-jährige.

Die Fans jedenfalls glauben an das Wunder und brachten das überforderte Kartenverkaufssystem bereits in der Vorwoche zum Erliegen. APOEL-Präsident Phivos Erotocritou musste sich bei tausenden enttäuschten Anhängern entschuldigen, die sich sinnloserweise stundenlang die Beine in den Bauch gestanden hatten.

Minimales Budget

Erotocritou, der mit russischen Jagdwaffen handelt, unterstrich den Außenseiterstatuts seines Teams, in dem fast nur Legionäre stehen. Der Club müsse mit einem Budget von neun Millionen Euro auskommen, erklärte er in der Onlineausgabe der spanischen Sportzeitung "As".

Zudem verdiene das Gros seiner Kicker durchschnittlich 250.000 Euro, lediglich zwei Spieler erhielten ein Salär von rund 400.000 Euro.

Real klarer Favorit

Dass für Real ausgerechnet der Underdog zum Stolperstein auf dem Weg zum ersten CL-Endspiel seit dem Triumph 2001 wird, scheint kaum vorstellbar. Diese Rolle könnte wohl eher Bayern München oder Olympique Marseille zufallen, den möglichen Halbfinalgegnern.

Sieben von acht Spielen haben die Madrilenen im Lauf des aktuellen Bewerbs gewonnen, lediglich bei ZSKA Moskau musste man sich im Sechzehntelfinalhinspiel mit einem 1:1 zufriedengeben.

Einige Ausfälle

Freilich erlebt Real derzeit einen kleinen Einbruch, ist der Vorsprung in der Primera Division auf den FC Barcelona nach zuletzt nur zwei Remis auf sechs Zähler geschmolzen.

Real-Coach Jose Mourinho, der bisher jedes seiner acht CL-Viertelfinaspiele gewinnen konnte, kann zudem personell nicht aus dem Vollen schöpfen. So fehlen die Mittelfeldakteure Xabi Alonso (gesperrt) und Lassana Diarra, Angel Di Maria, Ricardo Carvalho (alle Oberschenkel) und Jose Callejon (Knöchel).

"Heißer" Empfang für Ronaldo

Auf einen "heißen" Empfang muss sich indes Cristiano Ronaldo gefasst machen. Im September war der Kanonier (45 Saisontore) in der EM-Qualifikation beim Auftritt Portugals auf Zypern mit "Messi, Messi"-Rufen bedacht worden.

"Ich war damals beim Spiel und die Behandlung Ronaldos war die denkbar schlechteste", erinnerte sich Jovanovic. "Aber Madrid ist ein großer Club und verdient alle Achtung der Welt."

Benfica empfängt Chelsea

Im zweiten Dienstag-Spiel ruhen alle englischen Hoffungen auf Chelsea. Der letzte Vertreter von der Insel tritt als leichter Favorit bei Benfica Lissabon an. Die "Blues" wollen nach der 1:2-Niederlage gegen Manchester City und dem 0:0 gegen Tottenham Hotspur wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Die Gefahr, einen CL-Platz für die kommende Saison zu verpassen, ist derzeit akut. "Chelsea ist ein großer Name, aber wir werden deshalb keine schlaflosen Nächte haben", sagte Benfica-Sportdirektor Rui Costa.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»