Fünf taktische Brennpunkte vor dem UCL-Finale

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Wochenlang wurde der Gegner beobachtet. Vor den Stärken ist man gewarnt, die Schwächen sind aufgedeckt.

Das Champions-League-Finale zwischen Bayern und Chelsea ist auch ein taktisches Duell. Jupp Heynckes und Roberto di Matteo (LAOLA1-Portrait) werden ihre Mannschaften speziell auf das wohl wichtigste Spiel der Saison einstellen.

LAOLA1 kennt die fünf Brennpunkte, die das UCL-Endspiel prägen werden:

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1. Ballbesitz vs. Konterspiel

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass die Bayern mehr vom Spiel haben werden. Nur der FC Barcelona hatte in dieser Saison durchschnittlich mehr Ballbesitz pro Partie. Chelsea dagegen verfolgt seit der Entlassung von Andre Villas-Boas eine entgegengesetzte Spielauffassung. Wie in den beiden Partien gegen Barcelona par excellence gesehen, setzen die „Blues“ nun wieder auf schnelles und direktes Konterspiel. Eine Strategie, die die alte Garde der Londoner um Lampard, Drogba und Co. seit der Mourinho-Zeit verinnerlicht hat. Nicht selten ist dabei der lange Ball auf den Stürmer von der Elfenbeinküste eine Option. Die Bayern dagegen werden versuchen, über Kombinationsfußball an den Seiten in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Das UCL-Finale ist also auch ein Duell zweier unterschiedlicher Fußball-Philosophien.

2. Chelseas Grundsatzfrage

John Obi Mikel und Frank Lampard dürften gesetzt sein, doch wer besetzt die dritte Position im zentralen Chelsea-Mittelfeld? Fällt di Matteos Wahl auf Juan Mata, so spielt Chelsea wohl wie in der Liga ein klares 4-2-3-1. Entscheidet er sich jedoch für Mikael Essien, so dürfte die Formation eher jenem defensiven 4-5-1 ähneln, mit dem Barcelona eliminiert wurde. Letztlich verbirgt sich hinter dieser Frage eine Grundsatzentscheidung, wie Chelsea in der Defensive das Spiel organisiert. Mit drei Sechsern könnte der deutschen Passmaschinerie um Kroos und Schweinsteiger die Anspielstationen genommen werden. In diesem Fall würden die "Blues" wohl relativ tief stehen. Im Falle der zweiten Variante könnte Chelsea etwas früher mit dem Pressing beginnen, ähnlich der Dortmunder Taktik im Pokalfinale. Mata fiele dann die Kagawa-Rolle als Einfädler der schnellen Gegenangriffe zu. 


3. Barca fehlte ein Gomez

Chelsea zog dem FC Barcelona im Halbfinale mit einer tief stehenden Viererkette inklusive eng davor agierendem Fünfer-Mittelfeld den letzten Nerv. Da Bayerns Spielanlage jener der Katalanen ähnelt, könnte di Matteo es eigentlich mit derselben Taktik versuchen. Das Problem dabei: Mit Mario Gomez haben die Bayern einen Spieler, der einer tief stehenden Defensive sehr weh tun kann. Als kopfballstarken Strafraumfuchs kann man ihn auch einmal mit hohen Bällen füttern. Gelingt es Chelsea nicht, den Goalgetter (zwölf Treffer in dieser UCL-Saison) vom Tor fernzuhalten, könnte er zu Bayerns Ass im Ärmel werden.

4. Wie stoppt Chelsea "Rib-Rob"?

Ohne Zweifel gehört Bayerns Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribery zu den stärksten der Welt. Beide lieben es, mit einem Dribbling nach innen zu ziehen und infolgedessen für Torgefahr zu sorgen. Gerade die Aufstellung von Thomas Müller auf der Zehner-Position könnte in diesem Zusammenhang nützlich sein. Der deutsche Nationalspieler wird mit seinen Läufen für „Rib-Rob“ Räume öffnen. Chelsea sollte versuchen, Eins-gegen-Eins-Situationen auf den Flügeln zu verhindern. Deswegen werden vor allem die Sechser gefragt sein, hinter den beiden Außenverteidigern abzusichern, um Robben und Ribery den Weg nach innen zu versperren. Zudem sollten die beiden Flügelspieler der „Blues“ auf Vorstöße von Bayerns Außenverteidigern aufpassen.

5. Unsicherheitsfaktor Ausfälle

Ivanovic, Meireles, Terrry und Ramires bei Chelsea; Alaba, Luiz Gustavo und Badstuber bei den Bayern. Die Liste der Gesperrten ist lange. Ein Faktor, der das Spiel letztlich mitentscheiden wird. Bei den Engländern kommt es vor allem darauf an, wie gut das zuletzt verletzte Innenverteidiger-Duo Gary Cahill und David Luiz zusammenarbeitet. Letztgenannter Brasilianer könnte im Spiel nach vorne ein Trumpf sein, da er als spielstarker Verteidiger gilt. Die Bayern müssen zwar auf einen Spieler weniger verzichten, dafür aber vielleicht auf die taktisch Wertvolleren. Neben dem gerne unterschätzten Abwehrchef Holger Badstuber und dem in den vergangenen Monaten groß aufspielenden David Alaba wird insbesondere Luiz Gustavo den Münchnern abgehen. Der zweikampfstarke Brasilianer wäre eine gute Waffe gegen das gefährliche Konterspiel Chelseas gewesen. So aber müssen nun Toni Kroos und Bastian Schweinstiger taktische Disziplin beweisen, um Gegenangriffe der „Blues“ per schnellem Pressing schon frühzeitig zu unterbinden. Gegen Real hat dies, allerdings mit Gustavo, sehr gut funktioniert.

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Jakob Faber

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