Alles schief gelaufen und trotzdem weiter

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„Das Spiel hat mich drei Jahre meines Lebens gekostet.“

Ende gut, alles gut – dennoch schlug Sturm-Trainer Franco Foda die Performance seiner Mannschaft beim CL-Qualifikations-Rückspiel gegen Videoton schwer auf den Magen.

Trotz 2:3-Niederlage gelang den Grazern der Aufstieg in die nächste Runde, wo der Meister auf den georgischen Titelträger FC Zestafoni trifft. Dem 2:0-Erfolg im Hinspiel sei Dank.

Der Auftritt in Szekesfehervar, speziell die turbulente erste Halbzeit, bot jedenfals jede Menge Gesprächsstoff. LAOLA1 nennt die positiven und negativen Erkenntnisse der schwarz-weißen Dienstreise nach Ungarn.

AUFSTIEG: Das größte Plus: Sturm ist eine Runde weiter. Nur das zählt. Deswegen konnte Imre Szabics die Kritik an der Leistung auch nicht ganz nachvollziehen: „Warum soll ich jetzt über die schlechten Dinge reden? Wir haben weiter die Chance, in die Champions League zu kommen, und darüber sollten sich in Österreich eigentlich alle freuen. Wir sollten das nicht schlecht machen.“ Die Grazer hätten sich das Leben jedoch einfacher machen können, wie auch Foda fand: „Wenn man zu Hause 2:0 gewinnt und auswärts zwei Tore erzielt, sollte man eigentlich in Ruhe weiterkommen. Das war leider nicht der Fall.“ Man darf davon ausgehen, dass der grantig wirkende Deutsche die aufgetretenen Fehler seiner Elf in den kommenden Tagen gründlichst vor Augen halten wird.

DEFENSIVVERHALTEN: Das größte Manko Sturms war ohne Zweifel in der Rückwärtsbewegung zu suchen, womit wohlgemerkt die ganze Mannschaft und nicht nur die zuletzt heftig in der Kritik stehende Verteidigung gemeint ist. „Ich kann mich nicht zurückerinnern, dass wir einmal drei Tore kassiert haben. Das passiert uns normal nicht, denn üblicherweise sind wir eine sehr kompakte und taktisch gute Mannschaft“, schüttelte Andreas Hölzl den Kopf. In der kompletten Meistersaison passierte dies nur drei Mal (1:3 und 3:3 gegen Rapid, 0:3 gegen Salzburg). „In der ersten Halbzeit ist so ziemlich alles schief gegangen, was schlecht laufen konnte“, befand auch Ferdinand  Feldhofer. Der Kapitän gehört der durch den Abgang von Gordon Schildenfeld geschwächten Innenverteidigung an. Alles am Fehlen des Kroaten festzumachen, wäre jedoch unfair. Im Zusammenspiel der Formationen greift bei den „Blackies“ aktuell nicht ein Rad in das andere, viel zu oft wurde die Abwehr in Szekesfehervar von den Vorderleuten im Stich gelassen. Foda: „Das komplette Defensivverhalten war sehr mangelhaft, das darf auf diesem Niveau nicht sein. Das betrifft nicht nur die Verteidigung. Die Defensive beginnt vorne bei den Angreifern.“

„INTERVIEWVERBOT“: Sie dürfen etwas sagen. Sie dürfen doch nichts sagen. Nach Schlusspfiff herrschte Verwirrung in den Katakomben des Sostoi-Stadions. Kapitän Feldhofer war den Medienvertretern soeben Rede und Antwort gestanden, da hieß es plötzlich, Foda hätte seinen Spielern Interviewverbot gegeben – eine ungewöhnliche Maßnahme für den Meistercoach. Letztlich kann man wohl von einer „Empfehlung“ sprechen, denn obwohl viele  Spieler tatsächlich abwinkten und sich einen Kommentar verkniffen, stellten sich einige Akteure doch. Mündigen Kickern der routinierten Grazer Truppe den Mund zu verbieten, wäre wohl auch zu dünnhäutig gewesen. Foda dementierte auf der Pressekonferenz auch ein dezitiertes Interviewverbot, gab jedoch zu verstehen: „Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren. Für das Spiel am Samstag gegen Mattersburg brauchen wir viel Kraft, und die sollten wir nicht fürs Reden verschwenden.“

FREIE MITTEL FÜR NEUZUGANG: Der Champions-League-Traum ist nicht geplatzt. Die Chance, zumindest die Gruppenphase der Europa League zu erreichen, ist eine realistische. Mindestens zwei weitere internationale Heimspiele sind seit Mittwoch fix, also dürfte auch der Verpflichtung des gewünschten neuen Innenverteidigers nichts mehr im Wege stehen. Der vorsichtige Präsident Gerald Stockenhuber gab in Szekesfehervar de facto grünes Licht: „Jetzt kann man das Budget überdenken. Ich glaube, es geht ein bisschen mehr. Franco Foda wird mir am Donnerstag sagen, welchen Spieler er im Talon hat.“ Topfavorit ist wohl weiterhin der Ex-Salzburger Milan Dudic. Foda gab sich in Ungarn geheimnisvoll: „Auch wenn ich das Okay bekomme, wird es nicht einfach, kurzfristig einen Innenverteidiger zu holen, wobei ich mit einigen im Gespräch bin.“

Peter Altmann/Mate Esterhazy

KALTSCHNÄUZIGKEIT: So sehr man über die Vielzahl an Chancen, welche die Ungarn kreieren konnten, den Kopf schütteln durfte, so sehr durfte man vor der Moral der Grazer den Hut ziehen. Nach den ersten beiden Gegentreffern die Nerven zu bewahren und umgehend durch Tore von Hölzl und Feldhofer zurückzuschlagen, ist ein Zeichen von Qualität. „Man darf in dieser Phase nicht zu zweifeln beginnen. Das wäre das Schlimmste, was man tun kann“, erläuterte Hölzl, „Gott sei Dank haben wir immer zurückgeschlagen, sonst hätte es diesmal düster ausgesehen.“ Schon in der Vorsaison hatte Sturm die beste Trefferquote der Liga, auch diesmal brauchten die Grazer kaum Chancen für die beiden eminent wichtigen Auswärtstore. Feldhofer: „Als ich vor drei Jahren zu Sturm gekommen bin, haben wir immer 15 Chancen gehabt, aber kein Tor geschossen. Jetzt machen wir teilweise aus einer halben Chance ein Tor. Wir wissen, dass wir sehr kaltschnäuzig sind. Das haben wir uns in den letzten ein, zwei Jahren erarbeitet.“

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