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Das Salzburger Desaster und seine Folgen

Ein Blick in die internationalen Gazetten zeigt, wie groß der Schaden ist, den Red Bull Salzburg am Dienstag tatsächlich verursacht hat.

Im deutschsprachigen Raum ist das blamable CL-Quali-Ausscheiden gegen F91 Düdelingen Gesprächsthema Nummer eins.

Zwischen siebentem und achtem Himmel

„Millionen-Truppe Salzburg blamiert sich gegen Düdelingen. Für Sportdirektor Ralf Rangnick beginnt die Zeit in Salzburg direkt mit einer Riesen-Blamage! F91 wer? Düdelingen ist ein echter Fußball-Zwerg. Aber offenbar noch groß genug, um die von Red Bull gesponserten Salzburg-Stars auszuschalten“, titelte etwa die „Bild“.

Die Luxemburgische Zeitung „Le Quotidien“ schrieb: „Die Spieler von Düdelingen machten das Match ihres Lebens. F91 agierte wie eine Profimannschaft und schaltete nach einem völlig verrückten Spiel Salzburg aus und befindet sich irgendwo zwischen siebentem und achtem Himmel. Der österreichische Milliardär Dietrich Mateschitz muss nach einem neuen Zaubertrank suchen, um seinen Spielern Flügel zu verleihen.“

Ursachenforschung

Tja, wer den Schaden hat, braucht eben für den Spott nicht zu sorgen.

Aber viel wichtiger als Häme und Schadenfreude ist die Ursachenforschung.

Was führte zum Super-GAU, wo liegen die Fehler?

Und vor allem: Was sind die Folgen aus dieser historischen Pleite?

  • Fehler Nummer eins: Der Zeitpunkt

Umbrüche sind bei Red Bull Salzburg nichts Neues. Seit 2008 werden die Trainer fast jährlich ausgetauscht und mit ihnen gleich die komplette Philosophie. Was sich Big Boss Dietrich Mateschitz und seine Vertrauten aber vor allem in dieser Saison vorwerfen lassen müssen, ist der Zeitpunkt des radikalen Philosophie-Wechsels. Zwei Wochen haben sich die RBS-Verantwortlichen nach dem völlig überraschenden Abgang von Ricardo Moniz verstreichen lassen, ehe man sich schließlich entschied, alles komplett über den Haufen zu werfen. Zwei Wochen, in denen Interims-Trainer Niko Kovac versuchte, seine Philosophie auf die Mannschaft zu übertragen. In der Hoffnung, doch eine Dauerlösung zu werden. „Der Zeitpunkt des Trainerwechsels war sicher nicht günstig“, erklärt Martin Hinteregger offen und ehrlich. „Zuerst macht ein Trainer mit uns zwei Wochen die Vorbereitung, dann kommt der nächste Trainer für zwei Wochen und dann wieder ein Neuer. Jeder studiert etwas anderes mit uns ein.“ Dass das System Schmidt nach gerade einmal drei Wochen noch nicht greifen kann, liegt auf der Hand. Darum kann man dem Deutschen auch wenig vorwerfen, zumal er die Mannschaft nicht zusammengestellt hat.

  • Fehler Nummer zwei: Die Kaderzusammenstellung

Bei der Kaderzusammenstellung wurden schon vergangene Saison massive Fehler gemacht. Schmidt-Vorgänger Moniz erachtete es nach dem Alan-Ausfall als genug, mit nur zwei Stürmern in die Saison zu gehen. Als Roman Wallner (nicht unbedingt freiwillig) im Winter zu Leipzig abgeschoben wurde, kam Jonathan Soriano als Ersatz. Es blieb also bei zwei Angreifern. Bislang hat sich daran auch noch nichts geändert. Joaquin Boghossian kam zwar aus Uruguay zurück, spielt allerdings unter dem neuen Trainer keine Rolle. Gegen Düdelingen saßen drei (!) Innenverteidiger auf der Bank, Mittelfeld-Abräumer Stefan Ilsanker spielte stattdessen neben Hinteregger, Boghossian musste auf der Tribüne Platz nehmen. Nicht unbedingt der beste Schachzug von Schmidt, denn nach der Auswechslung von Stefan Maierhofer hatte er keinen gelernten Stürmer mehr zur Verfügung.

  • Fehler Nummer drei: Die Erwartungshaltung

Es war gut und wichtig, dass mit Volker Viechtbauer erstmals in der Red-Bull-Ära ein Vorstandsmitglied zur Öffentlichkeit sprach. Allerdings war es für die neue sportliche Führung weniger gut, dass dabei die Champions League als großes Ziel ausgerufen wurde. Und zwar sofort und nicht erst in drei Jahren. Für Rangnick und Schmidt eigentlich eine „Mission impossible“. Das neue Führungsduo soll in Salzburg die Philosophie, den Spielstil, den Kader massiv umkrempeln und gleichzeitig in die „Königsklasse“ einziehen? Dieser Spagat war im Prinzip in der kurzen Zeit nicht zu schaffen. Es wäre wohl besser gewesen, dieses Jahr als das zu bezeichnen, was es im Endeffekt ist: Ein Übergangsjahr. Wobei man zumindest die Hürde Düdelingen ohne Wenn und Aber hätte nehmen müssen.

  • Die Folgen:

Für Salzburg ist die europäische Saison nach nur zwei Spielen vorbei. Die Mehrfachbelastung fällt in diesem Jahr also weg. Es wäre also der perfekte Zeitpunkt, den radikalen Philosophie-Wechsel ebenso radikal durchzuziehen. Denn wann, wenn nicht jetzt? Nun könnte sich der Klub von hochbezahlten Legionären wie Boghossian, Lindgren, Douglas oder Zarate trennen und einen kompletten Neuaufbau durchziehen. Auch Maierhofer wird es schwer haben – der „Lange“ passt so gar nicht ins neue Konzept und wirkte in den bisherigen Spielen wie ein Fremdkörper. Der 26-Mann-Kader hat mit einem Durchschnittsalter von 25,5 Jahren ohnehin keine Zukunft. Zumindest nicht so eine, wie sie sich Neo-Sportdirektor Ralf Rangnick vorstellt. Dem neuen starken Mann schwebt eher ein Modell a la Hoffenheim vor, wo das Durchschnittsalter der Startelf regelmäßig unter 23 Jahren lag. Uganda-Youngster Emmanuel Okwi (19) sowie Norwegen-Talent Valon Berisha (19) könnten die ersten Vorboten für „Salzburg neu“ werden. Wenn das blamable Ausscheiden gegen Düdelingen etwas Gutes hat, dann das, dass man in der Mozartstadt endlich „Tabula rasa“ machen kann.

Kurt Vierthaler

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