Tiago hat sein Zuhause gefunden

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Die Karriere von Tiago Mendes hatte schon einiges zu bieten.

In fünf der sechs stärksten Ligen Europas war er beschäftigt, hat an der Seite von Spielern wie Alessandro Del Piero, Claude Makelele, Pavel Nedved oder Juninho gespielt und wurde vier Mal Meister.

Doch auch der portugiesische Mittelfeldmann musste mit Rückschlägen kämpfen. So einer brachte Tiago vor über fünf Jahren zu Atletico Madrid. Es sollte sich als Glücksfall für den heute 33-Jährigen herausstellen.

Mit den „Rojiblancos“ trifft Tiago am Dienstag auf Stadt-Rivale Real Madrid im Viertelfinale der Champions League (20:45 Uhr, im LAOLA1 LIVE-Ticker), Trainer Diego Simeone wird auf sein „Gehirn“ im Mittelfeld bauen. Speziell gegen die „Königlichen“, etablierte er sich in dieser Saison doch als Real-Spezialist.

Die ersten Schritte

Fußballerisch groß geworden ist Tiago bei Sporting Braga, doch sein Potenzial wurde schnell erkannt und so schnappte sich Benfica Lissabon um 2,5 Millionen Euro das damalige Talent. Anpassungsschwierigkeiten beim portugiesischen Topklub hatte er keine. Schnell etablierte er sich in der Stammelf und wusste mit seiner Aggressivität und seinem Überblick zu überzeugen.

Der Meistertitel war ihm mit Benfica nicht gegönnt, auch weil ein gewisser Jose Mourinho mit dem FC Porto ein Team von Weltklasse-Format geformt hatte. Eben dieser Mourinho war es dann auch, der Tiago 2004 mit nach England zu Chelsea nahm. Rund zehn Millionen Euro war er den „Blues“ wert.

Er wolle einen „guten Spieler zu einem großartigen Spieler verwandeln“, tönte „The Special One“ bei der Präsentation. Und auch Tiago selbst machte keinen Hehl daraus, warum es ihn nach London zog: „Mourinho wollte mich, also kam ich.“

„Ein großer Fehler“

Wie schon bei Benfica hatte der damals 23-Jährige keinerlei Schwierigkeiten mit  der Akklimatisierung beim neuen Verein. Er spielte sich schnell in die Stammelf und absolvierte insgesamt 49 Spiele in einer Saison. Lediglich eines bereitete ihm Kopfzerbrechen: „Das größte Problem ist das englische Essen.“

Tiago (l.) kam schon früher in Kontakt mit Real

Dennoch kam, für viele überraschend, nach nur einem Jahr der Abschied. Die Verpflichtung von Michael Essien trieb Tiago in die Flucht. „Ich wusste, dass es hart geworden wäre einen Stammplatz zu erhalten“, erklärte der Portugiese.

Da durch den Essien-Abgang bei Olympique Lyon ein Platz im Mittelfeld frei wurde, sicherte man sich die Dienste Tiagos. In Frankreich zeigte sich das gleiche Bild wie bei seinen vorherigen Stationen: Schnell war er in der Stammformation von Trainer Gérard Houiller zu finden.

Juve-Präsident musste vom Klo gerettet werden

Nach zwei Meistertiteln war Tiagos Zeit in Frankreich wieder beendet, Traditionsklub Juventus Turin klopfte an. Doch erstmals in seiner Karriere konnte er nicht Fuß fassen und spielte sich nicht in die Stammelf der „Alten Dame“.

Wenig überraschend wollte sich Juventus nach einem Jahr wieder vom 15-Millionen-Neuzugang trennen und hatte mit Everton bereits einen Abnehmer gefunden. Doch die „Toffees“ entsprachen nicht den Vorstellungen des Mittelfeldspielers, immerhin wollte er in der Champions League spielen. Die Art und Weise wie er dem damaligen Präsidenten Cobolli Gigli die Entscheidung überbrachte sucht aber seinesgleichen.

Tiago sperrte Gigli in einem Klo ein um ihm mitzuteilen, dass er den Klub nicht verlassen wird. Die Gerüchte besagen, dass der damalige Kapitän Alessandro Del Piero seinen Präsidenten nach einer Stunde aus der WC-Kabine „rettete“.

Mourinho versuchte es ein zweites Mal

Es dauerte schließlich noch weitere eineinhalb Jahre, ehe Tiago Juventus zunächst per Leihe und nach einem halben Jahr ablösefrei in Richtung Atletico Madrid verließ. Sowohl unter Simeones Vorgängern Quique Sanchez Flores und Gregorio Manzano als auch beim Argentinier selbst war der 33-Jährige meist gesetzt.

Tiago folgte seinen Kollegen nicht

Dass der 62-fache Nationalspieler diese Saison überhaupt noch im Estadio Vicente Calderon aufläuft, war alles andere als sicher. Sein Vertrag war ausgelaufen, daher kam er ins Grübeln: „Nach Ende der letzten Saison erhielt ich ein tolles Angebot, das mich über einen Wechsel nachdenken ließ.“

Es ist kein Geheimnis, dass dieses Angebot von seinem ehemaligen Förderer Jose Mourinho kam. Der Landsmann strebte seine Rückkehr an die Stamford Bridge an. „Als ich mich letztlich entscheiden musste, war klar, dass Atleti die einzig richtige Wahl ist“, beteuerte Tiago.

Macht er es wieder?

Auch sein aktueller Coach Simeone hat am Verbleib keinen unwesentlichen Beitrag. „Wir alle wissen, wie wichtig Simeone für diesen Klub ist und hoffen, dass er so lange wie möglich hier bleibt“, schwärmt Tiago von seinem Vorgesetzten.

Nachdem der Mittelfeldstratege im Rückspiel des CL-Achtelfinales gegen Leverkusen seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen hat, kann er im Viertelfinale gegen Real wieder mitmischen. Gott sei Dank aus Sicht Atleticos, stellte sich Tiago diese Saison doch als echter Real-Schreck heraus.

Bei beiden Liga-Siegen des Meisters traf er jeweils zum wichtigen 1:0.

 

Julian Saxer

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