Aufmacherbild

Der künftige Nachfolger Manuel Neuers?

Am 10. Mai 2014 absolvierte Marc-Andre ter Stegen sein letztes Spiel auf Klubebene in seiner Heimat Deutschland.

Damals verlor der 23-jährige Tormann mit seinem Jugendklub Borussia Mönchengladbach 1:3 gegen Wolfsburg. Wenige Wochen später zog er weiter nach Barcelona, zu einem der größten Klubs der Welt.

Mit vielen Vorschusslorbeeren kam einer der talentiertesten Schlussmänner der Welt in Katalonien an. Knapp ein Jahr später fällt die Bilanz für ter Stegen allerdings zwiegespalten aus. Er selbst pendelt zwischen Startelf und Bank, die spanische Presse zwischen Lob und vernichtender Kritik.

Der 1,87 Meter große Keeper steckt aufgrund seiner Situation im Verein den Kopf aber nicht in den Sand. Für das Erste akzeptiert ter Stegen, „nur“ in der Champions League und in der Copa del Rey die Nummer eins der „Blugrana“ zu sein.

„Ich sehe mich nicht als Superstar. Ich bin nicht Justin Timberlake oder Kanye West. Ich bin eine ganz normale Person“, untermauert er seine Bescheidenheit. An Selbstvertrauen mangelt es aber nicht: „Ich weiß, dass ich in Zukunft die Nummer eins sein werde.“

Keine großen Fußstapfen

Als ter Stegen in Barcelona ankam, sahen viele in ihm den neuen Hoffnungsträger zwischen den Pfosten, einen souveränen Stammtorhüter für die nächsten Jahre. Etwas, wonach die Fans im Camp Nou seit langer Zeit lechzten.

Das Tormann-Duo Victor Valdes und José Pinto sammelte zwar haufenweise Titel im Dress der Katalanen, stand aufgrund einiger Unsicherheiten und haarsträubender Fehler aber auch stets in der Kritik.

Doch Barca-Sportdirektor Andoni Zubizarreta war das Risiko zu groß, nur mit einem - damals - 22-jährigen Torhüter in die Saison zu gehen. Also wurde zusätzlich der Chilene Claudio Bravo von Liga-Rivale Real Sociedad verpflichtet. Ein heißer Kampf um den Stammplatz zeichnete sich ab.

Ungünstige Verletzung

Dieser war allerdings schneller vorbei, als man erwartet hätte. Ter Stegen verletzte sich in der Sommer-Vorbereitung am Rücken, der Weg für Bravo war frei. „Claudio macht seine Sache bislang sehr gut“, gesteht auch der Deutsche.

Ter Stegen muss sich mit dem „Trostpreis“ Copa und Champions League zufrieden geben.  „Eine schwere Situation, gerade für mich. Ich habe vorher immer gespielt und das bleibt auch weiter mein Ziel“, kündigt er einen neuerlichen Kampf um das „Einser-Leiberl“ an.

Wobei die Statistik eher für den 32-jährigen Bravo spricht. Während ter Stegen in 18 Spielen elf Gegentreffer hinnehmen musste, wurde Bravo in doppelt so vielen Spielen nur 19 Mal bezwungen.

Harte Kritik

Nicht nur auf sportlicher Ebene musste ter Stegen in Spanien mit Rückschlägen kämpfen, auch die mediale Berichterstattung lief nicht immer nach Wunsch. Während er bei seiner Ankunft noch als der „neue Neuer“ gefeiert wurde, spürte der Keeper nach einer Niederlage gegen Paris St. Germain in der CL-Gruppenphase die Härte der spanischen Presse.

„Es ist lächerlich, dass Zubizarreta so einen Torwart holt und dass Luis Enrique ihn spielen lässt, um sich einzuschleimen“, polterte etwa der Journalist Julian Ruiz. Dabei war es gerade einmal das zweite Pflichtspiel für den Deutschen.

„Klar hat mich die Berichterstattung getroffen, aber das ist schon über ein halbes Jahr her“, blickt ter Stegen lieber nach vorne. Zumal er nach souveränen Auftritten in der Königsklasse ohnehin keiner Kritik mehr ausgesetzt ist.

Großes Lob von Messi

Auch im Hinspiel gegen die Bayern zeigte er in den wenigen Szenen, wo er geprüft wurde, seine Sicherheit. Trotzdem erhielt sein Gegenüber Manuel Neuer mehr Lob, machte er doch einige gute Chancen Barcelonas zunichte.

Über kurz oder lang soll ter Stegen den Münchner aber ablösen, darüber sind sich nicht wenige Experten einig. Zum einen im Nationalteam, wo der Spanien-Legionär bereits vier Mal ran durfte, und zum anderen als weltbester Tormann.

Daran glaubt niemand geringer als sein Teamkollege Lionel Messi: „Er ist ein toller Torwart und hat mich gleich am ersten Tag sehr angenehm überrascht. Ich kannte ihn überhaupt nicht, aber seine Eigenschaften könnten ihn zum besten Torwart der Welt machen.“

Am Dienstag wird es die nächste Gelegenheit für ter Stegen geben, diese These zu untermauern. Bayern muss zuhause ein 0:3 aufholen, um doch noch ins Finale einzuziehen. Man wird dementsprechend alles in die Offensive werfen.

Ter Stegen ist über Arbeit ohnehin dankbar.  Denn er weiß: „Auch wenn ich Bravo nie etwas Schlechtes wünschen würde, muss ich ihn am Ende ausschalten.“ 

 

Julian Saxer

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»