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Leidiges Thema Effizienz: "Wir müssen eiskalt sein"

27:12 Torschüsse, 8:4 direkt auf das Gehäuse, 57:43 Prozent Ballbesitz.

Red Bull Salzburg war am Dienstag im Playoff-Hinspiel der Champions League zu Hause gegen Malmö die bessere Mannschaft und feierte verdient einen 2:1-Sieg.

Doch der späte Gegentreffer trübte die Stimmung.

„Das war ein Schock“, gab etwa Christian Schwegler nach dem Tor von Emil Forsberg (90.) zu.

Dem Schweden fiel nach einem Missverständnis zwischen Verteidiger Franz Schiemer und Tormann Peter Gulacsi der Ball vor die Füße, der Blondschopf verwertete und sorgte damit für Riesenjubel auf der Malmö-Bank und bei den mitgereisten Fans der "Himmelblauen".

„Wir werden darüber reden“

Die Skandinavier hatten durch dieses Auswärtstor ihre Chancen auf den erstmaligen Einzug in die Champions-League-Gruppenphase wieder erhöht, nachdem schon jeder mit einem 2:0-Heimsieg rechnete.

„Wir hatten heute eine supertolle Kulisse, ich habe seinen Zuruf nicht gehört“, erklärte Schiemer und meinte seinen Keeper, der einen der vielen langen Bälle der Gäste herunterpflücken wollte, aber mit dem Innenverteidiger zusammenkrachte und so Forsberg die Möglichkeit zum Abschluss gab.

„Wir werden das wegstecken. Das gehört dazu, das ist das Los eines Verteidigers, dass solche Fehler dann bestraft werden. Es war nicht mein erster“, sagte der Jungvater, der im letzten Playoff-Heimspiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:3) einen Elfer in der ersten Minute verursachte.

„Ich habe geschrien und nicht damit gerechnet, dass er zum Ball geht. Wir werden sicher noch einmal darüber reden, aber so etwas passiert“, meinte ein geknickter Gulacsi, der zuvor drei Traum-Paraden hinlegte.

„Er hat uns auch gerettet“, wusste Andreas Ulmer nach seinem 200. Salzburg-Spiel. Für den 28-Jährigen gab es am Tag nach dem Spiel eine Hiobsbotschaft: Laut "Sky Sport News HD" wird er mit einem mehrfachen Bänderriss im Schultergelenk zumindest vier Wochen ausfallen.

Schiemer als tragischer Held

Gulacsi hielt zwei Mal sensationell gegen Malmös Star-Stürmer Markus Rosenberg: „In solchen Situationen hast du nur noch die Chance, hinüberzuhechten und dich sehr groß zu machen.“

Es war einmal mehr der Tag, an dem vor allem die Defensivakteure die Schlagzeilen schrieben.  

Natürlich in erster Linie Schiemer, der Dienstagfrüh erfuhr, dass er spielen würde, weil Martin Hinteregger wegen seiner Muskelverletzung („Es kam noch zu früh“) doch nicht auflaufen konnte.

Selbst war der Ersatzmann auch angeschlagen. „Ich hatte ein, zwei Wehwehchen, nicht nur oben, auch unten bei den Adduktoren, aber da heißt es eben Zähne zusammenbeißen und durch.“

Der Oberösterreicher wurde zu einem tragischen Helden. Der 28-Jährige war defensiv sehr präsent – und auch vor dem Tor. So erzielte er seinen dritten Treffer in einer Champions-League-Qualifikation.

Vor vier Jahren traf Schiemer in der dritten Runde beim 4:1-Heimsieg gegen Omonia Nikosia zwei Mal, nun steuerte der Abwehrspieler nach einer Leitgeb-Ecke sein erstes Salzburg-Tor im Playoff bei.

Nach anfänglicher Nervosität klar besser

„Ich hatte schon den Kopfball, der wurde geblockt, dann kam der Ball zu Jonny, der ihn auf die Kiste schoss und er landete vor meinen Füßen. Ich habe ihn optimal erwischt“, kommentierte der Torschütze seinen Treffer und befand: „Es war wichtig, weil wir nicht optimal reingestartet waren."

Die Kombination aus Nervosität (Kampl: „Wir haben am Anfang zu viele hohe Bälle gespielt“) und gut attackierenden Gästen machte den Hausherren vor einer tollen Kulisse bis zum 1:0 zu schaffen.

„Danach wurde es immer besser und wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht“, so Kampl, der allerdings wie Schiemer auch Grund zum Ärgern hatte: „Ich werde eher nicht gut schlafen können.“

Internationale Inkonsequenz

Denn so bitter das Gegentor war, so ähnlich verhielt es sich mit der Chancenverwertung – wieder einmal.

Wer wie Jonatan Soriano (95. Tor im 105. Spiel) insgesamt vier Mal Aluminium (u.a. vor dem 1:0 und beim 2:0) trifft, darf freilich auch von Pech sprechen, doch einmal mehr gesellte sich auch internationale Inkonsequenz dazu. Fenerbahce, Basel und erst zuletzt Qarabag lassen diesbezüglich grüßen.

„Der Ball wollte nicht rein. Wir haben sehr konsequent gespielt, nur Kevin vergab seine Chance etwas fahrlässig, aber da mache ich ihm auch keinen Vorwurf“, relativierte Stefan Ilsanker, dem aber wohl auch nicht entgangen sein dürfte, dass Salzburg vier der fünf CL-Quali-Treffer nach Standards erzielte.

Aus dem Spiel heraus tun sich die „Bullen“ in dieser Saison mit dem Toreschießen international (noch) schwer.

Kampl hatte Goalie Olsen schon umkurvt, doch schoss er den mitgelaufenen Elmander im Tor an.

„Ich habe den Ball in die Tiefe bekommen, hatte sofort den Gedanken am Tormann vorbei zu gehen, was auch geklappt hat, sah aber nicht, dass da noch einer mitgelaufen war“, beschrieb der Slowene.

„Danach war ich so geschockt, dass ich nicht mehr wusste, was ich machen sollte. Ich hatte mich schon gefreut, dass der Ball eigentlich drin ist.“

Malmö erweckt

Er war es nicht, man bekam noch ein Tor und machte damit dieses Duell um den Einzug in die "Königsklasse" unnötig spannender.

„Wir können das 3:0 machen und bekommen ein dummes Tor. Das ist sehr ärgerlich. Wir haben zwar gewonnen, aber das Ergebnis ist natürlich nicht optimal“, brachte es der einmal mehr bärenstarke Schwegler auf den Punkt und wusste: „Wir hätten das Spiel zu Null beenden müssen.“

„Sie wären beim 3:0 psychisch k.o. gewesen.“ Das gab Malmö-Trainer Aage Hareide sogar durch die Blume zu: „Es hätte 0:3 oder 0:4 sein können. Durch dieses wichtige Tor lebt unsere Chance jetzt wieder.“

Oder wie sein Spieler Enoch Adu anmerkte: „Wir hatten wirklich Glück.“

Salzburg-Trainer Adi Hütter war über den „unangenehmen Treffer, den wir uns hätten sparen können“ ebenso wenig erfreut wie seine Spieler, doch sah der 44-Jährige auch das Ergebnis im Vordergrund.

„Wir haben vorgelegt und gewonnen, das ist einmal wichtig“, so der Vorarlberger, der festhielt: „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft und haben nun in Schweden alle Möglichkeiten.“

Aber zuversichtlich

So sah das auch sein Vorgesetzter, Sportchef Ralf Rangnick: „Wie wir über weite Strecken das Spiel dominiert haben, ohne noch am obersten Limit dessen zu spielen, was wir spielen können, stimmt uns zuversichtlich. Wir werden es schaffen.“

Dafür müssen die Chancen besser genutzt und grobe Fehler in der Defensive abgestellt werden, um im siebenten Anlauf endlich in den siebenten Fußball-Himmel zu gelangen.

„Aus der Top-Ausgangsposition wurde nach dem Tor eine gute Ausgangsposition. Aber wir werden das im Rückspiel richten“, versprach Schiemer. Schwegler: „Wir müssen einfach eiskalt sein.“

Am kommenden Mittwoch steigt in Schweden der große Showdown.

Entweder Malmö FF oder Red Bull Salzburg wird erstmals an der CL-Gruppenphase teilnehmen. The Winner takes it all.

 

Bernhard Kastler

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