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Reals zweiter Anzug passt nicht

Von „BBC“ ist nur noch das C über.

Cristiano Ronaldo muss im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Atletico ohne seine Kumpel Gareth Bale und Karim Benzema auskommen. Die beiden sind genauso verletzt wie Luka Modric. Zudem fehlt Marcelo gesperrt.

Das stellt Carlo Ancelotti vor gewaltige Probleme. Denn der Real-Coach hat in seinem Kader niemanden, der diese vier wichtigen Spieler gleichwertig ersetzen könnte. Eigentlich fast eine Schande, denn ein Verein mit den Ansprüchen der „Königlichen“ sollte eine gewisse Anzahl an Ausfällen verkraften können.

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Real zu abhängig von einzelnen Spielern

„Wir müssen mit den Verletzungen leben. Schon letzte Saison hatten wir damit Probleme. Ronaldo konnte nicht im Copa-del-Rey-Finale spielen, Alonso war im CL-Endspiel gesperrt“, versucht Ancelotti zu beruhigen.

Ein Blick auf die aktuelle Saison lässt jedoch eher die Alarmglocken schrillen. Kaum fiel Mittelfeldmotor Modric von November bis März mit einer Oberschenkelverletzung aus, geriet die Real-Angriffsmaschinerie ins Stocken. Dasselbe in der Defensive: Nachdem sich Sergio Ramos im Februar einen Muskelriss zuzog, wurden von fünf Spielen ohne den Abwehrchef nur zwei gewonnen.

Reals Problem: Zu abhängig ist man von einzelnen Akteuren, für die es keinen adäquaten Ersatz gibt. Dazu gehören neben Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos und Toni Kroos auch die beiden nun verletzten Modric und Benzema. Mit Abstrichen zählen auch Bale und Marcelo dazu.

Chicharito ist kein Benzema

„Er hat einen fantastischen Abschluss, aber man muss auch hervorheben, wie er mit seinem Spiel der Mannschaft hilft. Er ist kein reiner Strafraumstürmer, sondern zeigt seine Qualitäten auch in anderen Situationen“, lobte Ancelotti Benzema noch im Jänner. Umso schmerzlicher wird der Coach seinen Schützling gegen Atletico vermissen.

Denn seit dem Verkauf von Alvaro Morata an Juventus, fehlt es dem „Weißen Ballett“ an einem ähnlichen Stürmertypen. Ronaldo und Jese können zwar diese Position ausfüllen, ziehen aber lieber vom Flügel zur Mitte. Bleibt noch der von ManUnited ausgeliehene Javier Hernandez.

Sein Torriecher ist unbestritten, an die spielerischen Qualitäten des am Knie verletzten Benzema kommt er aber bei weitem nicht heran. Wie viel der Trainer vom Mexikaner hält, zeigte er am vergangenen Wochenende gegen Malaga. Beim 3:1 ersetzten Ronaldo und Bale den verletzten Benzema im Angriff.

Chicharito kam erst zum Einsatz, als Bale in der 3. Minute verletzt vom Feld musste. Überhaupt hat der 26-Jährige in der Liga erst 436 Minuten für Real bestritten. Allerdings konnte er sich gegen Malaga überraschend gut in Szene setzen.

Verkauf von Alonso und di Maria ein Fehler?

Eine ähnliche Situation wie im Angriff zeigt sich im zentralen Mittelfeld. Kroos und Modric ergänzen sich als Duo hervorragend. Egal ob im 4-4-2 oder im 4-3-3, bei dem sie entweder von Isco oder James Rodriguez unterstützt werden.

Fällt jedoch einmal einer der beiden Strippenzieher aus, dann geht die Balance verloren. Seit dem Transfer von Xabi Alonso zu den Bayern gibt es niemanden, der Kroos als Spielmacher vor der Abwehr ersetzen könnte. Auch für Modric, dem Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, fehlt nach dem Abschied von Angel di Maria eine geeignete Alternative.

Isco und James sind für diese Position zu angriffslustige Spielertypen. Deswegen wird wohl Asier Illarramendi gegen Atletico neben Kroos im von spanischen Medien erwarteten 4-4-2 zum Einsatz kommen. Der 30-Millionen-Mann, mittlerweile 25 Jahre alt, blieb in Madrid bisher einiges schuldig. Dasselbe gilt auch für den brasilianischen Winter-Neuzugang Lucas Silva.

Khedira und Coentrao im Abseits

Gänzlich am Abstellgleis steht unterdessen mit Sami Khedira ein weiterer Mittelfeldspieler. Sein Abgang im Sommer ist beschlossene Sache.

Dasselbe Schicksal könnte auch Fabio Coentrao blühen. Genauso wie Khedira kam auch er in der Liga seit dem 7. Februar nicht mehr zum Einsatz.

Der portugiesische Außenverteidiger scheint bei Ancelotti in Ungnade gefallen zu sein. Ein Einsatz gegen Atletico scheint trotz Marcelos Sperre alles andere als sicher. Spanische Medien spekulieren damit, dass Dani Carvajal auf die linke Abwehrseite rückt, während gleichzeitig Sergio Ramos rechts und Raphael Varane sowie Pepe innen verteidigen.

Eine solche Variante wäre ein Affront gegenüber Ronaldo-Intimus Coentrao. Ancelotti hält sich bedeckt: „Ist er gut drauf, dann spielt er.“

Marketingziele statt sportlicher Strategie

Von den vier Ausfällen kann wohl ausgerechnet der teuerste Spieler noch am ehesten ersetzt werden. Für 94-Millionen-Einkauf Bale, der sich in dieser Saison nicht nur mit seinen 27 Scorerpunkten als enorm wertvoll erwies, stehen mit Isco, James und Jese verlässliche Alternativen bereit.

Alternativen, die sich Real-Coach Ancelotti wohl auch auf anderen Positionen wünschen würde.

Reals Transferpolitik wurde in den letzten Jahren aber mehr von Marketingzielen als von einer sportlichen Strategie geprägt. Präsident Florentino Perez setzt auf große Namen und deren Vermarktungspotenzial. „Wenn in einer anderen Liga ein Stürmer groß rauskommt, dann wird ihn Real verpflichten wollen“, begründete Ex-Real-Angreifer Morata zuletzt seinen Wechsel zu Juventus.

Diese Transferpolitik führte zu einem starken, aber in der Breite nur dünn besetzten Kader. Der erste Anzug der „Königlichen“ sitzt perfekt, die zweite Garnitur hat aber ihre Schönheitsfehler. Das könnte sich im CL-Viertelfinale gegen Atletico rächen.

 

Jakob Faber

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