Ein neues Kapitel in Basels Erfolgsgeschichte

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Die ohnehin schon erfolgreiche Geschichte des FC Basel gegen englische Kontrahenten ist seit Dienstag um ein Kapitel reicher. Drei Jahre nach dem Rauswurf von Manchester United bekam auch Liverpool die Qualitäten des Schweizer Serienmeisters zu spüren.

Durch ein 1:1 bei den "Reds" qualifizierte sich Basel zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte für die Runde der besten 16 der Champions League.

Sternstunde an der Anfield Road

Von einer "Sternstunde an der Anfield Road" (Basler Zeitung) schwärmten die Schweizer Gazetten am Tag darauf. Für internationale Highlights hat der FCB in den vergangenen Jahren bereits des öfteren gesorgt. 2011/12 schaffte es Basel in der Königsklasse ins Achtelfinale, 2013 in der Europa League bis ins Halbfinale.

In der Vorsaison kam in der Champions League trotz zweier Erfolge gegen Chelsea das Aus als Gruppendritter, in der Europa League kamen die Blauroten dann auch über die Hürde Salzburg hinweg bis ins Viertelfinale.

In Liverpool zeigte sich am Dienstagabend, warum die Eidgenossen im Konzert der Großen mittlerweile ein oft gesehener Gast sind. Auf ein Remis angewiesen, legte Fabian Frei mit dem ersten Torschuss in der 25. Minute für die Gäste vor.

"Haben einen tollen Job gemacht"

Liverpool fand danach lange kein Mittel, um Basel auszumanövrieren. Erst nachdem Kapitän Steven Gerrard seine dezimierte Mannschaft via Freistoß (81.) wieder ins Spiel gebracht hatte, musste Basel in einer hektischen Schlussphase noch einmal zittern.

Am Ende herrschte kollektiver Jubel mit den rund 3.000 mitgereisten Fans. "Wir wollten im Vorfeld dieses Spiels den Ball flach halten. Aber wir waren für uns selbst überzeugt, dass wir hier würden bestehen können", meinte Kapitän Marco Streller.

Das Selbstbewusstsein der Basler stellte auch Torhüter Tomas Vaclik zur Schau. "Wenn es vielleicht schien, dass Liverpool lange schwach war, war dies einfach nur deshalb, weil unsere Spieler einen tollen Job gemacht haben", betonte der Tscheche.

Nur international gefordert

In der heimischen Liga ist Basel kaum gefordert. Fünf Meistertitel en suite zeugen von der Überlegenheit. Auch dieses Jahr liegt Basel nach 18 Runden beruhigende acht Zähler vor dem FC Zürich an der Spitze. Herausforderung bietet nur noch das internationale Parkett.

"National ist der FCB der Konkurrenz längst entrückt", schrieb der "Blick". Das Boulevardblatt stellte mit Verweis auf den großen Nachbarn Deutschland fest: "FCB, ab in die Bundesliga! Denn dort würde dieser europäische Spitzenklub eigentlich hingehören."

Der fortwährende Erfolg der Basler ist deshalb bemerkenswert, da es der Verein immer wieder schafft, hochklassige Abgänge zu kompensieren. Nach dem Erfolg 2012 verließen die Jungstars Xherdan Shaqiri (Bayern München) und Granit Xhaka (Mönchengladbach) ihren Jugendverein um in Summe mehr als 20 Millionen Euro. Im Sommer wechselten mit Torhüter Yann Sommer (Mönchengladbach) und Valentin Stocker (Hertha BSC) zwei Stützen um viele Millionen nach Deutschland.

"Wir investieren viel in die Jugendabteilung"

Die wertvollste Aktie ist derzeit der 17-jährige Stürmer Breel Embolo. Der gebürtige Kameruner stammt ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs.

"Unser Geschäftsmodell ist ab einem gewissen Grad im Merchandising limitiert, deshalb müssen wir in anderen Bereichen schlauer sein. Wir investieren viel Geld in unsere Jugendabteilung und zielen darauf ab, dass ein Drittel der Mannschaft aus unserer Jugend stammt", meinte Klub-Präsident Bernhard Heusler in Vorwoche anlässlich einer Fußball-Konferenz in Zürich.

Mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Franken (66,55 Mio. Euro) liegen die Basler im Vergleich der Achtelfinalisten jedenfalls klar im Hinterfeld. Liverpools Umsatz beträgt rund 250 Mio. Euro.

Rotation auch auf dem Trainerstuhl

Dass die Basler auch ein gutes Auge in der Akquirierung von Spielern besitzen, verdeutlichen Akteure wie Mohamed Salah oder Aleksandar Dragovic. Der Ägypter wurde 2012 um 2,5 Mio. Euro aus der ägyptischen Liga verpflichtet, zwei Jahre später war der Flügelspieler Chelsea knapp 17 Mio. Euro wert.

Dragovic kam Anfang 2011 um rund 800.000 Euro von der Wiener Austria zu Basel. Im Sommer 2013 holte Dynamo Kiew den ÖFB-Teamspieler um neun Millionen.

Die große Rotation auf dem Spielersektor macht auch auf der Betreuerbank nicht halt. 2012 saß noch der Deutsche Heiko Vogel auf der Bank, ehe Murat Yakin übernahm. Die Trennung vom Schweizer Ex-Internationalen erfolgte im Frühjahr nach internen Reibereien.

"Es geht darum, weiter Geschichte zu schreiben"

Seit Sommer ist der Portugiese Paulo Sousa am Werk. Der zweifache Champions-League-Sieger (Juventus, Dortmund) startete zwar mit Schwierigkeiten, zuletzt lief das Basler Spiel aber nach Plan.

"Für uns geht es darum, für diesen großartigen Verein weiter Geschichte zu schreiben", meinte Sousa nach Schlusspfiff in Liverpool. "Uns mit den Besten zu messen hat uns wachsen lassen - mich als Trainer wie auch die Spieler. Die nächste Runde wird wieder eine Herausforderung sein."

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