"So haben wir es nicht verdient"

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„In unseren Köpfen geht gar nichts vor. Wir wollen einfach nur weg.“

Tino Lazaro beschrieb die große Leere, die Red Bull Salzburg nur zu gut kennt. 0:3 in Malmö. Aus der Traum. Für die „Bullen“ wurde aus dem Spiel des Jahres das Unspiel des Jahres.

Auch im siebenten Anlauf klappte es nicht mit dem Einzug in die Königsklasse, zum fünften Mal war im Playoff Endstation. „Die Chance ist so groß wie noch nie“, hieß es vor dieser Saison und vor diesem Spiel. Doch am Ende hatten die Salzburger in diesem Finale keine Chance.

Ungefährlich wie nie

„So hat man es sich nicht verdient, dass man weiterkommt“, wusste Kevin Kampl nach 90 Minuten, die eine Salzburger Mannschaft so ungefährlich wie kaum zuvor in der Ära Rangnick zeigten.

Die beste Chance hatte man erst in der bedeutungslosen Nachspielzeit, als ein Tormann-Geschenk nicht angenommen wurde - Malmö tat das indes im Hinspiel.

Die Schweden, die nun zum ersten Mal in der Champions League spielen werden und das als erste Mannschaft aus ihrem Land seit 2000 (Helsingborg), drehten vor ihrer tollen Heimkulisse das 1:2 aus dem Hinspiel in Salzburg.

„Wir haben alle unsere Chancen genützt und hatten defensiv ein viel besseres Spiel als dort“, erklärte Markus Halsti und fügte hinzu: „Das war einfach unser Heimspiel, das wollten wir auch zeigen. Wir wussten, sie sind besser mit dem Ball, deswegen mussten wir das kompensieren.“

„Haben den Kampf von Malmö nicht angenommen“

Er sprach von der Physis, die vor allem in der ersten Hälfte zum Schlüssel dieses Triumphs wurde.

„Sie haben aggressiv, aber nicht Fußball gespielt – und dennoch 3:0 gewonnen“, konnte es Massimo Bruno, der für Sadio Mane (wegen dessen Undiszipliniertheit nicht im Kader) auflief, nicht fassen.

Sein Trainer Adi Hütter schlug in dieselbe Kerbe: „Wir haben den Kampf von Malmö von der ersten Minute an nicht so angenommen, wie es sein sollte, so sind wir nicht ins Spiel gekommen.“

Marcel Sabitzer (LAOLA1-Interview) ging sogar weiter: „Wir haben zu viel Respekt gezeigt, sie haben uns die Schneid mit ihren Zweikämpfen abgekauft, schmutzig gespielt und gewonnen.“

„Entscheidend war, dass wir da Wirkung gezeigt haben“, analysierte Sportchef Ralf Rangnick.

„Da hatten wir einfach Probleme“

Vor allem die Matchwinner, Malmös Local Hero Markus Rosenberg und Magnus Eriksson, setzten ihre Körper so gut wie möglich ein und brachten die Salzburger mit Mätzchen aus der Ruhe.

Diesbezüglich wurden Erinnerungen – auch wegen der durch Fans erzeugten Unterbrechung (in dem Fall durch Pyrotechnik) – ans EL-Achtelfinale gegen Basel in diesem Jahr wach. Die Schweizer brachten die Salzburger ebenso aus der Fassung, so dass sie sich nicht mehr nur mit sich beschäftigten.

Mit Rosenberg und Eriksson „haben sie zwei körperlich starke Spieler, die sich durchgesetzt haben und da hatten wir einfach Probleme“, musste ein enttäuschter, aber gefasster Hütter feststellen.

Umstellungen, die nichts halfen

Sein Pendant Aare Hareide brachte Eriksson im Gegensatz zum Hinspiel, was sich in den ersten 20 Minuten bezahlt machte. Denn der holte den Elfer heraus und erzielte das Traumtor zum 2:0.

Vor dem Strafstoß waren mit Ilsanker, Keita und Hinteregger genau jene Spieler an der Fehlerkette beteiligt, die Hütter entweder neu oder auf ihren nicht angestammten Positonen spielen ließ.

Kampl: „Natürlich ist es etwas schwierig, wenn wir umstellen. Aber wir sind so gut als Team eingestellt, dass es eigentlich keine große Änderung ist. Wir haben nur nicht gut dagegengehalten, das war das Hauptproblem, sind nicht gut in die Zweikämpfe reingekommen.“

Aufstellung für Hütter nicht der Grund

Hinteregger hatte etwa das letzte Mal vor zwei Jahren beim 4:4 gegen die Admira in der Südstadt Linksverteidiger gespielt, und das nur für eine Spielhälfte. Nun plötzlich auch im Spiel des Jahres.

„Wir wussten, dass Malmö über kopfballstarke Spieler in der Offensive verfügt. Deswegen wollten wir mit Hinteregger die Seite zumachen, die Diagonalbälle mit ihm verhindern und ich wollte zwei Spieler im zentralen Mittelfeld haben, die spiel- und laufstark sind. Es ist leider nicht aufgegangen.“

Hütters Zusatz: „Ich möchte aber schon dazu sagen, dass das nicht der Grund war, warum wir heute verloren haben. Wir haben das Spiel von Malmö nicht so angenommen, wie es sein sollte.“

„Wir hatten keine Durchschlagskraft“

Zudem fehlten dem Coach, der vor 20 Jahren als Spieler erstmals mit (Austria) Salzburg in die Königsklasse einzog und im Auswärtsspiel einen Treffer erzielte, die offensive Durchschlagskraft.

„Wir haben in der Offensive zu wenig Entschlossenheit, zu wenig Durchschlagskraft, zu wenig Mut gezeigt. Wir hatten auch zu wenig Tiefgang, somit kannst du dem Gegner nicht weh tun. Wir hatten bis kurz vor Schluss keine wirkliche Torchance“, schilderte Hütter das offensive Trauerspiel.

„Die Kulisse war toll, aber die Mannschaft hat auch schon vergangene Saison gezeigt, dass sie etwa in Amsterdam vor 50.000 Zuschauern spielen kann“, verwies Hütter auf eine Partie seines Vorgängers Roger Schmidt, der mit Leverkusen nun in den Genuss der Königsklasse kommt.

„Malmö spielt anders als Ajax“

Hütter ergänzte: „Eines ist aber auch klar: Malmö spielt ein anderes Spiel als Ajax. So ist es für uns schwierig, ins Pressing zu kommen. Wir haben es aber im Zweikampfverhalten nicht gut gemacht. Und wenn wir den Ball hatten, kombinierten wir nicht schnell genug.“

Malmö ist nicht Ajax, aber beide spielen in dieser Saison Champions League.

Neben dem schwedischen Meister ist unter anderem auch der slowenische (Maribor), der weißrussische (BATE), der bulgarische (Razgrad) sowie der zypriotische (APOEL) im Konzert der Großen dabei.

Ist die österreichische Liga ein Mitgrund? Die Wiener Austria hatte es vergangene Saison geschafft, Salzburg dominiert die Saison nach Belieben, wurde aber nicht annähernd gefordert.

Eine Frage der Liga?

„In solchen Spielen wirst du auf den Boden zurückgeholt. Playoff zur Champions League ist noch einmal eine andere Welt, eine andere Liga. Das weiß jeder und hat auch jeder gesehen“, muss Kampl festhalten.

Lazaro sieht das anders: „Das will ich nicht sagen, denn Rapid und Austria hätten auch die Qualität. Es ist vielleicht eine Kopfsache, dass bei uns manche Spieler bei internationalen Spielen auf eine Wand im Kopf treffen. Wir wissen, dass wir das Zeug für mehr haben.“

Die Realität heißt dennoch einmal mehr Europa statt Champions League. Statt sich auf die Auslosung der Königsklasse am Donnerstag (17:45 Uhr) zu freuen, wird jene am Freitag (13 Uhr) avisiert.

„Es sind Tränen geflossen“

Und während Malmös bekanntester Sohn Zlatan Ibrahimovic („Herzlichen Glückwunsch, der nächste Traum ist PSG“) auf das große Los hofft, ist für Salzburg der große Traum geplatzt.

Die „Bullen“ waren als topgesetztes Team in die Quali der Meister gegangen und werden auch in der zehnten Saison nicht mitspielen. Eine Chance, so groß wie nie, hieß es vor der Saison.

„Es sind einige Tränen geflossen. Wir haben uns zwei Jahre viel und hart erarbeitet, um den Traum zu erleben und ganz oben in der Königsklasse durch Europa reisen.“ Es bleibt die Europa League.

Wieder einmal in der Red-Bull-Ära.

 

Aus Malmö berichtet Bernhard Kastler

Der 44-Jährige war nach eigener Aussage nicht überrascht, dass Malmö mit einer Fünferkette spielte. Für Rosenberg war diese etwa der Grund für den Sieg und somit auch sein Trainer, der damit den großen Coup schaffte.

„Der Gedanke zum 5-3-2-System ist mir in Salzburg gekommen. Ich wollte, dass sie gegen sechs Spieler von uns hinten hineinspielen müssen“, erklärte der Tüftler seinen Gameplan.

„Diese Situation kennt die Mannschaft nicht“

Salzburg kam zu keiner Chance, machte Fehler und lief einem Rückstand nach, was eher Seltenheit ist. Kampl: „Wenn du ein Tor brauchst, dann ist das eine Situation, die die Mannschaft einfach nicht so kennt, auch in der Liga nicht. In der Champions League hast du im Playoff nur zwei Spiele, in denen du alles richten musst. So eine Situation ist extrem schwierig für unsere junge Truppe.“

Diese ließ sich vom Rückstand und dem dazugehörigen Lautstärke-Pegel im mit 21.000 Zuschauer ausverkauften kleinen, feinen Hexenkessel namens Swedbank Stadion spürbar anstecken.

Hütter sah diesbezüglich seine Mannschaft bestens vorbereitet. „Wir hätten mental gar nicht mehr tun können“, so der Vorarlberger, der seinen Schützlingen Videos vom Hexenkessel vorab zeigte.

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