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Der Mann der wichtigen Champions-League-Tore

In Malmö fallen also die Würfel im Finale des Jahres für Fußball-Österreich.

Salzburg will dort im Playoff-Rückspiel der Champions League (Hinspiel: 2:1) den großen Hit landen und sich in der Red-Bull-Ära erstmals für die Gruppenphase qualifizieren.

50 Autominuten entfernt liegt Kopenhagen, wo Österreich mit Conchita Wurst in diesem Jahr bereits einen großen Hit landete.

Die im Jahr 2000 eröffnete Öresundbrücke, die weltweit längste Schrägseilbrücke für Auto- und Zugverkehr, verbindet die dänische Hauptstadt mit der 30 Kilometer (Luftlinie) entfernten, drittgrößten schwedischen Stadt (312.000 Einwohner) nach Stockholm (870.000) und Göteborg (533.000).

Malmö (von "malmhaugar", Sandhaufen) trug schon zwei Song Contests aus. Zuletzt 2013 in der Malmö (Multifunktions-)Arena für 15.500 Zuschauer, die 2008 eröffnet wurde. Die dänische Siegerin hatte damals zum Feiern nicht weit.

Malmö, die Heimat von Ibrahimovic

Wer nun an Malmö und Fußball denkt, dem kommt zuerst Zlatan Ibrahimovic in den Sinn. Der exzentrische Superstar wuchs in der südlichen Hafenstadt auf und zog aus, um die große Fußball-Welt zu erobern.

„Aber Malmö ist meine Heimat. Es war sie, als ich ein Kind war, und es ist sie immer noch“, sagte der Stürmer von Paris St. Germain kürzlich ESPN.

Dabei spricht er vor allem vom Malmöer Stadtteil Rosengard, den der 32-Jährige in seiner Autobiografie Ghetto nennt. Die Großwohnsiedlung kennzeichnet sich durch den hohen Einwohneranteil an Migranten, für „Ibra“ war es eine harte Schule auf dem Weg zu Ruhm und Ehre.

„Es ist ein Teil von mir und ich vergesse nie, woher ich komme. Ich wünschte, ich könnte wieder dort hingehen, dort leben und mit meinen Freunden abhängen“, gesteht der 97-fache Internationale.

Einer, der das in Bezug auf Malmö gemacht hat, ist Markus Rosenberg. Wie Ibrahimovic spielte der 31-Jährige im Nachwuchs von Malmö FF, für beide war es der Anfang einer langen Auslandskarriere.

Malmö, auch die Heimat von Rosenberg

Auch die erste Station südlich von Schweden war für beide dieselbe, wenngleich zu anderer Zeit: Ajax Amsterdam. Danach gingen die Karrieren in unterschiedliche Richtungen. Ibrahimovic kickte bei Juventus, Inter, Barca, Milan und nun PSG, Rosenberg bei Werder, Santander und West Bromwich.

Mit Ajax (2005/06) und Bremen (2007/08, 2008/09) spielte Rosenberg bereits in der Champions League, mit Malmö hat der Stürmer nun die große Gelegenheit, seinen Klub erstmals in die Königsklasse zu schießen.

„Für ihn wäre es natürlich eine besondere Ehre, seinen Heimatverein erstmals in die Champions League zu führen“, weiß auch Sebastian Prödl im Gespräch mit LAOLA1 zu berichten. Der ÖFB-Teamkicker spielte von 2009 bis 2012 – unterbrochen vom Santander-Gastspiel – mit Rosenberg.

Rosenberg selbst hat schon insgesamt 18 CL-Spiele auf dem Buckel, in seinem bislang letzten 2008 erzielte er das 2:0 gegen Inter, das nur noch auf 2:1 verkürzen konnte – durch einen gewissen Ibrahimovic. Für Werder traf er auch schon gegen Real (3:2), für Ajax gegen Arsenal (1:2).

Jener Sieg gegen Inter sorgte damals für Endplatz drei in der CL-Gruppe.

Das noch wichtigere Tor in der Champions League erzielte der Skandinavier allerdings zwei Jahre später gegen Sampdoria Genua.

Im damaligen Playoff-Rückspiel lag Werder auswärts nach dem 3:1-Heimsieg 0:3 zurück, ehe Joker Rosenberg in Minute 90 seine Kaltschnäuzigkeit bewies und aus 18 Metern flach ins Eck traf.

In der Verlängerung sorgte Claudio Pizarro mit dem 2:3 schließlich für den Aufstieg. Rosenberg wurde in Bremen als tragischer Held tituliert, denn zu diesem Zeitpunkt stand er schon auf Werders Abstellgleis.

Der Mann, der seine Möbel verschenkte

Es war dies auch sein bis dahin letzter Werder-Treffer, ehe er an Racing Santander verliehen wurde, für die der Angreifer in 33 La-Liga-Spielen neun Mal traf.

Für ein Jahr ging es dann noch einmal zu Werder zurück, ehe der Wechsel auf die Insel erfolgte. Bei WBA blieb Rosenberg gänzlich ohne Tor.

So blieben die eineinhalb Jahre in West Bromwich, die er zumeist auf der Bank verbrachte  („Ich bekam nicht allzu viele Chancen“), vor allem wegen einer Aktion am Ende in Erinnerung: Rosenberg verschenkte beim Abschied alle seine Möbel seiner Wohnung an eine Wohltätigkeitsorganisation - inklusive Kinder-Spielzeug.

„Wir konnten die Möbel sowieso nicht alle mitnehmen zurück nach Schweden. Da ist es besser, wenn man damit anderen Menschen hilft“, sagte Rosenberg später in einem Interview mit „11 Freunde“.

Seit Februar kickt Rosenberg wieder in der Heimat. „Ich bin nun hier, wo alles startete“, ist auf seiner Twitter-Seite zu  lesen.

Im Malmö-Shop kann sich jeder das „Für immer Himmelsblau“-Shirt mit dem Rosenberg-Konterfei für rund 200 schwedische Kronen (21,75 Euro) kaufen. Die Spieler selbst bekommen eine Extra-Prämie von rund 45.000 Euro, sollten sie die Hürde Salzburg nehmen.

Seinen Heimatklub mit einem Tor erstmals in die Königsklasse zu schießen, wäre aber wohl unbezahlbar.

 

Bernhard Kastler

Prödl weiß um die Stärken seines ehemaligen Mitspielers noch gut Bescheid. „Er ist mittlerweile ein sehr erfahrener Stürmer. Er schießt aus allen Lagen und kann seinen Körper sehr gut einsetzen, ist sehr präsent.“

Nach der Verletzung von Marcus Berg war Rosenberg sogar ein Thema für den schwedischen Teamchef Erik Hamren, doch der Angreifer sagte ab. Er will sich auf seine Aufgabe bei Malmö konzentrieren.

„Ich hoffe, ich habe mir die Tore aufgehoben“

In Salzburg blieb Rosenberg, den sie in Schweden Hering nennen, ohne Torerfolg, der Angreifer hatte aber im Hinspiel zwei dicke Chancen, die Keeper Peter Gulacsi mit glänzenden Paraden zunichtemachte.

„Das passiert an so typischen Tagen wie diesen, wo der Ball einfach nicht rein will. Ich hoffe, ich habe mir die Tore für zu Hause aufgehoben“, meinte der Star seiner Mannschaft nach der Partie.

„Rosenberg läuft nicht so viel, er ist intelligent. Wenn unser Pressing aufgeht, dann kommt er nicht zu Chancen, aber im Sechzehner ist er brandgefährlich“, analysierte Andre Ramalho für sich nach dem 2:1.

Prödl warnt allerdings den Salzburger Verteidiger: „Markus kann auch viel unterwegs sein, er ist ein sehr starker Konterstürmer.“ Sollte Malmö in Führung gehen, könnte spätestens dann diese Qualität durchaus zum Zug kommen.

Der Mann, für wichtige Tore

Vor eigenem Publikum war der Kapitän während dieser CL-Quali schon einmal der große Matchwinner, erzielte in Runde drei beide Treffer zum Aufstieg gegen Sparta Prag beim 2:0 - einmal technisch schön aus dem Spiel heraus, einmal per Freistoß.

"Für diesen Klub ist es etwas Besonderes, ein Spiel auf diese Art und Weise zu gewinnen“, sagte der 33-fache Internationale danach. Nun baut er wieder auf den Heimvorteil. Im Swedbank-Stadion, das am Mittwoch mit 21.000 Zuschauern ausverkauft sein wird, soll der große Traum wahr werden.

„Wir sind zu Hause sehr stark, haben schon viele Spiele mit unseren tollen Fans im Rücken gewonnen. Salzburg ist zwar weiter Favorit, aber wir können bei uns jedes Team schlagen", so der Striker, der auf Siege gegen Sparta und Dinamo Zagreb (2011) anspielt. Doch gegen Ventspils reichte es in Runde zwei nur zu einem 0:0.

In den letzten sechs internationalen Heimspielen kassierte Malmö aber kein Tor, zuletzt traf Metalist Kharkiv vor rund drei Jahren in der stimmungsvollen Arena - das in der Europa-League-Gruppenphase aber gleich vier Mal beim 4:1-Sieg.

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