Juventus-Monaco: Brisanter als man denkt

Aufmacherbild

Die Viertelfinal-Auslosung der Champions League hätte langweiliger nicht ausfallen können.

Das Madrid-Derby, die Neuauflage des letztjährigen Finales, gab es in dieser Saison bereits sechs Mal zu sehen. PSG gegen Barca hört sich zwar nicht schlecht an, die beiden Klubs trafen aber schon in der Gruppenphase aufeinander.

Auch das Duell zwischen Porto und Bayern verspricht nicht gerade viel Spannung, ist doch zu befürchten, dass das Team von Pep Guardiola den portugiesischen Meister mit seinem langatmigen Ballbesitz-Fußball müde spielt.

So bleibt nur Juventus gegen Monaco über. Ein von den Namen her nicht gerade spektakuläres Spiel, doch blickt man ein wenig hinter die Oberfläche, so verspricht die Partie einiges an Brisanz. LAOLA1 hat die Gründe dafür:

  • Ein Klassiker der 1990er-Jahre

UEFA-Cup-Sieger 1990 und 1993, Finalist 1995. Dreimal in Folge im Champions-League-Endspiel, 1996 siegreich. Zweifelsohne, Juventus Turin war eines der dominierenden Teams der 90er-Jahre. Auch die AS Monaco mischte in der Elite mit. Für den französischen Meister 1997 und 2000 war 1994 bzw. 1998 erst im CL-Halbfinale Endstation. In Letzterem scheiterte man ausgerechnet an den Italienern. In einem Duell für Fußballfeinschmecker (trafen doch u.a. Deschamps, Zidane, Del Piero auf die Jungspunde Barthez, Sagnol und das kongeniale Sturm-Duo Henry und Trezeguet) eliminierte Alessandro Del Piero die Franzosen letztlich im Alleingang. Im Hinspiel gelang ihm ein Hattrick (u.a. per Traumfreistoß), ehe er im Rückspiel per Seitfallrückzieher das Final-Ticket buchte. Der letzte internationale Höhepunkt folgte ein paar Jahre später: Juve verlor das Endspiel 2003 gegen Milan, Monaco 2004 gegen den anderen Sensations-Finalisten Porto.

Die Aufstellungen im CL-Halbfinal-Hinspiel 1998

  • Ein ähnlich tiefer Fall

Danach kamen dunkle Zeiten auf beide Klubs zu. Juventus ließ den Scudetti 2002 und 2003 zwar noch zwei weitere 2005 und 2006 folgen, letztere wurden aber im Zuge von „calciopoli“, dem Manipulationsskandal, aberkannt. Noch fataler war die Verurteilung zum Zwangsabstieg in die Serie B, die den Abgang einiger Stars wie Cannavaro und Ibrahimovic zur Folge hatte. Zwar gelang der sofortige Wiederaufstieg, doch musste in den folgenden Jahren den Mailänder Rivalen der nationale Vorzug gegeben werden. Monaco erging es noch schlechter: Finanzielle Probleme ließen das Erfolgsteam 2004 zersplittern. Sieben Trainer in sechs Jahren führten schließlich zum Desaster, dem sportlichen Abstieg im Jahr 2011. Aufgrund des finanziellen Engpasses schien, im Gegensatz zu Juve, ein baldiger Wiederaufstieg völlig unrealistisch. Sogar die Drittklassigkeit drohte. Zwischnzeitlich fand man sich im Tabellenkeller der Ligue 2 wieder.

  • Das Comeback in der Königsklasse

Für beide Vereine gilt dasselbe: Vor einigen Jahren noch in der zweiten Liga, doch jetzt zurück im großen Geschäft. Juventus gelang dies durch ein professionelles Management samt neuem Stadion sowie die sportliche Erfolgskombination aus Antonio Conte und Andrea Pirlo. Der Ex-Trainer und sein Lieblingsschützling führten den Verein in den vergangenen Jahren zu drei Meistertiteln in Folge und ins CL-Viertelfinale 2013. Conte-Nachfolger Massimiliano Allegri soll mit dem ersten Semifinal-Einzug seit 2003 nun auch international den großen Sprung schaffen. Die AS Monaco hat seinen Aufstieg vor allem einem Mann zu verdanken: Dimitry Rybolovlev. Der Oligarch übernahm den Klub in der Ligue 2 und investierte nach dem Aufstieg insgesamt rund 130 Millionen Euro in die Stars Joao Moutinho, James Rodriguez und Radamel Falcao. Das Financial Fair Play der UEFA und strengere Regelungen der französischen Liga bezüglich der Steuer-Vorteile Monacos bereiteten der großspurigen Verpflichtung von Superstars jedoch mittlerweile ein Ende. Falcao ist zu ManUnited verliehen, James wurde um gutes Geld an Real verkauft. Nun gehen die Monegassen einen anderen Weg: Das Scouting wird ausgebaut, junge, hungrige Talente sollen den Verein zu neuen Höhen führen. Heuer funktioniert dieses Konzept schon einmal gut, der FC Arsenal kann ein Lied davon singen.

Kondogbia ist eine der heißesten Aktie in Frankreich

  • Monacos zukünftige Superstars

Yannick Ferreira Carrasco, Bernardo Silva, Geoffrey Kondogbia und Anthony Martial. Diese Namen sollte man für die nächsten Jahre am Zettel haben, sie werden sich demnächst wohl bei absoluten Top-Klubs wiederfinden. Carrasco (21) entstammt der bekannten Jugend-Akademie des KRC Genk, die schon Kevin de Bruyne und Thibaut Courtois herausbrachte. Als schneller Flügelflitzer gelang ihm sogar schon der Sprung ins hochkarätig besetzte belgische Nationalteam. Der Portugiese Silva (20) ist ein ähnlicher Spielertyp, er kam um 15 Millionen Euro von Benfica und glänzte zuletzt mit zwei Toren beim 3:0 gegen Caen. An vorderster Front gilt der 19-jährige Anthony Martial als heiße Aktie. Ihn kaufte Monaco 2013 um fünf Millionen Euro von Lyon. Als Prototyp des modernen Stürmers ähnelt er ein wenig Alvaro Morata, diese Saison brachte er es immerhin schon auf zehn Saisontore. Auch Geoffrey Kondogbia stieß vor zwei Jahren zu den Monegassen. 20 Millionen Euro überwies man für ihn nach Sevilla. Als defensiver Mittelfeldspieler hält er seinen Mitspielern den Rücken frei. Sowohl hinten als auch vorne hat der 22-Jährige seine Stärken. Der FC Liverpool soll ihn schon seit längerer Zeit beobachten.

  • Juventus rechnet mit Final-Einzug

Juve-Coach Allegri rechnet offenbar schon mit einem Einzug seines Teams ins CL-Finale. Denn der ehemalige Milan-Coach schlug eine Verschiebung des Endspiels der Coppa Italia vor, weil dieses am Tag nach dem CL-Finale stattfindet. Der 3:0-Erfolg über die Fiorentina in der letzten Woche, der den Cup-Semifinal-Einzug trotz einer 1:2-Pleite im Hinspiel bedeutete, ließ Allegri offenbar überheblich werden. „Alle haben den Sieg in Florenz für normal gehalten. Aber das ist das erste Mal, dass Juventus in nationalen oder internationalen Cup-Wettbewerben eine Heimniederlage im Rückspiel noch umgedreht hat“, erklärte der 47-Jährige, der aktuell auf Paul Pogba verzichten muss, dafür aber auf einen Einsatz von dessen Mittelfeld-Kolegen Pirlo hofft. Auch Carlos Tevez, der in dieser Saison schon 25 Tore erzielte, deutete einen möglichen CL-Sieg an: "Wir können wie Atletico im letzten Jahr sein - mit besserem Ende." Der Warnschuss zur rechten Zeit folgte für Juventus prompt. Am Samstag blamierte man sich mit einem 0:1 gegen Schlusslicht Parma. „Gegen Monaco gibt es eine ganz andere Juve“, versprach Claudio Marchisio.

  • Italiener gegen ein italienisch spielendes Team

Für Aufregung könnte auch Monaco-Trainer Leonardo Jardim sorgen. Nach dem sensationellen Achtelfinal-Aufstieg gegen Arsenal verweigerte der Portugiese seinem Gegenüber Arsene Wenger den Handschlag. Seine Begründung: Die „Gunners“-Legende hätte ihm beim Hinspiel selbigen nicht gewährt. Auch der französische Ex-Nationalstürmer Christophe Dugarry hat seine Probleme mit Jardim. „Wenn ich Spiele von Monaco sehe, ist das wie ein Abführmittel“, meinte Dugarry unlängst. Verantwortlich dafür macht er die defensive Spielweise des 40-jährigen Trainers. In der CL-Gruppenphase kassierte man nur einen einzigen Gegentreffer. Auch Arsenal biss sich an der Mauer der Monegassen die Zähne aus. Kaum ein Team spielt also italienischer als die Mannschaft aus dem Fürstentum. Nun geht es ausgerechnet gegen Italiens Meister. Ein Offensiv-Spektakel darf man sich davon nicht erwarten, einen brisanten Viertelfinal-Kracher aber allemal.

 

Andreas Gstaltmeyr / Jakob Faber

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen