Szabics: "Schätze, dass wir stärker sind, aber..."

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Nach der Auslosung für die Champions-League-Qualifikation glühte das Handy von Imre Szabics.

Logisch, als ungarischer Legionär beim SK Sturm war der Stürmer natürlich ein begehrter Gesprächspartner bezüglich des FC Videoton.

Der 30-Jährige geht mit ambivalenten Gefühlen ins Duell mit dem Meister seines Heimatlandes. Einerseits freut er sich auf zwei „Heimspiele“, andererseits hat er schlechte Erinnerungen an Europacup-Auftritte in Ungarn, wie er im LAOLA1-Interview verrät.

LAOLA1: Was war dein erster Gedanke, als bei der CL-Auslosung Videoton gezogen wurde?

Imre Szabics: Auf der einen Seite wollte ich das eigentlich vermeiden. Ich habe einmal mit dem VfB Stuttgart in Ungarn Europacup gespielt. An dieses Spiel habe ich keine schönen Erinnerungen, weil ich extrem beschimpft wurde. Dem wollte ich entgehen. Auf der anderen Seite ist es ein sehr schönes Spiel. Es ist nicht weit zu fahren, unsere Fans können uns begleiten und daraus zwei Heimspiele machen, obwohl wir eigentlich zwei Mal auswärts spielen.

LAOLA1: Du kennst Videoton bei Sturm naturgemäß am besten. Eine Mannschaft, die nicht zu unterschätzen ist, oder?

Szabics: Es ist eine Mannschaft, die sich in den letzten Jahren richtig gut weiterentwickelt hat. Wobei man sagen muss, dass sie sich auch immer wieder weiterentwickeln wollen. Sie haben jetzt auch richtig in den Kader investiert. Das ist kein Gegner, wo man sagen kann, dass du zu 80 Prozent weiterkommst. Ich schätze es so ein, dass wir stärker sind, aber wir werden an unsere Leistungsgrenze gehen müssen, damit wir aufsteigen.

LAOLA1: Kommen wir zur Liga. Ist es ein anderes Gefühl, die Vorbereitung als Meister zu absolvieren?

Szabics: Natürlich, jetzt sind wir die Gejagten. Aber unser Saison-Ziel ist es, unter die ersten Drei zu kommen. Ich glaube, dass das realistisch ist. Wenn man sich die finanziellen Möglichkeiten der anderen Mannschaften anschaut: Was die an Budget haben, muss man im Auge behalten, deswegen müssen wir bescheiden bleiben.

LAOLA1: Wie schätzt du die Kaderveränderungen ein? Mit Gordon Schildenfeld erfolgte zuletzt ein bitterer Abgang…

Szabics: Ich denke, dass wir eine schlagkräftige Truppe auf dem Platz haben werden. Für die Transfers bin ich nicht verantwortlich, da sind andere die Entscheidungsträger. Aber ich bin der Meinung, dass der Großteil der Mannschaft zusammen geblieben ist. Das könnte unser Vorteil sein.

LAOLA1: Du bist sehr stark auf Facebook aktiv. Ist diese Interaktion mit den Fans wichtig für dich?

Szabics: Heutzutage ist es sehr wichtig, dass man mit den Möglichkeiten, die es durch das Internet gibt, den Fans etwas bietet. Von mir hat auch schon Fake-Seiten auf Facebook gegeben – wenn so etwas erscheint, finde ich das nicht schön. Daher habe ich mich entschieden, dass ich es richtig mache.

Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Auf welche Spieler gilt es besonders zu achten? Torschützenkönig André Alves sticht als erstes in Auge, dazu wurden drei Spanier verpflichtet…

Szabics: Natürlich muss man den letztjährigen Torschützenkönig erwähnen, aber es ist allgemein schwer, diese Mannschaft momentan einzuschätzen. Ich kann nur von der Mannschaft der letztjährigen Saison reden, jetzt haben sie mit Paulo Sousa jedoch einen neuen Trainer. Ihren Meistertrainer haben sie entlassen. Mit dem neuen Coach haben sie auch fünf, sechs neue Spieler geholt. Für mich ist es eine Wundertüte, wie sie sich präsentieren werden, ob die Philosophie des neuen Trainers schon greift, oder ob sie einen Überflieger bekommen werden.

LAOLA1: Wie schätzt du ein, dass mit Paulo Sousa ein sehr prominenter Name verpflichtet werden konnte? Unterstreicht das die finanziellen Möglichkeiten?

Szabics: Er hat einen großen Namen, aber wenn man seine Karriere als Trainer anschaut, sieht es nicht so schön aus. Man muss immer unterscheiden, welche Karriere jemand als Spieler, und welche er als Trainer gehabt hat. Ich wünsche ihm alles Gute, aber nicht gegen uns.

LAOLA1: Hast du wegen der Partie momentan mehr Kontakt nach Hause oder gar Wetten mit Freunden laufen?

Szabics: Nach der Auslosung war es extrem. Da habe ich einige Anrufe aus Ungarn bekommen, aber das hat sich mittlerweile gelegt. Ich denke, dass es vor dem Spiel noch einmal richtig stark wird. Aber ich spiele ja nicht gegen mein Land, sondern gegen eine Mannschaft – und ich spiele für Sturm Graz, also ist es für mich ein ganz normales Europacup-Spiel.

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