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Sturm zuversichtlich: "Das geben wir nicht mehr her!"

Kärntens Landeshauptstadt und der SK Sturm – eine Erfolgs-Story.

Im Mai 2010 triumphierten die Grazer gegen den SC Magna (1:0) im Endspiel des ÖFB-Cups.

Ein Jahr und zwei Monate danach wurde der Grundstein für den Einzug in die dritte Qualifikations-Runde der Champions League gelegt.

Zum gefeierten Helden des 2:0-Arbeitssieges über den ungarischen Titelträger FC Videoton wurde ausgerechnet Imre Szabics.

„Ich habe im Vorfeld betont: Ich spiele nicht gegen meine Heimat, sondern gegen einen Rivalen im Kampf um die Gruppenphase. Es war eine normale Europacup-Partie und kein besonderes Gefühl“, erklärt der Schütze des Führungs-Treffers.

Football und CL-Quali kommen sich in die Quere

Aufgrund einer Termin-Kollision mit der Football-Weltmeisterschaft mussten die Grazer in die EM-Arena in Klagenfurt ausweichen.

Während das österreichische Nationalteam in der UPC-Arena eine 16:24-Pleite kassierte, erging es den „Verstoßenen“ bedeutend besser. Auch aufgrund zahlreich mitgereister Sturm-Anhänger.

„Die Fans haben eine irrsinnige Stimmung gemacht. Ihnen gebührt ein Dank, dass sie wieder hierher gekommen sind“, spricht Roman Kienast das neuerlich siegreiche Gastspiel an.

Abstimmung und Spielpraxis fehlt

Dennoch mühte sich der Meister über weite Strecken. Nach dem Abgang von Abwehrchef Gordon Schildenfeld bildeten Ferdinand Feldhofer und Thomas Burgstaller die Defensiv-Zentrale.

Im Mittelfeld agierte Matthias Koch, Neuzugang von Altach, neben Manuel Weber als „Doppel-Acht“.

Besonders zu Beginn war den „Hausherren“ die fehlende Abstimmung der Formationen als auch die nicht vorhandene Pflichtspiel-Praxis anzumerken.

Ein Großteil der Angriffe fand im Aufbau durch Fehlpässe ein baldiges Ende. War dies nicht der Fall, wurden die Bemühungen spätestens an der Strafraumgrenze gestoppt.

Neue Situation bringt Nervosität

„Anfangs war es ein nervöser Beginn beider Seiten. Für Klub und Spieler ist die Quali zur Champions League etwas Neues, da geht es wirklich um viel. Zudem war es der Saison-Auftakt für uns“, kennt Patrick Wolf die Probleme.

Bereits in der 36. Minute wurde der Flügelspieler für den überraschend aufgebotenen Haris Bukva eingewechselt. Der LASK-Rückkehrer zog sich bei einem schnellen Antritt ohne Fremdeinwirkung eine Oberschenkel-Verletzung zu.

Teams neutralisieren einander

Die erste nennenswerte Sturm-Möglichkeit fand Szabics nach Steilpass von Offensiv-Freigeist Samir Muratovic, für den mit Trainingsrückstand auf der Bank lauernden Kienast im Einsatz, vor. Aus spitzem Winkel landete der Abschluss im Außennetz.

Auch die Gäste aus Ungarn bekamen die ein oder andere Halb-Chance, zwingende Szenen waren jedoch im ersten Abschnitt Mangelware.

Beide Teams neutralisierten einander, die Angriffs-Reihen waren trotz Temperaturen um die 28 Grad lediglich ein laues Lüftchen.

Tempo im Sturm-Spiel fehlte

„Videoton war taktisch gut organisiert. Sie haben uns mit drei zentral defensiven Mittelfeldspielern das Leben schwer gemacht. Zudem haben sie mit Alves eine gefährliche Spitze, wo man immer auf der Hut sein muss. Es waren wenig Räume vorhanden“, so Trainer Franco Foda.

In der Pause rüttelte der Deutsche seine Mannen wach, die Marschroute: „schneller über die Flügel und in die Tiefe spielen.“

Langsam nahm der Sommer-Kick an Fahrt auf. Einen ersten Warnschuss gab der FC Videoton, das sich  Freitags zuvor den Supercup mit einem 1:0 gegen Kecskeméti sicherte, ab.

Szabics nicht zu halten

Über den starken Jungstar Akos Elek und Atilla Polonkai gelangte das Leder zu Andras Gosztonyi, der nur knapp die Kreuzecke verfehlte.

Auf der Gegenseite schoss sich Szabics warm, in der 68. Minute schlug er dann eiskalt zu.

Ein kurz abgespielter Corner kam zum aufgerückten Außenverteidiger Dominic Pürcher, dessen Maßflanke auf der Brust des Ungarn landete.

Zwei Verteidiger konnten ihn nicht vom Ball trennen, Goalie Tomas Tujvel konnte aus kurzer Distanz nichts mehr ausrichten.

Nur wenige Augenblicke später hatte Feldhofer die Vorentscheidung auf dem Fuß, doch der Defensiv-Spezialist scheiterte aus rund acht Metern völlig freistehend.

„Wir haben nicht gescort, Sturm schon“

In weiterer Folge fehlten den Magyaren nicht viel zum Ausgleich. Ein Distanz-Schuss landete nur knapp neben dem Kasten, zudem hielt Christian Gratzei mit einer Glanzparade die Null fest.

„Francos Mannschaft war sehr gut organisiert, vor allem gegen Ende des Spiels. Vom Ballbesitz her war es ausgeglichen und in Sachen Möglichkeiten hatten wir sogar einen kleinen Vorteil. Wir haben nicht gescort, Sturm schon“, analysiert Videotons Star-Trainer Paulo Sousa treffend.

Nach zwei Minuten der Nachspielzeit legte Joker Kienast nochmals nach. Der Goalgetter spitzelte einen Querpass von Andreas Hölzl durch die Beine des ungarischen Schlussmanns.

„Vor allem kein Auswärtstor kassiert“

Für das Rückspiel könnte die Ausgangsposition in Anbetracht des Ergebnisses besser nicht sein, das bestätigt Gratzei: „Wir haben mit zwei Toren Unterschied gewonnen und vor allem kein Auswärtstor kassiert.“ Letztlich auch ein Verdienst der über weite Strecken soliden Burgstaller sowie Feldhofer.

Foda zeigt sich mit Sturms „Sorgenkind“, der neuformierten Innenverteidiung, zufrieden: „Je länger das Spiel gedauert hat, umso sicherer wurde die Defensive. Wir haben über 90 Minuten wenig Torchancen zugelassen.“

Alles in der eigenen Hand

Kommenden Mittwoch gastieren die „Blackies“ in Szekesfehervar, alles andere als der Aufstieg in die dritte Runde der Qualifikation für die Königsklasse wäre eine Überraschung. Dies sieht Torschütze Kienast ähnlich.

„Das dürfen wir keinesfalls hergeben. Wir müssen konzentriert in die Partie gehen, nicht nachlässig werden und mehr Konter-Chancen fertig spielen.“ Von Resignation ist jedenfalls auf der Gegenseite keine Spur.

„Langsam gehört Stadion uns“

„Sturm war nicht um so viel besser. Ich bin mit unserem Auftreten nicht unzufrieden, daher gehe ich mit einer positiven Einstellung in das Rückspiel. Die Chancen sind natürlich geringer als im Vorfeld des Spiels. Nach dem, was ich gesehen habe, können wir dennoch Selbstvertrauen haben“, bleibt Sousa optimistisch.

Ein heißer Tanz wartet indes auf Szabics. Mit Anfeindungen und gellendem Pfeifkonzert konnte der Ungar bereits rechnen, nach seinem Führungs-Treffer erwartet ihn wohl ein wahrer Spießrutenlauf.

„Höchstwahrscheinlich“, so der lächelnde Kommentar. Abschließend erklärt der Angreifer die EM-Arena in Klagenfurt noch zu Sturms zweiter Heimstätte: „Langsam gehört das Stadion uns“.

Wohl wahr nach den Ereignissen der Vergangenheit.

Christoph Köckeis/Peter Altmann

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